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Mehr Bäume, CO2-Ausstoß auf Null senken: Das ist Wiens Klimafahrplan

21. Jan. 2022 · Lesedauer 5 min

Im Rathaus präsentieren Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) und sein Vize Christoph Wiederkehr (NEOS) den "Wiener Klimafahrplan". Für erste Schritte sind über 33 Milliarden veranschlagt. PULS 24 bekam den Klimafahrplan der Stadt vorab, der den CO2-Ausstoß pro Kopf bis 2050 auf null senken will.

Man habe den Klimaschutz ins Zentrum der Stadtpolitik gerückt, haben die beiden Regierungsparteien bereits wiederholt bekräftigt, nun wolle man mit einer "Klima-Offensive" aufs Gas steigen. Wien soll bis 2040 als erstes Bundesland klimaneutral werden, wurde schon beim Antritt der Regierung vereinbart.

Wien schuf kürzlich einen eigenen Bereich für Klimaangelegenheiten - mit einem Klimadirektor an der Spitze - im Magistrat. Zu den jüngsten Beschlüssen in Sachen Klimamaßnahmen gehört eine Ausbauoffensive im Bereich Solarenergie. Im Zentrum der Diskussionen steht allerdings ein anderer Bereich: der Verkehr. Hier sorgen der - inzwischen vom Bund gecancelte - Lobautunnel und die geplante Stadtstraße in der Donaustadt für heftige Debatten.

Über 30 Milliarden im Budget

PULS 24 bekam den Plan für die Klimaoffensive der Stadt vorab. Vorgesehen ist ein Budgetvolumen von 33,3 Milliarden für 2022/2023. 2,8 Milliarden davon für klimaschutzwirksame Maßnahmen in den Bereichen Wohnen, Energie und Verkehr. 

100 Maßnahmen, die man laufend ergänzen und anpassen will, und elf Zielbereiche - unter anderem Energie, Mobilität, Gebäude, Zero-Waste, Gesundheit oder Digitalisierung - wurden definiert. Unter anderem sollen mehr grüne Jobs geschaffen und Bürger, Wissenschaft, Kunst und Kultur eingebunden werden.   

Energie: Im Energiesektor will man Photovoltaik ausbauen, bis 2025 soll die Produktion von Sonnenstrom verfünffacht werden, bis 2030 sollen 16-mal so viel Strom aus der Sonne gewonnen werden wie 2020. Dächer und Fassaden, aber auch Parkplätze oder U-Bahn und Bahnstrecken sollen mit Photovoltaik-Flächen ausgestattet werden. Zur Finanzierung sei geplant, die Fördermittel zu erhöhen. 60 Prozent des Wärmebedarfs in Wien soll bis 2040 über die Fernwärme abgedeckt werden, Gasthermen sollen bis dahin aus den Häusern verschwinden. Ein Ausbau der Fernkälte soll CO2 um die Hälfte reduzieren. Bis 2025 sollen hier 80 Millionen Euro investiert werden. 

Mobilität: Geplant ist, CO2-Emissionen pro Kopf bis 2040 um 50 und bis 2050 um 100 Prozent zu senken. Dafür sollen E-Car-Sharing-Angebote ausgebaut und attraktiver werden. Der Wiener Fuhrpark soll umgerüstet und ab 2025 keine Benzin- oder Diesel-Fahrzeuge mehr angeschafft werden, soweit es Alternativen gibt. Zusätzlich steht ein weiterer Ausbau der öffentlichen Verkehrsmittel im Plan, ein Testbetrieb mit Wasserstoff-Bussen laufe bereits.

Gebäude: Für die thermische Sanierung von Gebäuden sind Förderprogramme in Planung, für die Umrüstung auf Photovoltaik sollen Hürden im Wiener Elektrizitätswirtschaftsgesetz abgebaut werden. Wien will Gebiete definieren, in denen nur erneuerbare Wärmeversorgung oder Fernwärme erlaubt sind. Derzeit sind in acht Bezirken Energieraumpläne verordnet, die nächsten fünf sollen im ersten Quartal 2022 folgen, alle weiteren Bezirke bis voraussichtlich Ende des Jahres. 

