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Nicht alle Hochschulen verwenden Plagiatssoftware

13. Dez. 2022 · Lesedauer 3 min

Mehr als die Hälfte der Hochschulen gibt an, alle Abschlussarbeiten ihrer Studentinnen und Studenten mittels einer Plagiatssoftware zu überprüfen. Das ist eines der Ergebnisse einer Studie des Instituts für Höhere Studien (IHS) zu Plagiatsprüfung und -prävention. Weiteres Resultat: Je stärker das Thema institutionell an einer Hochschule verankert ist, desto mehr präventive Maßnahmen zur Plagiatsvermeidung und Kursangebote gibt es an den betreffenden Einrichtungen.

Basis der vom Bildungsministerium beauftragten Untersuchung war eine im Sommer 2021 online durchgeführte Umfrage unter allen 73 öffentlichen und privaten Universitäten, Fachhochschulen und Pädagogischen Hochschulen in Österreich. Von diesen antworteten 68, dazu wurden noch Interviews mit Expertinnen und Hochschulvertretungen geführt. Der Fokus lag dabei auf studentischen Arbeiten.

Insgesamt haben 93 Prozent der Hochschulen mindestens eine Plagiatssoftware wie etwa Turnitin oder PlagScan im Einsatz - wobei diese Instrumente nicht Plagiate an sich anzeigen, sondern "nur" Textübereinstimmungen (die auch durch korrektes Zitieren entstehen können, Anm.). Die Kontrolle der Arbeit anhand der Ergebnisse obliegt immer den Beurteilenden.

Der Umfang des Einsatzes der Software unterscheidet sich aber je nach Hochschule: So gaben etwa 56 Prozent der Einrichtungen an, alle Abschlussarbeiten (Bachelor, Master, Diplom und gegebenenfalls Doktorat) damit zu überprüfen. Ein weiteres Fünftel führt zumindest stichprobenartige Überprüfungen von Abschlussarbeiten durch. Seminararbeiten und Prüfungen werden an 40 Prozent der Hochschulen entweder flächendeckend oder stichprobenartig gecheckt. Bei weiteren 25 Prozent gilt dies zwar für Seminararbeiten, aber nicht für schriftliche Prüfungen.

Ein Viertel der Hochschulen bietet ihren Studierenden kostenlose Selbsttests ihrer Arbeiten mit Plagiatssoftware an. An weiteren 19 Prozent tut dies die jeweilige HochschülerInnenschaft.

Rund drei Viertel der Hochschulen hat laut Online-Befragung eine eigene für das Thema Plagiate bzw. Gute wissenschaftliche Praxis (GWP) explizit verantwortliche Organisationseinheit oder Person installiert. Diese sind etwa in Rektoraten, Rechtsabteilungen oder Bibliotheken angesiedelt oder bei der Person des Studienpräses oder eines eigenen Plagiatsbeauftragten. Im Umkehrschluss ist dies an 28 Prozent der Einrichtungen nicht der Fall.

Richtlinien zu GWP und Plagiaten werden den Lehrenden primär über das Intranet der Hochschule bzw. per E-Mail kommuniziert - diese Information ist also von Seiten der Hochschule "eher passiv gestaltet", meinte Studienautorin Vlasta Zucha bei der Studienpräsentation am Montagnachmittag. Bei einschlägigen Weiterbildungsangeboten für Lehrende setze man weitgehend auf Freiwilligkeit, lediglich zwölf Prozent gaben verpflichtende Kursangebote zur Plagiatsprävention für Lehrende vor - im Regelfall nur für neu eintretendes Personal.

Studentinnen und Studenten werden GWP-Vorgaben vor allem in Lehrveranstaltungen vermittelt und erst in zweiter Linie per Intranet. Bei Kursen zum Thema Zitieren und Plagiat bieten 72 Prozent der Hochschulen laut Studie verpflichtende Einführungslehrveranstaltungen an, 62 Prozent setzen auf andere verpflichtende und 64 Prozent auf freiwillige Lehrveranstaltungen (Mehrfachnennung möglich). An öffentlichen Universitäten dominieren dabei freiwillige Angebote, an Fachhochschulen und Privatunis verpflichtende Einführungslehrveranstaltungen. Pädagogische Hochschulen bieten alle drei Formate überdurchschnittlich häufig an, heißt es in der Untersuchung.

Quelle: Agenturen