Militärexperte Karner: "Zynisches Spiel" bei humanitären Korridoren

07. März 2022 · Lesedauer 3 min

Wladimir Putin spiele bei der Einrichtung von humanitären Korridoren in der Ukraine ein "zynisches Spiel", sagt Militärexperte Gerald Karner im PULS 24 Interview. Die Zivilbevölkerung brauche dringend eine erst gemeinte Evakuierungsmöglichkeit.

Zivilisten über humanitäre Korridore zu evakuieren sei "hoch komplex", sagt Militärexperte und Offizier Gerald Karner im PULS 24 Interview. Damit diese erfolgreich sein können, müssen beide Länder zustimmen und mithelfen. "Wenn da eine Partei nicht diszipliniert ist bzw., wie es Selenskyj angedeutet hat, absichtlich die Waffenruhe nicht einhält, dann ist der Korridor gescheitert", erklärt Karner.

Putins Vorschlag zu Korridoren "grotesk"

Putins Vorschlag, die ukrainische Bevölkerung über Russland oder Belarus ausreisen zu lassen, sei "grotesk" und ein "zynisches Spiel". "Das sind keine humanitären Korridore klassischer Natur, das ist de facto ein Angebot, in den russischen Machtbereich zurückzukehren. Das werden die Menschen in der Ukraine nicht annehmen", erklärt Karner im Interview.

Mariupol weiterhin ohne Strom

Notwendig seien jedenfalls ernst gemeine Korridore, denn die Versorgungslage für die Zivilbevölkerung sei laut dem Militärexperten "dramatisch". Die ukrainische Hafenstadt Mariupol beispielsweise habe bereits fünf Tage in Folge "keine Versorgung mehr mit elektrischem Strom, Essen und Getränken".

Angriff auf Kiew "verlustreich" für Russland

Auch in Kiew sei die Lage ähnlich. Von Nordwesten würden russische Truppen versuchen die Hauptstadt einzuschließen. Wann es allerdings zum Angriff auf Kiew kommen werde, "lässt sich im Moment gar nicht mehr beurteilen", meint Karner. So seien etwa nicht mehr alle Verkehrswege in Takt und die Ukrainer scheinen die Versorgung mit Benzin und Ersatzteilen für die russischen Militärfahrzeuge zu unterbinden. Karner vermutet, dass die Stadt "im Sturm" angegriffen werden könne, wenn Kiew "auch im Osten eingeschlossen ist". Ein solcher Angriff werde auch für die Russen "äußerst verlustreich" sein. Daher sei aus russischer Sicht eine Kapitulation der Ukraine wünschenswert, diese aber werde "es so schnell nicht geben", sagt der Militärexperte.

Krieg für Russland noch finanzierbar

Eine Exitstrategie sei derzeit nicht in Sicht. Putin werde laut Karner auch weiterhin bei seinen Forderungen bleiben. Noch habe Russland genügend finanzielle Reserven, um den Krieg zu finanzieren. Trotzdem werde es zu einer  "Phase der völligen Ermattung der russischen Streitkräfte" kommen. Dann sei die Offensive auch für Russland nicht mehr "finanzierbar" und Putin müsse sich auf Verhandlungen einlassen. Das werde aber noch Wochen dauern. 

Angela PerkonigQuelle: Redaktion / pea