APA - Austria Presse Agentur

Oppositionskandidatin bei Präsidentenwahl in Honduras vorne

29. Nov 2021 · Lesedauer 2 min

Die linke Oppositionskandidatin Xiomara Castro liegt laut Teilergebnissen bei der Präsidentenwahl in Honduras klar in Führung. Damit zeichnet sich in dem mittelamerikanischen Land ein historischer Machtwechsel ab. Bei einem Sieg wäre Castro die erste Frau an der Staatsspitze von Honduras und das erste Staatsoberhaupt seit der Rückkehr zur Demokratie 1982, das nicht einer der beiden etablierten Parteien angehört.

Nach Auszählung von etwas mehr als der Hälfte der Wahllokale kam sie auf 53,6 Prozent der Stimmen, wie die Wahlbehörde am Montagfrüh (Ortszeit) mitteilte. Der Kandidat der konservativen Regierungspartei Partido Nacional, Nasry Asfura, lag demnach bei 33,85 Prozent. Castro erklärte sich in einer Rede zur Wahlsiegerin. "Wir werden eine neue Ära einleiten", sagte sie.

In einer kurzen Siegesansprache gelobte Castro, eine Regierung der Versöhnung zu bilden und die direkte Demokratie durch Referenden zu stärken. "Es wird in diesem Land keinen Machtmissbrauch mehr geben", sagte sie an der Seite des bekannten TV-Moderators Salvador Nasralla, der ihr Vizepräsident werden soll.

Die 62 Jahre alte Castro von der Partei Libre ist die Ehefrau des Ex-Präsidenten Manuel Zelaya, der 2009 aus dem Amt geputscht worden war. Zelaya war als Kandidat der Liberalen Partei gewählt worden, der anderen der beiden traditionellen politischen Kräfte in Honduras.

Für die regierende Nationalpartei wäre nach zwölf Jahren an der Macht Schluss. Der amtierende Präsident Juan Orlando Hernández konnte nach zwei Amtszeiten in Folge nicht erneut antreten. Stattdessen schickten die Nationalkonservativen den Bürgermeister der Hauptstadt Tegucigalpa, Asfura, ins Rennen. Der wohlhabende Geschäftsmann versuchte sich im Wahlkampf von dem skandalumwitterten Präsidenten zu distanzieren.

Die Wahl am Sonntag stand aber auch im Zeichen der hohen Arbeitslosigkeit und grassierenden Banden- und Drogenkriminalität, die zahlreiche Menschen veranlasst, das Land in Richtung USA zu verlassen. Hernández' Bruder wurde vor wenigen Monaten in den USA wegen groß angelegten Drogenhandels zu lebenslanger Haft verurteilt. Dem Präsidenten wird vorgeworfen, ebenfalls darin verwickelt gewesen zu sein - auch ihn könnte nach Ende seiner Amtszeit im Jänner eine Anklage in den USA erwarten.

Nach der Wiederwahl von Hernández 2017 hatte die Opposition der Regierung Wahlfälschung vorgeworfen. Auch internationale Beobachter stellten Unregelmäßigkeiten fest. Es kam zu Protesten mit mehr als 20 Toten.

Quelle: Agenturen