Migrationsexperte Knaus: Anti-Marketing gegen Migration nicht glaubhaft

23. Aug. 2022 · Lesedauer 3 min

Migrationsexperte Gerald Knaus gibt der Anti-Marketing-Kampagne mit der das Innenministerium illegale Migration reduzieren will nur Erfolgschancen, wenn sie auch geglaubt werde. Das sei unwahrscheinlich, weil die EU keine Strategie bei Abschiebungen habe. Mit einer legalen Lösung könne man aber Migranten helfen und sogar die EU würde davon profitieren.

Innenminister Gerhard Karner (ÖVP) hat am Dienstag eine Online-Kampagne gegen illegale Migration präsentiert. Für 260.000 Euro sollen auf Social Media in acht Ländern abschreckende Inhalte geschaltet werden, um die Menschen vor Ort von der Migration nach Österreich abzuhalten.

Tunesier wissen, dass Reise gefährlich ist

Die entscheidende Frage bei solchen Kampagnen sei, ob sie die Menschen erreicht und ob diese auch glauben, was ihnen gesagt wird, sagt Migrationsforscher Gerald Knaus der Europäischen Stabilitätsinitiative im Newsroom LIVE. "Es ist ja nicht so, dass Menschen in Tunesien nicht wissen, dass es gefährlich ist, übers Mittelmeer zu kommen."

Kampagne nicht glaubhaft

Gleichzeitig hätte Knaus in vielen Gesprächen mit jungen Menschen in Gambia oder Senegal gehört, dass sie sich von einer Reise abschrecken lassen. Das aber nur, wenn sie von Menschen, denen sie glauben, hören, wie "grauenhaft die Lage in Libyen, der Sahara und auf dem Mittelmeer" gewesen sei. Glauben würden sie vor allem Landsleuten.

EU bei Abschiebung strategielos

Entscheidend sei also, Migrationswillige mit einer überzeugenden Botschaft zu erreichen. Das Problem sei, "die europäische Union hat keine glaubwürdige, keine überzeugende Strategie", wenn es um Fragen wie Abschiebung gehe. Es sei nicht glaubhaft, dass es sinnlos ist nach Europa zu kommen, weil die Wahrscheinlichkeit hoch ist, wieder zurückgeschickt zu werden. Denn das stimme nicht. In Deutschland seien 2022 rund 6.000 Personen abgeschoben worden, die meisten in europäische Länder. In anderen Ländern sehe es ähnlich aus.

Arbeitskräftemangel: Legale Lösungen würden allen helfen

Für Migrationswillige müsse es zudem eine andere Perspektive geben, ihr Leben zu verbessern. Ein junger Tunesier oder Marokkaner könne sich ja auch um ein Arbeitsvisum bewerben. In Europa herrsche Arbeitskräftemangel. Es wäre im Interesse Europas, legale Lösungen, statt illegaler Migration zu bieten.

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Geißel einer Erzählung von Sebastian Kurz

Was Knaus nicht verstehe, sei, dass Österreich Flüchtlinge nicht durchwinkt. Ich glaube, die österreichische Politik war ein bisschen die Geißel einer Erzählung von Sebastian Kurz." Der meinte, das Schlimme sei das Durchwinken. Dabei hätten immer alle Durchgewunken. Die Schweizer zum Beispiel würden überhaupt keine Anstalten machen, Leute, die von Italien nach Deutschland wollen, zu stoppen. Die Versuche, die Menschen an innereuropäischen Grenzen zu stoppen, funktioniere überhaupt nicht.

Marianne LamplQuelle: Redaktion / lam