APA - Austria Presse Agentur

Experte: Werden den April im Lockdown verbringen

25. März 2021 · Lesedauer 4 min

Der am Mittwoch verkündete Ost-Lockdown wird nach Meinung der Virologin Dorothee von Laer und des Epidemiologen Gerald Gartlehner wahrscheinlich nicht reichen, um den überlasteten Intensivstation zu helfen.

Gartlehner kritisierte, dass die Maßnahmen zu spät kommen und zu kurz dauern. Eine Spur zuversichtlicher ist indes Dorothee von Laer: "Ob das ausreicht, bezweifle ich. Wahrscheinlich reicht es nicht aus. Aber vielleicht haben wir ja Glück". Der Virologe Andreas Bergthaler spricht sich im PULS 24 Interview für einen österreichweiten Lockdown aus, bis die 7-Tages-Inzidenz unter 50 ist. 

Mini-Lockdown "homöopathische Dosis"

Gartlehner geht davon aus, dass wir nach dem Oster-Lockdown vom 1. bis 6. April nahtlos in einen längeren übergehen und den April im Lockdown verbringen. "Diese fünf, sechs Tage sind eine homöopathische Dosis, das wird die Infektionszahlen nicht nachhaltig ändern." Gartlehner kann dem Ganzen aber auch etwas Positives abgewinnen: "Zumindest ist die Realität anerkannt worden. Am Montag hat man noch geglaubt, dass nichts passiert." Die Politik könnte aber "gleich mit offenen Karten spielen" und die unangenehme Wahrheit sagen, "dass es sich mit fünf bis sechs Tagen nicht ausgehen wird", so der Experte für Evidenzbasierte Medizin von der Donau-Universität Krems.

Bergthaler meint ebenfalls, dass der Mini-Lockdown keine dauerhafte Entspannung der Lage bringen wird. Der Mini-Lockdown von fünf Tagen sei nur ein kurzes "Aufatmen", die Infektionszahlen könne man damit aber nicht drücken. "Erst wenn wir bei einer 7-Tages-Inzidenz von 50 sind", sei es keine "österreichische Lösung " mit "ein bissi zusperren, ein bissi aufsperren" mehr.

Der Virologe Andreas Bergthaler sieht im Mini-Lockdown nur eine Zwischenlösung.

Tirol ist jetzt dort, wo Wien vor drei Wochen war

Gartlehner warnt auch davor, dass die kritische Situation nicht auf die Ostregion beschränkt belieben werde. Im Tirol sei man jetzt dort, wo Wien vor zwei bis drei Wochen war. "Früher oder später wird überall die gleich Situation eintreten." Erleichterungen erwarte er erst in drei Monaten, Ende Juni, wenn ausreichend Menschen immunisiert seien und wenn nichts dazwischen komme. "Wir gehen mit enorm hohen Zahlen in den Frühling." Die Lage sei daher ganz anders als letztes Jahr.

Das stimmt auch mit dem überein, was Natalija Cokic, Leiterin der Intensivmedizin am LKH Graz, am Mittwoch im PULS 24 Interview sagte. Der Krankheitsverlauf in der 3. Welle sei durch die Briten-Variante des Corona-Virus schnell als in der zweiten Welle 2020. 

Covid-Patienten landen "innerhalb von 24 Stunden" auf Intensivstation

Natalija Cokic, Leiterin der Intensivamedizin am LKH Graz, im PULS 24 Interview.

Spät und kurz

"Eher spät und eher kurz" - so beurteilte Virologin Von Laer im APA-Gespräch die Maßnahmen inklusive Kurzzeit-Lockdown für die Ostregion zu Ostern. Es sei zu hoffen, dass die Menschen bereits in der Woche bis Ostern die Warnungen ernst nehmen und sich entsprechend verhalten. Nach der geplanten Aufhebung des Lockdowns sei aber davon auszugehen bzw. sei zu befürchten, dass die Zahlen wieder ansteigen und man auch in den Intensivstationen der Krankenhäuser wieder an die Kapazitätsgrenzen gelange.

Mit Glück halten sich Menschen an Maßnahmen

Einen Lichtblick bzw. möglichen Auswege aus der verfahrenen Situation ohne Verlängerung des Lockdowns nach Ostern sah Von Laer jedoch: Sollten Maßnahmen wie die auf alle Innenräume ausgeweitete FFP2-Maskenpflicht sowie die Betriebstestungen eingehalten werden, könne man vielleicht mit Glück auch so - "ohne das wirtschaftliche Leben groß einzuschränken" - bis Ende Mai "durchkommen". Denn bis dahin würden wohl die Impfungen signifikant fortgeschritten sein und wirklich die Normalität sich wieder Bahn brechen.

Lockdown auch im Westen wahrscheinlich 

Nicht aus dem Schneider sah Von Laer auch die übrigen Bundesländer. Denn auch dort würden die Infektionszahlen wegen der Briten-Mutante derzeit steigen. Schließlich wisse man auch, dass sich die Infektionen auf den Intensivstationen gewöhnlich mit einer Verzögerung von drei bis vier Wochen bemerkbar machen. Dass ähnliche Maßnahmen wie im Osten notwendig werden, hielt Von Laer für "nicht unwahrscheinlich", aber prognostizieren könne man dies nicht. Den übrigen Bundesländern könne der Faktor Zeit bzw. das hoffentlich bald Fahrt aufnehmende Impftempo helfen. "Aber auch sie müssen weiter sehr achtsam sein", meinte die Virologin und mahnte Maßnahmen wie intensives Contact-Tracing ein. Bei Letzterem seien vor allem Tirol und Vorarlberg sehr gut unterwegs.

Quelle: Agenturen