APA - Austria Presse Agentur

Österreich schöpft nur 90 Prozent seines EU-Impfstoffkontingents aus

16. März 2021 · Lesedauer 2 min

Österreich hat nur 90 Prozent der ihm von der EU angebotenen Impfdosen gezeichnet. Auch beim Impfstoff von Johnson & Johnson hat Österreich nicht das volle Kontingent ausgeschöpft.

Letzte Woche prangerte Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) eine ungerechte Verteilung von Impfstoffen in der EU an. Er sprach von einem "Basar", wo zusätzliche Abmachungen zwischen Mitgliedsstaaten und Pharmaunternehmen getroffen worden sein sollen. In Realität handelte es sich bei dem "Basar" um einen geregelten Prozess für den Ankauf nicht abgerufener Impfdosen durch andere Mitgliedsstaaten - zu denen auch Österreich gehört.

Wie der "Standard" am Dienstag berichtet, hat Österreich nur 90 Prozent aller von der Kommission angebotenen Mengen abgerufen. Im Gegensatz dazu haben die meisten EU-Staaten die vollen 100 Prozent genommen. Einige Staaten wie Dänemark oder Malta machten sogar Zusagen von 130 bzw. 170 Prozent der ihnen angebotenen Impfdosen.

1,4 Millionen Impfdosen abgelehnt

Österreich ließ offenbar die Möglichkeit verstreichen sich 3,9 Millionen Impfdosen von Johnson & Johnson zu sichern. Statt dem vollen Kontingent von 3,9 Millionen seien nur 2,5 Millionen Dosen von dem Vakzin gekauft worden. Das bestätigte des Gesundheitsministerium gegenüber dem "Standard" und der "APA".

Diese Entscheidung zählt sozusagen "doppelt", da der Impfstoff von Johnson & Johnson den Geimpften bereits nach einer Impfung volle Immunität gibt. Im Gegensatz zu den Vakzinen von BioNtech, AstraZeneca oder Moderna. Hier sind zwei Impfungen dafür notwendig. Mit Johnson & Johnson hätten also 1,4 Millionen Menschen immunisiert werden können, während es bei den anderen Impfstoffen nur 750.000 sind.

Gesundheitsministerium verteidigt Vorgehen

Das Gesundheitsministerium wies gegenüber der "APA" darauf hin, dass man damals einen Mix aus allen - damals erst in der Entwicklung befindlichen - Impfstoffen bestellt habe, um ein möglichst breites Portfolio zu haben. Man habe "so bald wie nur irgendwie möglich, im August/September 2020" mit der gemeinsamen Impfstoffbeschaffung begonnen.

Die ersten Verträge über Lieferungen seien abgeschlossen worden, als es noch "kein Wissen, sondern nur Spekulationen über Genehmigung, Genehmigungszeitpunkte, Produktionsmengen und Wirksamkeit einzelner Impfstoffe" gegeben habe, sagte das Gesundheitsressort. Zudem sei Johnson & Johnson aktuell noch nicht verfügbar - und für das zweite Quartal werde man 5,9 Millionen Dosen im Land haben, sofern weiterhin mit Astra Zeneca geimpft.

 

Der Artikel wurde am 16.03.2021 um 12:04 Uhr um das Statement des Gesundheitsministeriums ergänzt.

Quelle: Redaktion / apb