Michael Ludwig, wie Sie ihn noch nicht kennen

06. Okt 2020 · Lesedauer 4 min

Der Wiener Bürgermeister stellt sich zum ersten Mal einer Wahl. Sein Sieg steht so gut wie fest. Aber wer ist der Mann an der Spitze der Wiener SPÖ?

Sieg beim ersten Antritt? Für Wiens Bürgermeister Michael Ludwig wohl kein Problem. In den Umfragen liegt der SPÖ-Spitzenkandidat mit deutlichem Abstand vorn. Und im Gegensatz zu manch anderem Spitzenkandidaten wird Ludwig nach der Wahl auch ins Rathaus einziehen, beziehungsweise dort bleiben. Er scheint seinen Arbeitsplatz sehr zu mögen.

Der 59-jährige Bürgermeister soll nicht nur stets gut gelaunt durch die Gänge des Rathauses laufen, vor zwei Jahren feierte er dort auch den schönsten Tag im Leben. Ob es die Heirat mit seiner Lebensgefährtin am 31.August im roten Salon oder doch der Amtsantritt als Wiener Bürgermeister am 24.Mai 2018 war, sei dahingestellt.

APA/GEORG HOCHMUTH

Bei der Frage um die Nachfolge von Wiens Bürgermeister Michael Häupl setzte er sich vor zwei Jahren klar gegen Andreas Schieder durch. 57 Prozent der Partei-Genossen haben Ludwig gewählt. Noch heute soll der amtierende Bürgermeister gelegentlich mit "Bürgermeister Michael Häupl" angesprochen werden, ob der Namensverwandtschaft? Vermutlich. Politisch war Ludwig eher Gegenspieler als Parteifreund Häupls und auch sonst unterscheiden sich die Namensvetter voneinander. Während Häupl gerne zum Spritzer greift, ist Ludwigs Lieblingsgetränk "Wiener Wasser", wie er sagt. Mischte sich Häupl häufig in die Politik des Bundes ein, ist der jetzige Bürgermeister und Landeshauptmann zurückhaltender.

Ganz still ist Ludwig dann doch nicht. Zumindest nicht so kurz vor einer Wahl. "Das ist völlig unverständlich", sagt er zur harten Linie der ÖVP bei der Aufnahme von Geflüchteten aus Griechenland. Ein Streit zwischen Bund und Wien spitzt sich auch bei einem anderen Thema zu. 

Die Bundesregierung, allen voran die ÖVP-Ministerriege, rügt die Bundeshauptstadt für die hohen Infektionszahlen und die langen Wartezeiten bei den Corona-Tests. Die Stadtregierung verteidigt sich: Das liege an der Teststrategie und überhaupt würden sich Infektionen in Städten stärker verbreiten. Mit mehr Personal, Teststraßen, einer Registrierungspflicht in der Gastronomie und gratis Grippeimpfungen will Ludwig die Stadt für den Corona-Winter rüsten.

"Als Arbeiterin kann man nur sozialdemokratisch wählen"

Der Grundstein für die Polit-Karriere des Wiener Landeshauptmannes liegt viel weiter zurück. 1961 in Wien geboren, wurde er politisch im Gemeindebau in Wien-Floridsdorf sozialisiert. Auf 44 Quadratmetern lebte er dort mit seiner Schwester und seiner alleinerziehenden Mutter, die neben ihrem Job als Fabriksarbeiterin am Wochenende in einem Gasthaus servierte. "Als Arbeiterin kann man nur sozialdemokratisch wählen", soll sie damals zu Ludwig gesagt haben. Die Arbeiter und Arbeiterinnen, die 2015 mehrheitlich (53 %) die FPÖ gewählt haben, sehen das wohl anders.

Nichtsdestotrotz ist Ludwig der Sozialdemokratie bis heute treu geblieben. Auch das Thema Wohnen ist ihm seit jeher ein Anliegen. Als Wohnbaustadtrat (2007-2018) brachte er die Smart-Wohnungen auf den Weg, außerdem verfolgte er eine Law-and-Order-Politik und verschärfte den Zugang zu subventionierten Wohnungen. Seither gilt: Je länger man in Wien hauptgemeldet ist, desto weiter rückt man auf der Warteliste nach vorne.

Ludwig galt auch deshalb als dem rechten Flügel der SPÖ nahe stehend. 2015 wurden ihm dann Annäherungsversuche mit der FPÖ nachgesagt. Das hat sich mittlerweile geändert. Obwohl sein Motto laut Wikipedia lautet: "Durch das Reden kommen die Leute zusammen", will er mit zweien ganz und gar nicht sprechen. Mit der FPÖ und dem Team HC Strache nämlich, die schließt er als Koalitionspartner dezidiert aus.

Milborn zur Wien Wahl: Michael Ludwig

In Frage kommen dann noch NEOS, ÖVP und Grüne. Letztere würden die Koalition gerne weiterbestehen lassen. Ludwig hat sich dazu noch nicht so klar geäußert. Vor der Wahl bröckelte die Harmonie in der Wiener Stadtregierung. Die grüne Idee einer autofreien Innenstadt lehnte Ludwig lautstark ab.

Vertraut man den Umfragen, wird der Wiener SPÖ-Chef die Verantwortung für Wien auch nach der Wahl weiterhin auf seinen "sehr breiten Schultern" tragen. Nicht meine Worte, die des Ex-Bürgermeisters Michael Häupl.

Soraya PechtlQuelle: Redaktion / spe