MSF: Hälfte aller Todesfälle im Südsudan vermeidbar
MSF-Einrichtungen seien im vergangenen Jahr acht Mal angegriffen worden. "Frauen vor der Geburt und Kinder, die geimpft werden sollen, wurden beschossen", empörte sich der südsudanesische Landeskoordinator Zakaria Mwatia. Seine Kollegin Sabrina Sharmin wies darauf hin, dass die Organisation wegen der Angriffe drei Einrichtungen schließen musste, die mehr als eine halbe Million Patienten behandelten. Die noch geöffneten MSF-Spitäler würden "überrannt", sagte Zakaria, der in diesem Situation auch schon von Triage-Situationen berichtete. "Wir sind der einzige Gesundheitsdienstleister und es ist sehr schwer für uns zu wählen, wen wir behandeln und wen nicht."
Die MSF-Vertreter berichteten, dass durch die Angriffe auch Arzneimittelvorräte zerstört worden seien. Lieferungen seien aufgrund der prekären Sicherheitslage kaum möglich. Dies führe zu Problemen mit Krankheiten wie Masern, Cholera oder auch der Malaria, die mit Schutzimpfungen und Medikamenten gut behandelbar wären. "Malaria ist weiterhin die wichtigste Todesursache im Südsudan", sagte der MSF-Programmdirektor für das Land, Vittorio Oppizzi. "Menschen sterben an vermeidbaren Krankheiten", beklagte sich auch die MSF-Referentin für humanitäre Angelegenheiten, Helen Richards. Sie verwies auf Statistiken der Weltgesundheitsorganisation, wonach 30 bis 50 Prozent der Todesfälle im Südsudan auf Malaria zurückgehen. "Das ist eine Krankheit, die man eigentlich gut behandeln kann", so Richards.
Das Gesundheitssystem im Südsudan wird zusätzlich durch zurückkehrende Flüchtlinge aus dem nördlichen Nachbarland Sudan belastet, so Oppizzi. Mehr als 1,2 Millionen Menschen hätten in den vergangenen Monaten den Sudan verlassen, die große Mehrzahl davon Südsudanesen. Die Kämpfe zwischen Regierung und Rebellen würden indes unvermindert anhalten. "Wir glauben nicht, dass sich die Situation bald verbessern wird", so Oppizzi. Die Angriffe auf MSF-Einrichtungen seien "inakzeptabel" und sollten von der internationalen Gemeinschaft verurteilt werden.
Zusammenfassung
- Ärzte ohne Grenzen berichtet, dass im vergangenen Jahr acht ihrer Einrichtungen im Südsudan angegriffen wurden und drei davon schließen mussten, was die medizinische Versorgung von über 500.000 Menschen betraf.
- Laut Weltgesundheitsorganisation gehen 30 bis 50 Prozent der Todesfälle im Südsudan auf Malaria zurück, obwohl diese Krankheit mit Impfungen und Medikamenten eigentlich gut behandelbar wäre.
- Das Gesundheitssystem wird zusätzlich durch mehr als 1,2 Millionen Geflüchtete aus dem Sudan belastet, während Angriffe und fehlende Hilfsgelder die Lage weiter verschärfen.
