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Netanyahu lehnt Hamas-Bedingungen für Geisel-Freilassung ab

Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanyahu hat die Freilassung israelischer Geiseln zu den Bedingungen der islamistischen Hamas kategorisch ausgeschlossen. Er arbeite "rund um die Uhr" an der Befreiung der mehr als 130 Geiseln in der Gewalt der Hamas, sagte er in einer Video-Botschaft, die am Sonntag veröffentlicht wurde. "Aber damit es klar ist: Ich weise die Kapitulationsbedingungen der Hamas-Monster aufs Entschiedenste zurück", fügte er hinzu.

Die Hamas würde für die Freilassung der Geiseln ein Ende des Krieges, den Rückzug der israelischen Streitkräfte aus dem Gazastreifen und den Fortbestand ihrer Regierungsmacht im Küstenstreifen verlangen. Außerdem würde sie die Freilassung jener "Mörder und Vergewaltiger" fordern, die Israel im Gefolge des brutalen Überfalls der Hamas und anderer extremistischer Gruppen auf Südisrael am 7. Oktober gefangen genommen hatte. "Ich bin nicht bereit, einen derart tödlichen Schlag gegen die Sicherheit Israels zu akzeptieren", sagte er.

Netanyahu äußerte sich, nachdem die Hamas erstmals zu ihrem bestialischen Angriff auf Israel am 7. Oktober Stellung genommen hatte. Die Terrororganisation sprach von einem "notwendigen Schritt" und einer "normalen Antwort", räumte aber zugleich ein, dass damals "möglicherweise einige Fehler geschehen" seien. Gegen jede Evidenz behauptete die Hamas zugleich, keine gezielte Tötung von Zivilisten vorgenommen zu haben. Vielmehr hätten israelische Armee und Polizei "aufgrund ihrer Verwirrung" viele Israelis getötet. Tatsächlich ermordeten die Schlächter der Hamas nicht nur zahlreiche Zivilisten, sondern schnitten ihnen auch Gliedmaßen ab. In Verhören gaben die Angreifer zudem an, den Auftrag zu Vergewaltigungen von Frauen gehabt zu haben.

Die israelische Armee berichtete am Sonntag von Erfolgen im Kampf gegen die Hamas. Bei Einsätzen im Gazastreifen seien Dutzende Terroristen getötet und eine große Menge an Waffen gefunden worden, teilte das Militär am Sonntag mit. Die Marine habe unter anderem ein Gebäude angegriffen, von dem aus bewaffnete Palästinenser Truppen attackiert hätten. Man habe "die Bedrohung ausgeschaltet", hieß es in der Stellungnahme.

"In Daraj-Tuffah im nördlichen Gazastreifen haben israelische Soldaten 15 Terroristen ausgeschaltet", teilte die Armee weiter mit. In einem Gebäude der militant-islamistischen Palästinenser-Organisation Hamas seien Uniformen und verschiedene Waffen gefunden worden. In der Stadt Khan Younis im Süden des Palästinensergebiets, wo Israel in den vergangenen Wochen den militärischen Druck auf die Hamas erhöht hat, Scharfschützen mit Luftunterstützung "mehrere Terroristen eliminiert". Ein Journalist der Nachrichtenagentur AFP berichtete von Beschuss, Luftangriffen und Panzereinsätzen insbesondere in Khan Younis, der größten Stadt im Süden des Gazastreifens.

Die israelische Armee meldete unterdessen auch den Fund eines Tunnels, in dem womöglich Geiseln untergebracht wurden. Die israelische Armee gab zudem an, in Khan Younis einen Tunnel mit "Beweisen für die Anwesenheit von Geiseln" entdeckt zu haben. Demnach befanden sich darunter auch die Zeichnungen einer fünfjährigen Gefangenen. Laut dem israelischen Militär waren "rund 20 Geiseln" zu verschiedenen Zeitpunkten "ohne Tageslicht" und mit "wenig Sauerstoff und entsetzlicher Feuchtigkeit" darin eingesperrt.

Nach Angaben von Augenzeugen beschoss die israelische Marine auch die Stadt Gaza. Demnach nahmen die israelischen Streitkräfte auch die Angriffe auf die Umgebung der Flüchtlingssiedlung Jabalya wieder auf. Die Hamas erklärte, sie würde sich im Norden des Gazastreifens schwere Gefechte mit der israelischen Armee liefern.

