APA - Austria Presse Agentur

Menschenrechtspreis geht an saudische Frauenrechtlerin

19. Apr 2021 · Lesedauer 2 min

Die saudi-arabische Frauenrechtsaktivistin Lujain al-Hathloul ist für ihr Engagement mit dem Vaclav-Havel-Preis des Europarats ausgezeichnet worden. Die 31-Jährige wurde vor allem durch ihr Engagement für ein Ende des Fahrverbots für Frauen in dem konservativen Königreich bekannt. Ihre Schwester Lina al-Hathloul bedankte sich bei der Online-Zeremonie am Montag für die Auszeichnung und den Beistand.

"Internationale Unterstützung ist der einzige Weg, über den wir die Ungerechtigkeiten in meinem Land offenbaren und die Opfer schützen können", sagte sie. Die Preisträgerin selbst werde zum Schweigen gebracht und könne deshalb nicht an der Veranstaltung teilnehmen.

Mit dem Vaclav-Havel-Preis zeichnet die Parlamentarische Versammlung des Europarat seit 2013 Engagement für die Menschenrechte aus. Der Preis ist mit 60.000 Euro dotiert und nach dem verstorbenen Bürgerrechtler und früheren Präsidenten der Tschechischen Republik benannt. Wegen der Corona-Pandemie wurde der Preis für das Jahr 2020 nun online vergeben. Normalerweise findet die Verleihung im Rahmen der Tagung der Parlamentarischen Versammlung im Herbst in Straßburg statt.

Al-Hathloul wurde wegen ihres Engagements für ein Ende des Fahrverbots für Frauen im Mai 2018 festgenommen. Kurz danach wurde das Fahrverbot gekippt. Die 31-Jährige wurde zu einer Bewährungsstrafe von drei Jahren und einem fünfjährigen Reiseverbot verurteilt. Ein für Terrorismusfälle zuständiges saudisches Gericht bestätigte das Urteil vor Kurzem.

Erst im Februar dieses Jahres wurde die Menschenrechtlerin auf Bewährung aus dem Gefängnis entlassen - nach 1.000 Tagen Haft. Nach Angaben ihrer Familie soll sie in der Zeit auch gefoltert worden sein. Die Regierung bestreitet dies. Einige Beobachter bewerteten ihre Freilassung als Versuch des saudischen Königshauses, Spannungen mit der neuen US-Regierung zu verringern. US-Präsident Joe Biden nannte Al-Hathloul eine starke Kämpferin für Frauenrechte.

Nach Ansicht der Menschenrechtsorganisation Amnesty International wird die Aktivistin wegen der Bewährungsstrafe "zum Schweigen gedrängt". Sie kann nach Angaben ihrer Unterstützer für jede als illegal empfundene Handlung wieder festgenommen werden.

Neben Al-Hathloul waren in diesem Jahr auch die Nonnen vom Drukpa Orden in Nepal und die Frauenrechtsaktivistin Julienne Lusenge aus der Demokratischen Republik Kongo für den Vaclav-Havel-Preis nominiert.

Zur Parlamentarischen Versammlung kommen viermal im Jahr Abgeordnete der 47 Staaten des Europarats zusammen. Der Europarat mit Sitz in Straßburg wacht über die Menschenrechte in seinen Mitgliedsländern. Sie ist kein Organ der Europäischen Union.

Quelle: Agenturen