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Österreichs Staatsspitze in NY: Zwischen "Nerven bewahren" und 3. Weltkrieg

22. Sept. 2022 · Lesedauer 2 min

Bundespräsident, Kanzler und Außenminister sind bei der UNO-Generalversammlung in New York. Von dort senden sie durchaus widersprüchliche Signale im PULS 24 Interview: Die Rede ist von einem "Damoklesschwert", das über uns hängt, von "im schlimmsten Fall" dem dritten Weltkrieg, aber: Man solle "Nerven bewahren" und sich "nicht übertrieben nervös" machen lassen.

Die Lage sei "sehr gefährlich", sagte Karl Nehammer im Gespräch mit PULS 24 Chefredakteur Stefan Kaltenbrunner in New York nach Bekanntwerden der Teilmobilmachung in Russland. Der Kanzler fand drastische Worte: "Umso länger dieser Krieg dauert, umso größer ist die Gefahr, dass daraus ein großer Krieg wird und im schlimmsten aller Fälle ein dritter Weltkrieg." Putin schränke seinen Handlungsspielraum immer weiter ein, der Krieg trete "in eine neue Dimension" ein. 

Gleichzeitig betonte der Kanzler, dass man sich bemühen müsse, Gesprächskanäle zu öffnen. Die Vereinten Nationen sollten als Begegnungsort fungieren. Auch bei schwierigen Problemen gebe Lösungen, fügte er an. Das bewiesen die Weizenexporte aus der Ukraine. 

Nehammer: "Putin setzt sich selbst immer weniger Handlungsspielraum"

"Öl ins Feuer" bei Putin, Dialog als Aufgabe Österreichs

Auch Außenminister Schallenberg äußerte sich Kaltenbrunner gegenüber in ähnlichem Duktus. Russland sei bereit "Öl ins Feuer zu gießen", anstatt zu verhandeln, man müsse der Diplomatie aber Raum geben.  In New York werde zwar an einer Rückkehr zum Verhandlungstisch gearbeitet, die Vorzeichen dafür stünden derzeit aber schlecht.

Schallenberg sieht Österreichs Aufgabe darin, die Dialogkanäle offenzuhalten, gleichzeitig müsse die EU aber geschlossen agieren. Schallenberg verteidigt auch die Sanktionen gegen Russland. Es lohne sich für eine offene und pluralistische Gesellschaft zu kämpfen.   

Van der Bellen kalmiert

Bundespräsident Alexander Van der Bellen wiederum kalmierte. Man solle "nicht übertrieben nervös" sein und "Nerven bewahren", auch wenn eine weitere Eskalation drohe. Es sei vorauszusehen, dass der Krieg eine "Eigendynamik entwickelt, die sich unter Umständen sogar der Kontrolle Putins entzieht". 

Die Scheinreferenden in den besetzten Gebieten sehe Van der Bellen als Gefahr, aber man dürfe "nicht den Teufel an die Wand malen".  

Van der Bellen: "Ich hab' den Krieg nicht erwartet"

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Marianne LamplQuelle: Redaktion / lam