APA - Austria Presse Agentur

Menschen weltweit protestieren gegen Polizeigewalt

Juni 14, 2020 · Lesedauer 3 min

Ausgelöst durch den Tod des Afroamerikaners George Floyd bei einem brutalen Polizeieinsatz in den USA haben am Wochenende erneut weltweit Menschen gegen Rassismus demonstriert. In den USA heizte der Tod eines weiteren Schwarzen bei einem Polizeieinsatz die Proteste weiter an, in London kam es bei einer Gegendemonstration Rechtsextremer zu Zusammenstößen mit der Polizei.

Auch in Deutschland, Frankreich, Australien und in der Schweiz gingen tausende Menschen gegen rassistische Diskriminierung auf die Straße.

In Atlanta im US-Bundesstaat Georgia gingen am Samstag laut Medienberichten hunderte Demonstranten auf die Straße und setzten ein Schnellrestaurant in Brand. Dort war am Freitag der 27-jährige Rayshard Brooks angeschossen worden; er starb später im Krankenhaus. Atlantas Polizeichefin trat nach dem Vorfall zurück.

In Deutschland gab es am Wochenende bundesweite Kundgebungen gegen Rassismus und für Solidarität in der Coronakrise. In Berlin kamen am Sonntag mehrere hundert Menschen unter dem Motto #SogehtSolidarisch zusammen, um ein "Band der Solidarität" zu bilden. Auch in anderen Städten wie Leipzig und Hamburg waren Protestveranstaltungen angekündigt.

In London versammelten sich am Samstag zahlreiche Menschen zu einem Gegenprotest gegen eine Anti-Rassismus-Kundgebung. Obwohl der ursprünglich für Samstag geplante Protest der Black-Lives-Matter-Bewegung bereits am Freitag stattgefunden hatte, um Auseinandersetzungen mit Rechtsextremen zu vermeiden, zogen am Samstag mehrere hundert Rechtsextreme zum Parlament, um dort Statuen vor möglichen Angriffen zu "schützen". Mehrere Londoner Denkmäler waren vorsorglich verpackt, nachdem zuvor historische Statuen zur Zielscheibe von Anti-Rassismus-Demonstranten geworden waren.

Auf Fernsehbildern waren gewaltsame Auseinandersetzungen mit der Polizei zu sehen. Mehr als hundert Menschen wurden festgenommen, wie die Polizei mitteilte. Sechs Beamte wurden demnach leicht verletzt. Premierminister Boris Johnson verurteilte die Gewalt und sprach von "rassistischem, rücksichtslosem Vorgehen". Londons Bürgermeister Sadiq Khan twitterte, es sei klar, dass rechtsextreme Gruppen für die Gewalt verantwortlich seien.

In Frankreich gab es am Samstag in allen größeren Städten Proteste gegen Rassismus und Polizeigewalt. In Paris folgten mehrere tausend Demonstranten einem Aufruf zum Protest gegen den Tod des jungen Schwarzen Adama Traoré im Polizeigewahrsam 2016. In Lyon gingen nach Polizeiangaben rund 2000 Menschen auf die Straße. Sowohl in Paris als auch in Lyon kam es zu Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Polizisten. Weitere Kundgebungen wurden aus Marseille, Montpellier und Bordeaux gemeldet.

In Paris versammelten sich am Samstagabend mehrere dutzend Polizisten mit ihren Streifenwagen am Triumphbogen. Aus Protest gegen Äußerungen von Innenminister Christophe Castaner warfen sie ihre Handschellen auf den Boden. Castaner hatte zuvor "null Toleranz" bei rassistischen Tendenzen in den Strafverfolgungsbehörden zugesagt und erklärt, einige Beamte seien "in ihrer republikanischen Pflicht gescheitert". Ein Polizeigewerkschaftsvertreter sagte zu der Protestaktion, die Kollegen hätten sich von Castaner im Stich gelassen gefühlt.

Mehrheitlich in schwarz gekleidete Demonstranten protestierten auch in mehreren Schweizer Städten gegen Rassismus. Allein in Zürich beteiligten sich nach Polizeiangaben mehr als 10.000 Menschen an der Demonstration.

Anti-Rassismus-Proteste mit tausenden Teilnehmern gab es am Samstag zudem erneut in Australien. Auch Australien kämpft mit seiner Vergangenheit wegen der Unterdrückung der Aborigines.

Im Auckland in Neuseeland gab es am Sonntag eine Protestaktion vor dem US-Konsulat, in der Hauptstadt Wellington gab es eine Kundgebung vor dem Parlament. Auch in Taiwans Hauptstadt Taipeh versammelten sich hunderte Menschen zum Gedenken an Floyd und andere Opfer von Polizeigewalt in den USA.

George Floyd wurde Ende Mai in Minneapolis getötet, als ein weißer Polizist ihm minutenlang das Knie auf den Nacken drückte. Floyd hatte wiederholt gefleht, er bekomme keine Luft mehr.

Quelle: Agenturen