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Papst stellt Ukraine und Russland unter den Schutz Mariens

25. März 2022 · Lesedauer 3 min

Papst Franziskus hat Russland und die Ukraine unter den Schutz Mariens gestellt. "Möge die Mutter Gottes heute unseren Weg an der Hand nehmen: Möge sie ihn über die steilen und mühsamen Pfade der Brüderlichkeit und des Dialogs führen, möge sie ihn auf den Weg des Friedens führen", sagte Franziskus am Freitagabend bei einem Bußgottesdienst im Petersdom in Rom. Weltweit gab es zeitgleich ähnliche Gebete, auch im Wiener Stephansdom unter Leitung von Kardinal Christoph Schönborn.

Die Gebetsaktion fand am Fest Mariä Verkündigung statt. Franziskus sprach von einem "grausamen und sinnlosen Krieg, der die Welt bedroht". Er unterstrich die Bedeutung der "kostbaren Güter der Brüderlichkeit und des Friedens" und bat die Gottesmutter, "uns zu beschützen und zu bewahren". Gott habe "Pläne für den Frieden und nicht für das Unglück".

3.500 Gläubige wurden für die Zeremonie in den Petersdom gelassen. Weitere 2.000 Gläubige konnten dank der Großbildschirme auf dem Petersplatz die Bußfeier verfolgen. "Der brutale Krieg, der so viele Menschen getroffen hat und unter dem alle leiden, löst bei allen Angst und Bestürzung aus", sagte der Papst in seiner Predigt. "Wir spüren ein Gefühl der Ohnmacht und der Unzulänglichkeit. Wir brauchen Gottes Gegenwart, die Gewissheit der göttlichen Vergebung, die einzige, die das Böse auslöscht, den Groll entschärft und den Frieden im Herzen wiederherstellt", so der Papst.

Der Vatikan veröffentlichte den Text des mit der Weihe verbundenen Friedensgebets in drei Dutzend Sprachen. Bischöfe und Gläubige in aller Welt beteiligten sich daran. Kardinal Schönborn vollzog die Marienweihe im Rahmen einer Kreuzwegandacht im Stephansdom zeitgleich mit dem Papst. Laut italienischen Zeitungsberichten schloss sich auch der emeritierte Papst Benedikt XVI. privat im vatikanischen Kloster Mater Ecclesiae dem Gebet an. Kurienkardinal Konrad Krajewski vollzog den Weiheritus im weltbekannten portugiesischen Marienwallfahrtsort Fatima.

Beim Gebet im Stephansdom waren auch hochrangige Diplomaten der beiden Konfliktparteien anwesend. Neben dem Gesandten und Botschaftsrat der ukrainischen Botschaft Wadym Kowalewskyj, der in der ersten Reihe neben dem Wiener Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) saß, war auch der russische Kulturattachee Nikolaj Agejew gekommen. Laut Agejew war es der erste öffentliche Anlass in Österreich seit Kriegsbeginn, bei dem Vertreter Russlands und der Ukraine anwesend waren.

Seit Ausbruch des Kriegs hat der Pontifex immer wieder den Ukraine-Konflikt verurteilt. Am Dienstag führte er ein Telefonat mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj, der sich offenbar Hoffnungen auf eine Reise von Papst Franziskus in sein Land macht. Er habe Franziskus in einem Telefonat am Dienstag eingeladen, "unser Land in dieser entscheidenden Zeit zu besuchen", sagte Selenskyj.

Der ukrainische katholische Erzbischof Mieczyslaw Mokrzycki sagte, dass ein Papst-Besuch möglich sei. Das Kirchenoberhaupt könne in der Ukraine zwar nicht mit einer großen Gruppe von Gläubigen zusammenkommen, sagte der römisch-katholische Erzbischof von Lwiw (Lemberg) laut Kathpress im Interview der polnischen Nachrichtenagentur KAI. Doch könne der Papst nicht nur in die Westukraine reisen, sondern auch nach Kiew oder Odessa. "Die Ukraine wartet auf den Heiligen Vater, sogar in dieser schwierigen Kriegssituation", so Mokrzycki. Damit verbinde er die große Hoffnung auf ein Ende der Gefechte. Er erinnerte an den gemeinsamen Kiew-Besuch der Regierungschefs der EU-Staaten Polen, Tschechien und Slowenien von Mitte März.

Quelle: Agenturen