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Meloni will Olympia zur Selbstinszenierung nutzen

Heute, 04:01 · Lesedauer 4 min

Seit über drei Jahren sitzt Giorgia Meloni in Italien fest im Sattel. Sie hat inzwischen Platz drei im Ranking der langlebigsten Regierungschefs Italiens erobert. Ihr Ziel, für eine fünfjährige Legislaturperiode im Amt zu bleiben, wie es bisher nur Silvio Berlusconi gelungen ist, ist inzwischen zu einem realistischen Ziel geworden. Die Olympischen Winterspiele Mailand-Cortina im Februar sollen Melonis Ansehen stärken - auch gegenüber EU-Partnern und Investoren.

Während andere Regierungen im Chaos versinken, erweist sich Meloni in Europa als Stabilitätsanker. Ausgerechnet in Zeiten großer geopolitischer Umwälzungen will sie ihr Profil als zuverlässige und handlungsfähige Politikerin stärken. Die Olympischen Winterspiele in Mailand-Cortina sollen zum Schaufenster ihrer Regierungsfähigkeit werden. Ausgerechnet gegenüber der EU und ausländischen Investoren sollen die Spiele zeigen, dass Italien komplexe Projekte fristgerecht umsetzen kann.

Nur zwei Jahre vor dem Start der Spiele hatten die Bauarbeiten für die olympische Infrastruktur begonnen. Viel zu spät, warnten damals Experten. Erschwerend kam hinzu, dass es sich um eine Winterbaustelle im Gebirge handelte. Doch die befürchtete Blamage ist abgewendet: Bereits 20 Monate später raste die Elite der Bobfahrer zum Weltcupauftakt des Olympiawinters durch die eisigen Kurven.

Die Olympischen Winterspiele sind eines der größten internationalen Ereignisse während Melonis Amtszeit. Sie will der Welt mit einem reibungslosen Ablauf des sportlichen Events zeigen, dass ihre rechtskonservative Regierung Großprojekte erfolgreich managen kann. Auch für Infrastrukturminister und Lega-Chef Matteo Salvini, der Anfang 2024 die Bagger in Cortina anrollen ließ, haben die Olympischen Winterspiele eine große politische Bedeutung. Sie dienen innenpolitisch der Mobilisierung der eigenen Wählerschaft.

Regierung verweist auf langfristige Wachstumseffekte

Milliardeninvestitionen in Verkehr, Bahn, Straßen, Sportanlagen und Tourismus, Aufwertung der Alpenregionen und Norditaliens: Die Regierung Meloni hat Olympia als Hebel genutzt, um Projekte zu konkretisieren, die sonst politisch oder bürokratisch schwer durchsetzbar wären. Projekte, die sonst an Bürokratie oder politischen Widerständen scheitern könnten, lassen sich unter dem Zeitdruck der Olympischen Spiele schneller umsetzen. Die Regierung verweist dabei auf langfristige Effekte für Wirtschaftswachstum, Beschäftigung und regionale Entwicklung.

Die Olympischen Spiele waren für die Regierung auch ein wichtiger Test im Umgang mit EU-Fördermitteln, Umweltauflagen und Transparenzregeln. Meloni kann dank Olympia der Welt jetzt zeigen, dass ihre Regierung trotz EU-Skepsis pragmatisch arbeitet.

Innenpolitisch fügen sich die Olympischen Winterspiele in Melonis Erzählung von nationalem Stolz und Leistungsfähigkeit ein. Mailand und Cortina stehen laut der Regierungschefin für ein modernes, effizientes Italien, das Tradition und Innovation verbindet. Die Spiele dienen damit auch der politischen Selbstinszenierung einer Regierung, die zeigen will, dass sie große Vorhaben erfolgreich steuern kann. Gleichzeitig ist das Großevent auch mit Risiken verbunden: Kostensteigerungen, Umweltproteste oder organisatorische Probleme könnten das Projekt belasten und der Opposition Munition liefern.

Umweltschutzverbände kritisieren hohe Kosten der Spiele

Umweltschutzverbände kritisieren seit Monaten die hohen Kosten, die massive Abholzungen bei den Bauarbeiten, etwa im Olympischen Dorf und an der Bobsleigh-Strecke in Cortina, und bezeichnen die Spiele als ökologisch schädlich. In den Dolomiten wächst die Sorge vor dem Massentourismus, den steigenden Preisen und negativen Folgen für sensible Bergökosysteme. Umweltschützer und lokale Politiker warnen, dass die Spiele den Druck auf fragile Landschaften weiter verstärken könnten.

Nicht ausgeschlossen wird, dass die Olympischen Winterspiele von Protesten überschattet werden könnten. Bei Teilen der Olympischen Fackelstaffel in Rom wurden pro-palästinensische Aktivistengruppen von der Polizei daran gehindert, den Fackellauf zu stören. Die Regierung befürchtet, dass anarchistische Oppositionskräfte die Spiele zur Inszenierung von Protesten nutzen und den Verlauf der olympischen Wettbewerbe stören könnten. Kein Wunder, dass die Sicherheitsvorkehrungen für die Zeit der Olympischen Winterspiele besonders rigoros sein werden.

(Von Micaela Taroni/APA)

Zusammenfassung
  • Die Olympischen Winterspiele 2026 in Mailand-Cortina nutzt Giorgia Meloni gezielt, um das Ansehen ihrer Regierung im In- und Ausland zu stärken und Italiens Fähigkeit zur Umsetzung großer Projekte zu demonstrieren.
  • Trotz verspätetem Baustart wurden zentrale olympische Infrastrukturen wie die Bobbahn in nur 20 Monaten fertiggestellt und bereits für den Weltcup genutzt.
  • Umweltschutzverbände kritisieren die Milliardenkosten und Abholzungen für Olympia, während die Regierung auf langfristige Wirtschaftseffekte und regionale Entwicklung verweist.