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Österreich schickt Züge für ukrainische Flüchtlinge

12. März 2022 · Lesedauer 3 min

Klimaschutzministerin Leonore Gewessler (Grüne) hat im Rahmen ihrer zweitägigen Reise nach Polen Hilfe beim Transport von Flüchtlingen angekündigt. Österreich werde "schon in den nächsten Tagen Züge an die polnisch-ukrainische Grenze schicken. Damit helfen wir, die ukrainischen Geflüchteten sicher aus den Krisengebieten zu bringen und entlasten gleichzeitig die polnischen Flüchtlingslager vor Ort", sagte Gewessler am Samstag an der polnisch-ukrainische Grenze.

"Der Angriffskrieg von Russland auf die Ukraine ist aufs Schärfste zu verurteilen. Das Leid und den Schmerz, die ich hier gesehen habe, machen mich tief betroffen. Österreich hat schon Hilfe geleistet und wir werden auch weiter helfen. Das habe ich heute meinem polnischen Amtskollegen zugesichert", betonte Gewessler gegenüber der APA.

Die Züge sollten schon in den nächsten Tagen ihre Fahrt aufnehmen. Als erste Sofortmaßnahme würden die ÖBB bereits in enger Abstimmung mit den polnischen Staatsbahnen umgehend Waggons zur Verfügung stellen. Damit können ukrainische Geflüchtete rasch von den Grenzen weg in Sicherheit gebracht werden. Gleichzeitig könnten damit auch Hilfsgüter transportiert werden. "Die Bahn in Europa und auch die ÖBB haben ihre volle Solidarität mit den Vertriebene erklärt und werden alles tun, um ihnen zu helfen", erklärte ÖBB-Chef Andreas Matthä, der Gewessler begleitete.

Mit Gewessler waren auch EU-Verkehrskommissarin Adina Valean sowie die Verkehrsminister aus Deutschland, Tschechien und Frankreich der Einladung Polens gefolgt. Sie besuchten gemeinsam die polnisch-ukrainische Grenze in Korczowa sowie das Flüchtlingsaufnahmezentrum in Mlyny. Im Anschluss machten sie sich von den Zuständen am grenznahen Bahnhof Przemyśl, wo täglich unzählige Flüchtlinge aus der Ukraine ankommen, ein Bild und ließen sich von polnischen Helfern und ukrainischen Geflüchteten die Lage schildern.

Mit offenen Armen nehmen viele osteuropäische Länder die Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine auf. Länder wie Bulgarien oder die Republik Moldau, die seit Jahren massiv von Abwanderung betroffen sind, sehen in den Flüchtlingen auch willkommene Arbeitskräfte. Viele Ukrainer seien gut qualifiziert und könnten den Mangel an Fachkräften lindern, sagt Sieglinde Rosenberger von der Universität Wien. Allerdings könnte die Willkommenskultur enden, wenn die Integration nicht gelinge.

Deutschland arbeitet nach Angaben von Außenministerin Annalena Baerbock gemeinsam mit internationalen Partnern an einer Art Luftbrücke für ukrainische Flüchtlinge aus Moldau. Eine solche Möglichkeit sei "absolut sinnvoll", um das Land zu entlasten und die Ankommenden in andere Staaten zu verteilen, sagte die Grünen-Politikerin am Samstag nach einem Treffen mit ihrem moldauischen Amtskollegen Nicu Popescu in der Landeshauptstadt Chisinau.

Tschechien hat wegen der vielen ankommenden Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine offiziell die EU um Hilfe gebeten. Man habe im Rahmen des EU-Zivilschutz-Mechanismus Wohncontainer für die Unterbringung von bis zu 50.000 Menschen angefragt, teilte Feuerwehrsprecherin Pavla Jakoubkova am Samstag in Prag mit. "Jeder frei werdende Platz ist sofort belegt", berichtete sie.

Großbritannien bezahlt jedem Bürger 350 Pfund (418 Euro) pro Monat, wenn sie Flüchtlingen aus der Ukraine ein freies Zimmer oder eine Wohnung für mindestens ein halbes Jahr zur Verfügung stellen. "Das Vereinigte Königreich steht hinter der Ukraine in ihrer dunkelsten Stunde und die britische Öffentlichkeit versteht die Notwendigkeit, so viele Menschen wie möglich in Sicherheit zu bringen", erklärte Michael Gove, Minister für Wohnungswesen, Gemeinden und Kommunalverwaltung.

Mit dem neuen Programm "Homes for Ukraine" können Kriegsflüchtlinge laut Regierung nach Großbritannien kommen, auch wenn sie keine familiären Bindungen nachweisen können.

Quelle: Agenturen