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ÖVP und Liste Fritz starteten Intensiv-Wahlkampf in Tirol

03. Sept. 2022 · Lesedauer 4 min

Die Tiroler ÖVP ist am Samstag in Galtür mit einer offiziellen Auftaktveranstaltung in die Intensiv-Wahlkampfphase für die Landtagswahl gestartet. Landeshauptmannkandidat und ÖVP-Chef Anton Mattle beschwor im "kleineren Kreis" vor seinen Listen-Mitstreitern eine "Aufholjagd" und suchte den in den vergangenen Tagen virulent gewordenen "Zweikampf" mit der FPÖ und deren Spitzenkandidaten Markus Abwerzger. Ebenfalls in den Wahlkampf gestartet ist am Samstag die Liste Fritz.

Jetzt beginne der Wahlkampf so richtig, trommelte Mattle in seiner rund 20-minütigen, frei gehaltenen Rede auf dem Dach des Dokumentationszentrums Alpinarium vor einem Stehkreis aus Mitstreitern, die Paznauner Bergwelt im Hintergrund. Nun werde aus einem Wahlkampf eine "Wahlbewegung". Im Anschluss erklärte er vor Journalisten, man wolle "deutlich über 30 Prozent" erreichen. Zuletzt lag die Volkspartei in Umfragen um die 30 Prozent oder sogar deutlich unter dieser Marke. Im Jahr 2018 hatte die Partei mit bundespolitischem Rückenwind noch 44,26 Prozent eingefahren.

"Wir wollen ein solidarisches, offenes, leistungsbereites Tirol der Mitte", so Mattle. Und er suchte die "Richtungsentscheidung" mit der FPÖ, deren Chef Abwerzger diese Woche als Landeshauptmannkandidat ausgerufen wurde. Die Menschen hätten die Wahl: Wollten sie einen "Kandidaten der bürgerlichen Mitte oder einen 'von Kickls Gnaden'". Der ÖVP-Obmann bekräftigte einmal mehr seine Absage an eine Koalition mit der FPÖ. Dass Bundesparteichef Kickl im Fernsehen zu verstehen gegeben habe, dass er "nicht an den Klimawandel glaubt", habe das Fass zum Überlaufen gebracht.

Auf die anderen Landtagsparteien ging Mattle in seiner Heimatgemeinde, der er 30 Jahre lang als Bürgermeister vorstand, nicht ein. Auch Koalitionsaussagen blieben außen vor. Er habe "keine Präferenzen", es sei noch zu früh, um mehr darüber zu sagen, ließ der schwarze Frontmann im Anschluss wissen.

Inhaltlich hatte der 59-Jährige wenig Neues im Talon. Er betonte die Wichtigkeit von Tirols Energieunabhängigkeit bis zum Jahr 2050, um einen Beitrag zum globalen Klimaschutz zu leisten, und sprach sich erneut für einen qualifizierten Zuzug aus, um etwa für den Pflegebereich qualifiziertes Personal zu bekommen. Das einzig Überraschende: Mattle trat für einen Rechtsanspruch auf Kinderbetreuung ein bzw. einen Bildungs-und Betreuungsplatz für Kinder ab zwei Jahren. Möglichst nah am Wohnort, des Arbeitswegs oder des Arbeitsplatzes der Eltern. Noch im Mai hatten die Koalitionäre ÖVP und Grüne einen Antrag der Opposition auf einen Rechtsanspruch im Landtag abgelehnt.

"Toni, Toni"-Rufe hatten den Spitzenkandidaten begleitet, als er die Treppen zur Alpinarium-Dachterrasse hochstieg. Ansonsten verzichtete man, wie angekündigt, auf jegliche Inszenierung. Keine Innsbrucker Olympiahalle mit 2.000 Menschen, kein sonstiges Großevent. Denn schließlich: Eine "größere Inszenierung" als die Berge seiner Heimat im Hintergrund gebe es doch gar nicht, betonte Mattle, der auch seine politische Sozialisierung in seiner Heimatgemeinde hervorstrich. Und auch die Lawinenkatastrophe im Jahr 1999 erwähnte. Damals sei die "Dorfgemeinschaft stark gefordert" gewesen: "Ich habe gesehen, welche Bedeutung es hat, Verantwortung zu tragen", so ein emotional berührter Mattle.

Als 29-Jähriger sei er Bürgermeister geworden, nun als 59-Jährige sei es sein "Wunsch, Landeshauptmann zu werden". Nun wolle man quasi in Augenhöhe mit den Tirolerinnen und Tirolern in Kontakt treten und "laufen, laufen, laufen", appellierte Mattle an seine Getreuen. Sagte es und bestieg den Wahlkampfbus, der ihn ab sofort durch ganz Tirol führen wird.

Im Rahmen des Auftakts, der bereits am Freitag mit einem abendlichen Zusammentreffen der ÖVP-Kandidaten aus ganz Tirol begonnen hatte, wurde auch das Wahlprogramm "Neue Energie für Tirol" aufgelegt. Noch-Landeshauptmann Günther Platter war übrigens am Freitag in Galtür zugegen, weilte am Samstag aber bei der Landesversammlung der Südtiroler Volkspartei in Meran.

Ebenfalls am Samstag startete die oppositionelle Liste Fritz - betont sachlich - ihren Wahlkampfauftakt. Spitzenkandidatin Andrea Haselwanter-Schneider schwor rund 150 Unterstützerinnen und Unterstützern im Maxnhof in Arzl - hoch über Innsbruck und bei Ziehharmonikaklängen - darauf ein, "rennen", um "das zweitbeste Ergebnis der Geschichte" einzufahren. Und sie gab ein Versprechen ab: Die Liste werde keinesfalls ein "Beiwagerl der Regierung" werden.

Auf konkrete Wahlziele oder Wunschkonstellationen legte sich Frontfrau Haselwanter-Schneider im Rahmen des Bürgertags - der im Vorfeld der Landtagswahl am 25. September durch den Wahlkampfauftakt erweitert wurde - davon abgesehen ganz bewusst nicht fest. "Die Wählerinnen und Wähler sind am Wort", grenzte sich die 54-Jährige von den politischen Mitbewerbern ab, während sich andere Spitzenkandidaten "überheblich" als künftiger "Landeshauptmann, Landeshauptmann-Stellvertreter oder Soziallandesrat" positionieren würden. In diesem Wahlkampf drehe sich alles um "Koalitionsspiele", für Themen sei zu wenig Platz, so die Parteiobfrau.

Quelle: Agenturen