Militärexperte Karner über russische Angriffe: "Bemerkenswert ist die Brutalität"

03. März 2022 · Lesedauer 3 min

Militärexperte und Offizier Gerald Karner spricht im Newsroom LIVE über den Fortschritt der Russen im Ukraine-Krieg und befürchtet, dass das Vorgehen immer brutaler werden wird. Die russischen Verluste gehen laut seinen Quellen, anders als von Putin behauptet, in die Tausende.

Die Einnahme der ukrainischen Stadt Cherson sei für Wladimir Putin laut dem Militärexperten Gerald Karner im PULS 24 Newsroom LIVE ein erster Propagandaerfolg, der vermutlich auch fürs russisch Publikum inszeniert werden soll und für die Stärkung der Moral bei den russischen Truppen wichtig sei. Gleichzeitig sei die Brücke über den Fluss Dnepr strategisch wichtig. Auch die Hafenstadt Mariupol scheint laut Karner für die Ukrainer verloren zu sein. Das hieße, dass auch die Landverbindung zwischen Krim und den Ostrepubliken herstellbar wäre. Die Ukraine hätte dann auch keine Verbindung mehr mit dem Asowschen Meer.

Immer brutaleres Vorgehen

"Bemerkenswert ist die Brutalität, mit der man in Mariupol und Charkiw vorgeht." Dass nun die Todeszahlen steigen, weil auch Schulen beschossen werden, sei ein Vorgehen, dass man aus dem zweiten Weltkrieg und aus dem Tschetschenien-Kriegen kenne. Grosny sei damals "dem Erdboden gleichgemacht" worden, "wo offenbar die russischen Kräfte nicht in der Lage waren die Tschetschenen so weit zu schlagen, dass sie an großflächigen Zerstörungen vorbeikommen hätten können". Karner hofft, dass das bei den ukrainischen Städten nicht so sein wird. "Aber ich fürchte, dass (…) je stärker der ukrainische Widerstand wird, desto brutaler wird auch das russische Vorgehen werden.

"Selten überlebt ein Plan den ersten Kriegstag"

"Putin verkündete am Donnerstag in einer TV-Ansprache, dass alles wie geplant verlaufe. Dem widerspricht Karner. "Selten überlebt ein Plan den ersten Kriegstag", so der Militärexperte. Seiner Einschätzung nach, hätten die Russen angenommen, nach einer Woche weiter zu sein. Man hätte mit einem eheren Zusammenbruch der ukrainischen Streitkräfte gerechnet.

Selenskyj weiß, wie er Putin provoziert

"Wenn du nicht (mit deinen Truppen aus der Ukraine) abhauen willst, setz dich zu mir an den Verhandlungstisch, ich habe Zeit", richtete der ukrainische Präsident Selenskyj Putin aus. "Ich beiße nicht. Ich bin ein ganz normaler Typ. Setz dich zu mir, sag mir, wovor du Angst hast. " Genau das sei eine Sprache, die Putin nicht schätze. "Ich denke schon, dass er sich provoziert fühlt und." Das wisse Selenskyj ganz genau. "Putin inszeniert sich ja als Nachfolger von Peter dem Großen", der Auftritt des Ukrainers sei deshalb aus Sicht von Putin "respektlos".  Folge leisten werde Putin laut Karners Einschätzung nicht, sondern er werde schweigen.

 Tote russische Soldaten: "Wahrheit liegt in der Mitte"

Russland vermeldete 500 tote Soldaten. Laut Quellen Karners "stimmt das ganz sicher nicht". Die Ukrainer hingegen behaupteten, 7.000 russische Soldaten seien gestorben. Das dürfte wiederum zu hoch angesetzt sein, die Wahrheit dürfte in der Mitte liegen. Wenn man bei den russischen Verlusten allerdings Desertierte, Verwundete und Nicht-Auffindbare miteinrechnet, könne es sich um eine hohe vierstellige Zahl handeln.

Deutschland hat Waffen an die Ukraine übergeben. Das Problem sei jedoch, dass es nach Einschätzung des Experten mehrere Tage dauern wird, bis sie an Ort und Stelle sind und die Soldaten sie auch bedienen können. Die Zeit könne jedoch verkürzt werden, weil vor allem unter den Reservisten noch Soldaten sein werden, die auf diesen Lenkwaffen zu Sowjet-Zeiten eingeschult wurden. "Ich denke, hier ist Know-How da, die Waffen zu handhaben."

Marianne LamplQuelle: Redaktion / lam