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Palermo verlieh Crew der NGO Sea Eye die Ehrenbürgerschaft

05. Juni 2021 · Lesedauer 3 min

Die Crew der 2015 gegründeten deutschen Nichtregierungsorganisation für Seenotrettung, Sea Eye, hat die Ehrenbürgerschaft der Stadt Palermo erhalten. Bei einer Zeremonie im Rathaus der sizilianischen Hauptstadt am Freitagabend verlieh Bürgermeister Leoluca Orlando dem Sea-Eye-Präsidenten Gorden Isler sowie Jan Ribbeck, dem verantwortlichem Koordinator der Einsätze, die Auszeichnung. Am Samstag wurde indes ein Sea-Eye-Schiff von Italiens Küstenwache festgesetzt.

Begründet wurde die Ehrenbürgerschaft damit, dass die NGO mit ihren Schiffen "Alan Kurdi" und "Sea Eye 4" im Mittelmeer Such- und Rettungsaktionen auf See durchführt und dabei 15.400 Menschen gerettet habe. Die Hilfsorganisation sei damit ein Zeuge dessen, was mit Flüchtlingen und Migranten geschieht, und für die tiefe humanitäre Krise in Nordafrika.

Die Ehrenbürgerschaft sei außerdem eine Anerkennung dafür, dass die Crew "mit Mut und Verantwortung, inmitten von Hindernissen und Manipulationen der Wahrheit die Einhaltung der verfassungsmäßigen und internationalen Normen in Bezug auf die Seenotrettung verfolgt" habe.

"Es ist ein großartiges Gefühl diese Ehrenbürgerschaft an eine NGO, Sea Eye, zu verleihen, die trotz Egoismus und Gleichgültigkeit und trotz Anfeindungen, die darauf abzielen, ihre Tätigkeit zu entmutigen, Tausende von Menschenleben gerettet hat. Die Verleihung der Ehrenbürgerschaft ist ein Aufruf an Europa, bei der Flüchtlingsproblematik nicht wegzuschauen", sagte Bürgermeister Orlando.

Die Freude der Hilfsorganisation für die Auszeichnung wurde jedoch vom Beschluss der italienischen Küstenwache getrübt, das neue Rettungsschiff "Sea Eye 4" in Palermo festzusetzen. Technische Gründe wurden als Erklärung angeführt, teilte die NGO am Samstag per Twitter mit.

"Argumentiert wird, die deutschen Rettungsschiffe würden regelmäßig zu viele Menschen vor dem Ertrinken retten und für diesen humanitären Zweck falsch zertifiziert sein", sagte Isler, Vorsitzender von Sea-Eye. "Die große Anzahl der geborgenen Personen, die über die durch das genannte Zertifikat erlaubte Anzahl hinausgeht, stellt eine ernste Gefahr für das Schiff und die Besatzung dar", heißt es im Bericht der italienischen Küstenwache.

Insgesamt führten die Inspektoren der Küstenwache während einer zwölfstündigen Kontrolle zehn Gründe für die Festsetzung an. "Unser Kapitän ist der Pflicht zur Seenotrettung vorbildlich nachgekommen. Er hat Seenotfälle gesehen und eine sichere Rettung durchgeführt. Daran können sich die EU-Staaten ein Beispiel nehmen", erwiderte Isler. Inzwischen sind schon vier Rettungsschiffe unter deutscher Flagge von Italien festgesetzt worden, neben der "Sea-Eye 4" auch die "Alan Kurdi", die "Sea-Watch 3" und die "Sea-Watch 4".

Die "Sea-Eye 4" führte im Mai ihre erste Rettungsmission durch und rettete 408 Menschenleben, darunter 150 Kinder. Die Flüchtlinge durften, nachdem die Crew mehrere Tage einen sicheren Hafen gesucht hatte, am 21. und am 22. Mai in Pozzallo auf Sizilien an Land gehen.

Quelle: Agenturen