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Palmsonntagsprozessionen in Damaskus abgesagt

Heute, 19:49 · Lesedauer 2 min

Die katholischen Kirchen in Damaskus haben die für Palmsonntag geplanten Straßenprozessionen abgesagt. Die Absage erfolgte einen Tag, nachdem am Freitag eine mehrheitlich von Christen bewohnte Stadt im Zentrum Syriens angegriffen worden war, teilten Kirchenvertreter am Samstag mit. Die Kirchen in Damaskus hätten gemeinsam beschlossen, die Osterfeierlichkeiten auf Gottesdienste im Inneren der Kirchen zu beschränken, so das Griechisch-katholische Patriarchat in Antiochia.

Am Freitag hatte es in der Stadt Sukajlabijah im Zentrum Syriens Kämpfe zwischen Einwohnern und bewaffneten Angreifern aus umliegenden Dörfern gegeben. Nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte stürmten maskierte Männer die Stadt und griffen Bewohner an. Ein Bewohner Sukajlabijahs berichtete, er habe Schüsse und "Allahu Akbar"-Rufe gehört und sich aus Angst in seinem Haus verschanzt. Andere Bewohner schilderten der Nachrichtenagentur AFP, die Angreifer hätten mehr als 20 Geschäfte verwüstet und Autos in Brand gesetzt.

Das griechisch-orthodoxe Patriarchat in Antiochia verurteilte den Angriff und forderte Ermittlungen. In Sukajlabijah demonstrierten am Samstag dutzende Menschen mit einem Sitzstreik.

Nach dem Sturz des langjährigen syrischen Machthabers Bashar al-Assad im Dezember 2024 hatte sich die neue islamistische Übergangsregierung verpflichtet, Minderheiten zu schützen. Nach einem Selbstmordanschlag auf eine Kirche in Damaskus mit 25 Todesopfern im Juni haben die Sorgen der Christen in Syrien jedoch zugenommen.

Im vergangenen Jahr waren bei gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen verschiedenen Bevölkerungsgruppen tausende Menschen getötet worden, darunter vor allem Angehörige der Minderheit der Alawiten, aber auch Drusen. Den syrischen Behörden wird vorgeworfen, Minderheiten nicht vor Gewalt zu schützen oder sogar zu Gräueltaten anzustiften und sich daran zu beteiligen.

Die staatliche Nachrichtenagentur SANA bezeichnete die Vorfälle in Sukajlabijah am Samstag als "Massenschlägerei" zwischen jungen Männern.

Zusammenfassung
  • Die katholischen Kirchen in Damaskus haben die Palmsonntagsprozessionen abgesagt, nachdem am Freitag die mehrheitlich christliche Stadt Sukajlabijah von maskierten Angreifern überfallen wurde.
  • Bei dem Angriff im Zentrum Syriens wurden laut Bewohnern mehr als 20 Geschäfte verwüstet und Autos in Brand gesetzt, während dutzende Menschen am Samstag mit einem Sitzstreik protestierten.
  • Nach dem Sturz von Bashar al-Assad im Dezember 2024 und einem Selbstmordanschlag mit 25 Toten im Juni wachsen die Sorgen der christlichen Minderheit um ihre Sicherheit, obwohl die neue Übergangsregierung Schutz zugesichert hatte.