Knaus sieht "Rekordzahl" an Vertriebenen in der EU

29. März 2022 · Lesedauer 3 min

Im Newsroom LIVE fordert der Migrationsforscher Gerald Knaus eine Schaffung von "Drehkreuzen" für geflüchtete Ukrainerinnen und Ukrainer. Die angekündigten Maßnahmen in Österreich - wie zum Beispiel einen leichteren Zugang zum Arbeitsmarkt - für Flüchtlinge aus der Ukraine, hält er für "richtig" und "nötig".

Im PULS 24 Interview zeigt sich der Migrationsforscher Gerald Knaus zufrieden mit den in Österreich angekündigten Maßnahmen, um Geflüchteten aus der Ukraine einen erleichterten Zugang zum Beispiel zum Arbeitsmarkt oder in das Bildungswesen zu ermöglichen. Auch, dass es viele dieser Maßnahmen – wie eine visafreie Einreise, spezielle Jobangebote oder die "Blaue Karte – bei anderen Fluchtbewegungen noch nicht gegeben hat, hält Knaus für richtig.

Vier Wochen Krieg

Es werden bestimmt noch mehr geflüchtete Menschen "in Österreich ankommen", so Knaus. Für den Migrationsexperten handelt es sich hierbei um eine "Rekordzahl" an Kriegsflüchtlingen und Vertriebenen im Land und in der EU – und das "innerhalb von nur vier Wochen Krieg".

"Es wäre nur realistisch und verantwortungsvoll, sich darauf vorzubereiten, dass mehr kommen werden", so Knaus. Schulen und Arbeitsmöglichkeiten müssten deswegen "so flexibel wie möglich" gestaltet werden. Für den Experten "hört sich das alles erstmal gut an". Sollten die ganzen Ankündigungen alle so umgesetzt werden, könnte Österreich hier auch "ein Vorbild" für andere Staaten sein.

Verteilung in Europa

Für Knaus bleibt es weiterhin schwer abzuschätzen, wie und wohin sich die ukrainischen Flüchtlinge in Europa verteilen werden. Bisher haben sich die geflüchteten Menschen "spontan" verteilt, erklärt der Experte. Die allermeisten, die bisher in der EU angekommen sind, sind privat bei Freunden und Verwandten untergekommen. Diese Verteilung kommt allerdings an ihre Grenzen.

Der Migrationsexperte gibt aber auch zu bedenken, dass man Menschen auch nicht mehr "wie Pakete behandeln" könne, quer durch Europa zu schicken und "nach Quoten zu verteilen". "Gott sei Dank" wird dieser Ansatz auch nicht mehr verfolgt, findet Knaus. Die Menschen hätten ja "ihre eigenen Wünsche und Vorstellungen".

"Drehkreuze" 

Für Knaus bleibt deswegen nur ein Mittelweg, der gefunden werden muss. Eine Verteilung über einzelne wenige Staaten sei nicht gut. Der Migrationsexperte findet deswegen, dass man "Drehkreuze" schaffen sollte, an welchen Ukrainerinnen und Ukrainer Informationen über andere Staaten erhalten würden und man ihnen erklärt, dass sie auch jederzeit zurück in ihre Heimat oder zu ihren Freunden und Verwandten in andere Länder können. "Die Chance ein Dach über den Kopf zu bekommen und in die Schule zu gehen, wird umso größer je mehr Städte und Länder sich beteiligen", zeigt sich Knaus überzeugt.

Jan ForoboskoQuelle: Redaktion / foj