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Neuer IS-Chef: Extremisten setzen auf Kampferfahrung

09. Feb. 2022 · Lesedauer 3 min

Vergangene Woche sprengte sich der IS-Anführer Abu Ibrahim al-Hashemi al-Quraishi bei einem US-Militäreinsatz in Syrien in die Luft. Der neue Chef dürfte aus dem Kreise kampfgestählter irakischer Jihadisten kommen.

Nach Schätzung von Experten wird es voraussichtlich jemand sein, der einen stärkeren militärischen Hintergrund hat als Quraishi, der von seinen Anhängern eher als islamischer Rechtsgelehrter wahrgenommen worden sei. Mindestens vier potenzielle Kandidaten kommen infrage, sagt Fadhil Abu Rghif, ein Berater der irakischen Sicherheitskräfte: Zum einen Abu Khadija, der nach allem, was man wisse, zuletzt die Rolle des IS-Anführers im Irak innegehabt habe.

Ebenfalls denkbar wären Abu Muslim, seines Zeichens IS-Anführer in der Provinz Anbar, sowie Abu Salih, über den nur wenig bekannt sei, der aber Quraishi ebenso wie dessen 2019 getöteten Vorgänger Abu Bakr al-Baghdadi nahegestanden habe.

"Tausende Unterstützer"

Und dann wäre da noch Abu Yassir al-Issawi. Sowohl die irakischen Sicherheitskräfte als auch die von den USA angeführte Militärallianz zur Bekämpfung des IS im Irak und in Syrien hatten seinen Tod bei einem Luftangriff im Jänner 2021 vermeldet. Doch es hält sich hartnäckig der Verdacht, der erfahrene Kämpfer könnte noch am Leben sein, wie ein irakischer Sicherheitsbeamter bestätigt. "Wenn er nicht tot ist, wäre er ein Kandidat. Er hat sich durch die Planung militärischer Angriffe bewährt und er hat Tausende Unterstützer."

Anders als Baghdadi und Quraishi, die Mitte der Nuller-Jahre Zeit in US-Gewahrsam verbrachten, wurde von den vier genannten möglichen Nachfolgern bisher keiner jemals von US-Truppen gefangen genommen, wie die Nachrichtenagentur Reuters von einem Sicherheitsbeamten und einem Oberst der Armee erfuhr. Experte Abu Rgheef schließt nicht aus, dass der IS unter neuer Führung eine härterer Vorgehensweise einschlagen könnte. "Angriffe und Operationen werden je nach Stil des neuen Anführers einen anderen Charakter haben. Der Neue könnte an große und intensive Angriffe glauben, Bomben oder Selbstmordattentäter."

Miliz will Sicherheitslücken finden

Bis Quraishis Nachfolger verkündet wird, dürften nach Einschätzung eines irakischen Sicherheitsbeamten jedoch noch einige Wochen vergehen. Denn aktuell sei die Miliz vermutlich noch damit beschäftigt, potenzielle Sicherheitslecks auszumachen, die zum Tod Quraishis geführt haben dürften. Aaron Zelin vom Washington Institute, einer auf den Nahen Osten spezialisierten Denkfabrik, betont gleichwohl, wie wichtig es für die IS-Mitglieder ist, nicht führungslos zu sein: "Immer wenn ein Anführer der Gruppe getötet wird, gilt ihr Schwur dem (nächsten) Anführer, dem Individuum selbst, und nicht der Gruppe."

Quelle: Agenturen / Redaktion / koa