APA - Austria Presse Agentur

Nur 15 Prozent der Österreicher unterstützt Corona-Demos

10. Apr 2021 · Lesedauer 3 min

Am Samstag rufen Gegner der Corona-Maßnahmen erneut zum Demonstrieren in der Wiener Innenstadt auf. Laut einer aktuellen Umfrage ist die Rückhalt der Demos gegen Corona-Maßnahmen in der österreichischen Bevölkerung sehr gering.

Laut Polizei wurden insgesamt 22 Kundgebungen angezeigt, wovon derzeit vier untersagt wurden. Zwei Anti-Corona-Demos wurden genehmigt. Eine davon kündigte der Anti-Corona-Aktivist und frühere Kärntner Landtagsabgeordnete Martin Rutter unter dem Motto "Wir holen uns unser Leben zurück" an. Außerdem ist eine größere Gegendemonstration geplant: Antifaschistische Gruppen haben zu einer Kundgebung um 12 Uhr im Votivpark sowie einer anschließenden Fahrraddemo aufgerufen.

Nur Minderheit stimmt Demos zu

Die Veranstalter der illegalen Demos gegen Corona-Maßnahmen in Wien stellen ihre Kundgebungen oft als legitimen Ausdruck breiten Unmuts in der Bevölkerung gegen Corona-Maßnahmen dar. Politische Unterstützung bekommen die Veranstalter vor allem von der FPÖ. Tatsächlich stoßen die Demos nur bei einer Minderheit in der österreichischen Bevölkerung auf Zustimmung, wie eine Umfrage der Uni Wien im Rahmen des Austria Corona Panel Project (ACPP) zeigt.

Bei der Befragung von rund 1.500 Personen sprachen sich zwar rund 30 Prozent klar oder eher dafür aus, dass Demonstrationen gegen Corona-Maßnahmen prinzipiell erlaubt sein sollen, die aktuellen Corona-Demos unterstützen allerdings nur 15 Prozent. An einer solchen Demonstration teilnehmen würden gar nur 11 Prozent der Befragten und auch dann nur, sofern sie genehmigt ist. An ungenehmigten Demonstrationen, wie sie zuletzt in Wien regelmäßig stattfanden, würden sich nur 8 Prozent beteiligen.

Uni Wien/Austrian Corona Panel Project (ACPP)

Demo-Unterstützer sind anfällig für Verschwörungstheorien

Die beiden Forscher Jakob-Moritz Eberl und Noelle Lebernegg haben jene Befragten, die die Corona-Demos unterstützen, weiter befragt und sind zum Ergebnis gekommen, dass es vielen von ihnen bei der Beendigung der Corona-Maßnahmen vor allem um die Gefahr für ihre wirtschaftliche Existenz geht. Man könne sehen, dass sich unter den Demo-Unterstützern mit 38 Prozent ein größerer Anteil der Befragten durch die Pandemie wirtschaftlich bedroht fühlt, als dies in der Gruppe der Demo-Kritiker der Fall ist (23 Prozent), die Forscher.

Auch sind jene, die die Demos unterstützen, anfälliger für Verschwörungstheorien. Die weiteren Befragungen zeigen, dass sich 39 Prozent der Demo-Unterstützer "eher sicher" oder sogar "sehr sicher" sind, dass Bill Gates die Menschheit "zwangsimpfen" wolle, um viel Geld zu verdienen. Weitere 22 Prozent  sind "unsicher", ob diese Aussage nicht doch richtig sein könnte. Bei jenen Befragten, die die Demos gegen die Maßnahmen eher ablehnen, ist der Anteil an Personen, die diese Aussage als richtig einschätzt, mit insgesamt nur fünf Prozent deutlich kleiner.

Hacker: Demos gegen Corona-Maßnahmen "Unfug"

Im Newsroom LIVE sprach Anchor Thomas Mohr den Wiener Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ) auf die für Samstag angekündigten Demos an. Hacker, dass das Recht auf freie Meinungsäußerung behütet werden müsse. Er habe aber kein Verständnis, wenn man die Vorgaben nicht einhalte. Dann müsse die Polizei einschreiten. Er habe allerdings auch eine persönliche Meinung zum Grund für die Demos. (Anm.: demonstriert wird u.a. gegen Corona-Maßnahmen) Diesen halte er persönlich "für ziemlichen Unfug".

Peter Hacker, Wiener Gesundheitsstadtrat (SPÖ), zu Gast im Newsroom LIVE bei Thomas Mohr.

Quelle: Redaktion / hos