Nobelpreisträger missbrauchte jahrelang Kinder

30. Sept. 2022 · Lesedauer 3 min

Bischof und Friedensnobelpreisträger Carlos Belo hat maßgeblich dazu beigetragen Osttimor unabhängig zu machen. In seiner Heimat in Südostasien gilt er als Nationalheld. Der Vatikan bestätigt nun, dass der Bischof jedoch jahrelang Kinder missbraucht haben soll.

Gerüchte über das ehemalige Oberhaupt der katholischen Kirche in Osttimor gibt es schon seit einiger Zeit. Der Vatikan hat sie nun bestätigt, wie die "Deutsche Welle" berichtet.

Aufgedeckt wurden die Missbräuche von der niederländischen Wochenzeitung "De Groene Amsterdammer". Es wurden Ermittlungen veröffentlicht, in denen dem heute 74-Jährigen vorgeworfen wird 20 Jahre lang (seit 1980er-Jahren) Kinder und Teenager misshandelt zu haben. Die Vorwürfe gehen bis in die Zeit zurück bevor er 1983 Bischof wurde.

Zeitung sprach mit damaligen Missbrauchsopfern

Die Zeitung hat mit den heute 42 und 45 Jahre alte Männern gesprochen, die in den 1990er-Jahren als 14- bis 16-jährige Teenager von Belo in dessen Wohnsitz in Dili beziehungsweise in ein Kloster eingeladen wurden. Dort sei es zu sexuellen Handlungen gegen ihren Willen gekommen. Damit sie schweigen und wiederkommen, habe der Bischof den Jungen Geld gegeben.

Das Blatt schreibt, dass es zahlreiche Berichte über ähnliche Fälle gebe. Man habe zudem mit weiteren Betroffen gesprochen, sowie mit 20 Personen, die über die Machenschaften von Belo wussten. Darunter sind Kirchenvertreter, Politiker, Mitarbeiter von Nichtregierungsorganisationen und Fachleute.

Machtposition ausgenutzt

Aufgrund seiner hohen Position in der Kirche als auch in der Gesellschaft des Landes, hätte Belo seine Machtposition gegenüber Jungen, die in extremer Armut lebten, missbraucht, erzählt einer der Männer. Über die Vorfälle wurde aus Scham nicht gesprochen. 

Recherche begann 2002 - plötzlicher Rücktritt

2002 begann die Zeitung zu Belo zu recherchieren. Ausgangspunkt war ein Mann aus Osttimor, der sagte, dass sein Freund von Bischof Belo sexuell missbraucht worden sei. Der damals 53-Jährige ist im November 2002 wegen "körperlicher und geistiger Erschöpfung" überraschend zurückgetreten. Bischöfe bleiben sonst im Amt bis sie 75 Jahre alt sind. Der Vatikan veröffentlichte zudem nie, warum Papst Johannes Paul II. den Rücktritt von Belo angenommen hat. 

Disziplinarmaßnahmen auferlegt

Der Vatikan hat nun Disziplinarmaßnahmen gegen Bischof Belo bestätigt. Bereits 2019 wurde Belos Fall das erste Mal untersucht, erklärt Vatikansprecher Matteo Bruni. Vor kurzem wurde Belo öffentlich vorgeworfen, dass er Jugendliche missbraucht und sich dann ihr Schweigen erkauft habe.

Bruni erklärt, dass dem 74-Jährigen im September 2020 "bestimmte disziplinarische Einschränkungen auferlegt" worden seien "Dazu gehörten Einschränkungen seiner Bewegungsfreiheit und der Ausübung seines Amtes, das Verbot des freiwilligen Kontakts mit Minderjährigen, von Interviews und Kontakten" mit Osttimor, gab Bruni zudem bekannt. 2021 seien diese Maßnahmen "modifiziert und verschärft" worden.

Astrid PozarekQuelle: Redaktion / poz