Neue Kampagne soll mehr Personal in Kindergärten bringen
Bisherige Ausbildungsoffensiven und die Initiative "Klasse Job", wo die Arbeit an Schulen und in Kindergärten beworben wurde, haben bisher nicht zu mehr Andrang geführt. Es fehlen weiterhin mehrere Tausend Fachkräfte. Die neue Kampagne, für die laut Wiederkehr trotz Sparzwang 360.000 Euro "zusammengekratzt" wurden, sei allerdings die erste, wo der elementarpädagogische Bereich nicht nur mitgemeint sei, betonte der Minister in einer Pressekonferenz. Der Unterschied sei außerdem, dass die Regierung nun Geld in die Hand nehme. 32 Mio. Euro sind für zusätzliche 4.000 Ausbildungsplätze budgetiert.
Mit der Kampagne, die in der ersten Phase bis zum Ende der Anmeldefristen an den Einrichtungen für die Elementarpädagogik-Ausbildung Ende April vor allem online zu sehen sein wird, soll laut Wiederkehr der gesellschaftliche Wert der Kindergärten hervorgehoben werden. Sie seien die erste Bildungseinrichtung in der Biografie eines Menschen, hier würden wichtige Grundlagen für die sprachliche, kognitive und auch soziale Entwicklung gelegt. Die Arbeit in der Elementarpädagogik sei außerdem - bei allen Herausforderungen - sinnstiftend und ein sicherer Job.
Außerdem sollen die neuen Ausbildungswege in den Beruf beworben werden. Neben der klassischen fünfjährigen Ausbildung an den Bildungsanstalten für Elementarpädagogik (Bafep), die mit Matura und Berufsausbildung abschließt, und den Kollegs für Erwachsene starten ab Herbst flächendeckend berufsbegleitende Kolleg-Angebote vor allem für Erwachsene mit Studien- oder Berufsreifeprüfung, die sich beruflich neu orientieren wollen, vor allem auch in ländlichen Regionen.
Weg vom "Fleckerlteppich"
Speziell an Maturantinnen richten sich außerdem die neuen Studienangebote. Zum bisher einzigen Angebot an einer Fachhochschule sollen weitere grundständige Bachelorstudien an den Pädagogischen Hochschulen (PH) kommen. Bisher gab es Studien nur etwa für Quereinsteiger oder angehendes Führungspersonal. So wolle man die Maturantinnen als neue Zielgruppe ansprechen, erklärte Wiederkehr. Am ersten Angebot an der Hochschule Campus Wien habe es viel Interesse gegeben. Die akademische Berufsausbildung solle allerdings das bestehende System nur ergänzen, nicht ersetzen.
Verbesserungen für die Kindergärten und das Personal soll auch die derzeit laufende "Reformpartnerschaft" vom Bund, Ländern und Gemeinden bringen, deren Ergebnisse bis Ende des Jahres vorliegen sollen. Wiederkehr kritisierte den derzeitigen "Fleckerlteppich" bei den Rahmenbedingungen und Personalanforderungen bei den Kindergärten, die derzeit Ländersache sind.
Es brauche Mindeststandards bei den unterschiedlichen Berufsgruppen, betonte er einmal mehr. Derzeit könne eine Assistenzkraft wegen der unterschiedlichen Ausbildungen nicht einmal im Nachbarbundesland arbeiten. "Das halte ich für absurd im einem europäischen Raum der Personenfreizügigkeit." Dazu werde ebenso noch verhandelt wie zu Mindeststandards etwa bei Qualitätskriterien wie Gruppengrößen oder Öffnungszeiten. Auch bei der Bezahlung und der Unterstützung durch multiprofessionelle Teams gebe es noch Handlungsbedarf.
Opposition kritisiert "Placebo" und "PR"
Bei der ebenfalls geplanten Reform der Schulverwaltung müsse es darum gehen, dass das System einfacher und besser werde. "Da gibt es sehr unterschiedliche Ansätze, die kann man diskutieren", meinte er mit Blick auf die am Donnerstag vorgelegte Forderung aus Tirol und Vorarlberg, wonach künftig die Länder für die äußere Organisation der Pflichtschulen, für die Kinderbetreuung und das Personal alleine verantwortlich sein sollen. Ihm sei eine zentrale bundesweite Steuerung wichtig, so Wiederkehr. "Was es mit mir nicht geben wird, ist ein Bildungssystem, das in jedem Bundesland anders funktioniert."
Kritik an der Kampagne kam von der Opposition. FPÖ-Bildungssprecher Hermann Brückl sah einen "Placebo auf Steuerzahlerkosten", wie beim Lehrermangel beschränke Wiederkehr sich auf bloße Ankündigungen. Er kritisierte auch, dass die Regierung trotz eines "drohenden Kollaps" im System am geplanten zweiten "Zwangskindergartenjahr" festhalte. Die Grünen forderten unterdessen einmal mehr einen "Ausbauturbo" samt Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz. Kinderbetreuung sei "keine PR-Frage", sondern entscheide darüber, ob Familien ihren Alltag organisieren können, so Elementarpädagogik-Sprecherin Barbara Neßler.
Zusammenfassung
- Mit einer neuen Kampagne und einem Budget von 360.000 Euro will Bildungsminister Christoph Wiederkehr (NEOS) mehr Personal für Kindergärten gewinnen und das Berufsbild attraktiver machen.
- Zusätzlich stehen 32 Millionen Euro für 4.000 neue Ausbildungsplätze bereit, darunter neue berufsbegleitende Angebote für Erwachsene und zusätzliche Studiengänge für Maturantinnen.
- Die Opposition kritisiert die Maßnahmen als unzureichend und fordert einen Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz sowie bundesweite Mindeststandards bei Personal und Qualität.
