APA - Austria Presse Agentur

Militär in Myanmar greift vermehrt zur Gewalt

21. Feb 2021 · Lesedauer 3 min

Nach mehr als zwei Wochen der Proteste in Myanmar geht die Militärjunta vermehrt gewaltsam gegen die friedlich demonstrierenden Menschen vor. Am Samstag wurden in der zweitgrößten Stadt Mandalay mindestens zwei Menschen durch Schüsse der Sicherheitskräfte getötet. Ein weiterer Mann starb in der Nacht in der größten Stadt Yangon. UN-Generalsekretär António Guterres verurteilte die Gewalt, der zum Trotz am Sonntag erneut landesweit tausende Menschen auf die Straße gingen.

Die Sicherheitskräfte in Mandalay schossen am Samstag mit scharfer Munition auf Demonstranten, die sich zu einer Kundgebung an einer Werft versammelt hatten. Mindestens 30 Menschen wurden verletzt. Unter den Todesopfern befand sich den Rettungskräften zufolge auch ein Jugendlicher, dem in den Kopf geschossen wurde.

Hunderte Polizisten und Soldaten waren an der Yadanarbon-Werft in Mandalay im Einsatz. Demonstranten schrien die Polizei an, dass sie verschwinden solle. Daraufhin feuerten die Sicherheitskräfte mit scharfer Munition. Sie setzten auch Gummigeschosse und Steinschleudern ein, um die Demonstranten auseinanderzutreiben. Diese wiederum warfen Steine, um Festnahmen zu verhindern.

Guterres verurteilte den Einsatz von "tödlicher Gewalt" gegen die Menge in Mandalay. "Der Einsatz von tödlicher Gewalt, Einschüchterung und Schikane gegen friedliche Demonstranten ist inakzeptabel", schrieb er auf Twitter. Im Namen der EU forderte ihr Außenbeauftragter Josep Borrell ein sofortiges Ende der "Gewalt gegen friedlich demonstrierende Zivilisten". Bei einem Treffen der EU-Außenminister am Montag sollten die aktuellen Entwicklungen diskutiert und "angemessene Entscheidungen" getroffen werden, kündigte er auf Twitter an.

Die staatlichen Medien in Myanmar gingen nicht auf die Toten ein. "Einige" Demonstranten seien von Sicherheitskräften verletzt worden, berichtete die Zeitung "Global New Light of Myanmar" nur.

In einem separaten Vorfall am Samstag wurde ein 30-jähriger Mann in Yangon getötet, als er in der Nachbarschaft patrouillierte - im Rahmen einer Initiative, die nächtliche Festnahmen von Aktivisten verhindern soll. Seine Schwägerin sagte, er sei von der Polizei erschossen worden. Laut den Sicherheitskräften griffen 20 Menschen ein Fahrzeug an, während Beamte versuchten, einen verletzten Mann ins Krankenhaus zu bringen. Sie gaben demnach Warnschüsse ab, um die Gruppe auseinanderzutreiben.

Als die Dämmerung in der Innenstadt von Yangon, in Monywa und Myitkyina eintrat, ertönten Gesänge und Gebete, um der getöteten Demonstranten zu gedenken. In der Hauptstadt Naypyidaw erwiesen Tausende der am Freitag verstorbenen Mya Thwate Thwate Khaing die letzte Ehre. Ärzte hatten zehn Tage lang um das Leben der 20-Jährigen gekämpft, die bei Protesten von einer Kugel am Kopf getroffen worden war.

Bei einer Zeremonie fuhren Autos und Mopeds dem auf einem Wagen aufgebahrten Sarg der jungen Frau hinterher. Die Menschen hielten Bilder der Toten in die Luft und zeigten den Drei-Finger-Gruß, der zum Symbol des Protests gegen die Militärjunta geworden ist.

In dem südostasiatischen Land herrscht Aufruhr, seit die bisherige De-facto-Regierungschefin Aung San Suu Kyi am 1. Februar bei einem Militärputsch entmachtet wurde. Hunderttausende Menschen beteiligten sich seitdem an Straßenprotesten, mehrere hundert Menschen wurden festgenommen. Die Sicherheitskräfte setzten allerdings bis Samstag kaum scharfe Munition ein.

Große Teile der Bevölkerung sind noch von den Zeiten der früheren Militärherrschaft geprägt, die seit der Unabhängigkeit des Landes 1948 fast 50 Jahre andauerte. Dennoch reißen derzeit die Aufrufe zum zivilen Ungehorsam nicht ab, an den Protesten beteiligen sich Menschen aus allen Bevölkerungsschichten.

Quelle: Agenturen