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Papst verurteilt Ukraine-Krieg ohne Putin zu kritisieren

01. Apr. 2022 · Lesedauer 3 min

Papst Franziskus hat auf seiner Reise in Malta überraschend deutlich den Ukraine-Krieg verurteilt und die mächtigen Akteure des Konflikts ins Visier genommen. "Der frostige Wind des Krieges, der Tod, Zerstörung und Hass mit sich bringt, ist anmaßend über das Leben vieler und die Tage aller hereingebrochen", sagte das katholische Kirchenoberhaupt am Samstag vor Diplomaten in der maltesischen Hauptstadt Valletta.

"Einige wenige Mächtige" provozierten und schürten Konflikte und schritten eigenmächtig auf der Suche nach Einflusszonen voran, erklärte der 85-Jährige. Franziskus ging nicht konkret auf Namen ein und nannte wie schon seit Kriegsbeginn weder Russland noch Kremlchef Wladimir Putin als Aggressoren in dem Konflikt. "Ja, der Krieg hat sich seit langem zusammengebraut, mit großen Investitionen und Waffengeschäften", kritisierte Franziskus. "Wir dachten, dass Invasionen aus anderen Ländern, brutale Straßenkämpfe und atomare Bedrohungen dunkle Erinnerungen an eine ferne Vergangenheit seien."

Beobachter werteten in der Rede Franziskus' die bisher deutlichste Kritik an der russischen Invasion in die Ukraine seit Ausbruch des Konflikts. Während des Fluges Richtung Malta erwog der Papst außerdem im Gespräch mit einem Journalisten eine Reise nach Kiew. "Das liegt auf dem Tisch", sagte der Papst auf die Frage, ob er die Einladung ukrainischer Politiker für einen Besuch in Betracht ziehe.

In seiner Rede sprach der Heilige Vater weiter über Migration im Mittelmeerraum und forderte: "Das Mittelmeer darf nicht zum größten Friedhof Europas werden." Das Thema ist in dem überwiegend katholischen Land mit rund 500.000 Einwohnern sehr umstritten. Immer wieder machen sich Migranten von Nordafrika über das Mittelmeer auf in das südliche EU-Land. Zivile Seenotretter lassen die Behörden schon länger nicht mehr in den Häfen anlegen.

Franziskus übte Kritik daran, wie Europa mit Migranten umgeht. "Die Ausweitung der Notsituation der Migration - man denke nur an die Flüchtlinge aus der gepeinigten Ukraine - verlangt nach umfassenden, gemeinsamen Antworten", forderte der Papst. Es sei nicht möglich, dass einige Länder das gesamte Problem aufgebürdet bekämen, während die anderen Länder in der Gleichgültigkeit verharrten.

Maltas Staatschef George Vella sicherte zu, an der Regelung der Migration zu arbeiten: "Wir werden weiter eine menschliche, gerechte und faire Lösung für die ungeregelte Migration suchen." Man wisse, wie der Heilige Vater darüber denke, und man teile seinen Schmerz, wann immer Tote an die Küste geschwemmt würden und Migranten in erbärmlichen Zuständen ankämen, "wenn sie es überhaupt schaffen".

Franziskus hatte noch ein drittes Thema auf seiner Agenda: Korruption. Der brutale Mord an der Investigativ-Journalistin Daphne Caruana Galizia 2017, die zu korrupten Machenschaften rund um einen Kraftwerksdeal recherchierte, der sich bis in die höchste Politikebene zog, machte das Problem weltweit bekannt. Man müsse das Land vor "unersättlicher Raffsucht, Geldgier und Bauspekulationen bewahren", befand Franziskus. Das Engagement zur Beseitigung von Illegalität und Korruption sollte daher so stark sein "wie der Wind, der aus dem Norden weht", erklärte er weiter - ein Bezug auf die Länder in Europa.

Eigentlich war Franziskus' Reise auch schon für Mai 2020 geplant. Wegen des Ausbruchs der Corona-Pandemie wurde sie dann jedoch abgesagt und verschoben. Insgesamt tausende Menschen jubelten dem Argentinier am Samstag vielerorts zu. Auf den Straßen waren große Plakate mit dem Konterfei des Argentiniers aufgestellt.

Quelle: Agenturen