Die Hamas hält nach Angaben der israelischen Armee die Leiche eines bei dem Großangriff auf Israel im Oktober gefallenen Soldaten im Gazastreifen fest. Der 19-jährige Unteroffizier Shay Levinson sei am 7. Oktober getötet worden und "sein Körper ist in den Händen der Hamas", erklärte die Armee am Sonntag. Levinson lebte demnach in den nordisraelischen Ort Giv'at Avni und diente in einer Kampfeinheit.

Das "Wall Street Journal" berichtete am Sonntag, nach einer Schätzung der US-Geheimdienste sei es Israel bisher nur gelungen, 20 bis 30 Prozent der Hamas-Kämpfer zu töten. Damit sei Israel noch weit entfernt von seinem Ziel einer Zerstörung der gesamten Organisation. Die USA gingen davon aus, dass die Hamas genug Munition habe, um Israel und israelische Truppen in Gaza noch monatelang anzugreifen, berichtete die Zeitung unter Berufung auf nicht genannte US-Regierungsbeamte, die einen entsprechenden Bericht der Geheimdienste bestätigten. Die Hamas versucht demnach auch, ihre Polizeikräfte in Teilen der Stadt Gaza wieder aufzubauen.

Die US-Regierung habe daher ihre Erwartungen an die Kriegsziele heruntergestuft, von einer Zerstörung der Hamas zu einer Abschwächung der Sicherheitsbedrohung. Das Ziel der Hamas sei lediglich, den Krieg zu überleben. Den US-Schätzungen zufolge habe die Hamas vor dem Krieg zwischen 25.000 und 30.000 Kämpfer gehabt, abgesehen von Tausenden Polizeikräften.

Israel geht nach eigenen Angaben davon aus, dass bisher rund 9.000 Terroristen im Gazastreifen getötet wurden. Auslöser des Gaza-Kriegs war ein beispielloser Überfall der Hamas und anderer extremistischer Gruppen am 7. Oktober im Süden Israels, bei dem 1.200 Menschen getötet und rund 250 Geiseln entführt wurden. Auf das schlimmste Massaker in seiner Geschichte reagierte Israel mit massiven Luftangriffen und einer Bodenoffensive im Gazastreifen.

Seither wurden nach neuesten Angaben der von der Hamas kontrollierten Gesundheitsbehörde im Gazastreifen mehr als 25.105 Menschen getötet worden. Mehr als 62.680 Menschen seien verletzt worden, hieß es in einer Mitteilung am Sonntag. Binnen 24 Stunden seien bei israelischen Angriffen in dem Küstenstreifen 178 Menschen getötet worden. Es wird dabei nicht zwischen Zivilisten und Kämpfern unterschieden. Bei rund 70 Prozent der Getöteten soll es sich um Frauen und Minderjährige handeln. Die Zahlen lassen sich nicht unabhängig überprüfen.

Seit Beginn der israelischen Bodenoffensive im Gazastreifen Ende Oktober sind nach Militärangaben 195 israelische Soldaten und Soldatinnen getötet worden. Mehr als 1.200 weitere wurden verletzt. Seit dem 7. Oktober sind demnach 531 Soldaten und Soldatinnen getötet worden.

Seit Beginn des Krieges haben sich auch die Spannungen im von Israel besetzten Westjordanland verschärft. Die israelische Armee erklärte, sie habe zwei Häuser zweier militanter Palästinenser in der Stadt Hebron im Süden des Westjordanlands abgerissen, die im November einen Anschlag mit drei Toten am westlichen Stadtrand Jerusalems verübt hatten. Zu dem Anschlag hatte sich die Hamas bekannt. Die offizielle palästinensische Nachrichtenagentur WAFA meldete Zusammenstöße zwischen israelischen Streitkräften und militanten Palästinensern in dem Ort Maithalun im Westjordanland südlich von Jenin sowie in den Städten Arura und Qalqilya.

ribbon Zusammenfassung
  • Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanyahu hat die Freilassung israelischer Geiseln zu den Bedingungen der islamistischen Hamas kategorisch ausgeschlossen.
  • Er arbeite "rund um die Uhr" an der Befreiung der mehr als 130 Geiseln in der Gewalt der Hamas, sagte er in einer Video-Botschaft, die am Sonntag veröffentlicht wurde.
  • Die israelische Armee berichtete am Sonntag von Erfolgen im Kampf gegen die Hamas.