Scherba: Putin darf nicht wieder "salonfähig werden"

17. Jan. 2023 · Lesedauer 3 min

Außenminister Alexander Schallenberg stößt mit seiner Aussage zu Russland auf große Kritik aus der Ukraine. Im PULS 24 Interview erklärte der ehemalige ukrainische Botschafter in Wien Olexander Scherba, warum die Ukraine über Schallenbergs Aufruf erbost ist.

Schallenberg plädierte in Paris dafür, gegenüber Moskau Augenmaß zu wahren. Als Reaktion darauf lud das ukrainische Außenministerium ihn in die bombardierte Stadt Dnipro ein, um seine Argumente dort darzulegen.

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Erneut Beziehung mit Putin aufnehmen?

Olexander Scherba, ehemaliger ukrainischer Botschafter in Wien, meinte im PULS 24 Interview, dass die Ukraine das Gefühl habe, Schallenberg denke weniger an zukünftige Verhältnisse mit Russland, sondern viel mehr an die Wideraufnahme der Beziehung mit Präsident Wladimir Putin. Laut Scherba sei es falsch, allein nur darüber nachzudenken und Putin wieder "salonfähig zu machen".

In dem Kriegs-geplagten Land herrsche der Verdacht, dass die gleichen Fehler wie früher gemacht werden, indem man neue Verhältnisse mit Putin vorbereite. Scherba meinte, der Westen habe zwei Jahrzehnte lang dabei geholfen, Putin mit Militarismus und Imperialismus zu füttern und ihn damit zu einem "Monster" gemacht. 

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"Kriminelles Regime in Russland" bekämpfen

Man müsse die "Sensibilität" der Ukraine und vieler Leute in der Welt berücksichtigen, so der ehemalige ukrainische Botschafter. In der Ukraine sei man derzeit nicht sicher, ob Russland in der jetzigen Form weiterbestehen werde, sollte Russland diese Krieg verlieren. Das habe nämlich "brutale Folgen" für den Staat. Mann sollte sich nicht darüber Gedanken machen, wie man nach diesem unbekannten Punkt des Kriegsendes mit Russland weitermacht, sondern, wie das "kriminelle Regime in Russland" bekämpft werden könne. 

Angriff auf Wohnhaus ein "Kriegsverbrechen"

Die Ukraine glaubt, dass der russische Raketenangriff auf ein Wohnhaus in Dnipro beabsichtigt war, damit Putin der russischen Bevölkerung etwas zu zeigen hat. Selbst, wenn es sich dabei um eine fehlgeleitete Rakete gehandelt hat, hätte diese Rakete ein Kraftwerk treffen können, wodurch "Tausende bis Millionen" Ukrainer:innen erfrieren würden, so der Ex-Botschafter. Ob nun ein Fehlschlag oder gezielter Angriff, in beiden Fällen sei es ein "Kriegsverbrechen".

Eine Einberufung weiterer ukrainischer Männer schließt Scherba nicht aus. Besonders nicht, wenn Deutschland keine Leopard 2 Kampfpanzer liefert, andere militärische Hilfe zu spät ankomme oder die Flugabwehr nicht gezielt eintritt und ukrainische Städte zerstört werden. Deutschlands Zögern, Panzer zu liefern, trifft in der Ukraine auf Unverständnis. Ohne diese militärische Kraft ziehe sich der Krieg bis ins "Unendliche" und damit auch das "Leid der Menschen". 

Astrid PozarekQuelle: Redaktion / poz