Zero Waste: Die Wirtschaft soll ihre Materialeffizienz bis 2030 um 30, bis 2040 um weitere zehn Prozent erhöhen. Das Wiener Reparaturnetzwerk soll ausgebaut werden. Es ist geplant, Konzepte für kreislauffähige und schadstoffarme Produkte für den Bau sowie das Abfall- und Recyclingmanagement zu entwickeln. Bei der Bewässerung soll teils auf Regenwasser umgestellt werden. So soll bis 2030 die von der EU vorgegebenen Recyclingquote von 60 Prozent übertroffen und die Wiener Abfallwirtschaft bis 2040 klimaneutral werden. 

PULS 24 Anchor Thomas Mohr analysiert bei René Ach den ambitionierten Klimafahrplan für Wien.

Anpassung an Klimawandel: Als Reaktion auf den Klimawandel soll jeder Wiener und jede Wienerin innerhalb von 250 Metern Zugang zu "qualitätsvollem Grünraum" bekommen, der öffentliche Raum soll durch Pflanzung großer Bäume beschattet werden, bestehende Pflanzen sollen mehr Raum bekommen. Alle Bau- und Stadtentwicklungsvorhaben sollen auf ihren Beitrag zur Anpassung an den Klimawandel geprüft und optimiert werden.

Stadtökologie, Umwelt, Wasser: Die Hälfte der Stadtfläche soll auch beim Bau neuer Stadtteile grün bleiben, bei der Planung soll zwecks Verkehrsvermeidung auf kurze Wege geachtet werden. Neue Waldflächen sind in der Neuen Lobau, in Breitenlee (Norbert Scheed Wald) oder im Grünzug Donaufeld (Frühes Grün) vorgesehen. Wiens Lebensmittelversorgung soll regionaler, der Bezug durch Biobetriebe forciert werden. 

Bildung, Wissenschaft und Forschung: Bis 2030 sollen zu den 18 bestehenden Bildungsgrätzln zehn weitere hinzukommen. Schulen sollen bei Neubau energieautark, ältere Gebäude durch Fassadenbegrünungen und Klimaschutzmaßnahmen aufgerüstet werden. Bei den Bildungszielen wird Bewusstseinsbildung für nachhaltige und ressourcenschonende Entwicklung verankert. 

Wien will bis 2030 eine der fünf führenden europäischen Forschungs- und Innovationsstädte werden, internationale Spitzenforschende und Forschungseinheiten internationaler Konzerne sowie Kongresse, Fachmessen und Events sollen in die Stadt geholt werden. Die 30-Millionen-Förderung für 2022 bis 2024 ist bereits beschlossen. 

Digitalisierung: Die Digitalisierung soll ausgebaut werden, bis 2030 Services für Bürger möglichst vollautomatisiert laufen. Ein "Digitaler Zwilling" der Stadt mit Echtzeitdaten und Stadt-Bildraten ist vorgesehen, unter dem Schlagwort  "Open Government Data" sollen auch Außenstehende Einblick in die Entscheidungsfindung bekommen. 

Beteiligung, Engagement und Kultur: In Margareten, Simmering und Ottakring werden Bürger aufgerufen, Klimaprojekte vorzuschlagen. Dafür werden 6,5 Millionen Euro jährlich zur Verfügung gestellt. Der Filmfonds Wien will klimaneutrale Produktionen verstärkt fördern. Gehen, Radfahren und Öffi-Fahren soll mit virtuellen Tokens belohnt werden, die gegen Tickets namhafter Kulturinstitutionen eintauschbar sind.

Marianne LamplQuelle: Redaktion / lam