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"Meer weggenommen": Deswegen ist Orban gegen Öl-Embargo

10. Mai 2022 · Lesedauer 2 min

Der ungarische Ministerpräsident Viktor Orban hatte die ablehnende Haltung seines Landes gegen ein Ölembargo damit begründet, dass "Ungarn das Meer weggenommen worden" sei.

Diese Aussage zielte offenkundig auf die kroatische Küste, die in der Donaumonarchie teils zum ungarischen Landesteil gehört hatte. Kroatien hat deshalb nun diplomatischen Protest bei Ungarn wegen der revisionistischen Aussage von Orban eingelegt. 

"Verurteilen jegliche territoriale Ansprüche"

"Kroatien verurteilt die Aussage des ungarischen Ministerpräsidenten", teilte das Außenministerium in Zagreb am Dienstag mit. "Wir verurteilen jegliche territoriale Ansprüche auf Nachbarstaaten", hieß es nach Angaben der Nachrichtenagentur Hina. Es sei auch der ungarische Botschafter ins Außenministerium zitiert worden. Äußerungen wie jene Orbans würden unnötig die Beziehungen untergraben, hieß es weiter. In Budapest habe der kroatische Botschafter die Regierung um Erklärung gebeten.

"Diejenigen, die ein Meer und Häfen haben, sind in der Lage, Öl auf Tankern zu transportieren", sagte Orban in einem Radiointerview nach Angaben des Nachrichtenmagazins "Politico". "Wenn sie uns das nicht weggenommen hätten, hätten wir auch einen Hafen."

Ungarn braucht Pipelineverbindung

Wie ein europäischer Diplomat gegenüber der Nachrichtenagentur AFP erklärte, braucht Ungarn für eine sichere Ölversorgung eine neue Pipelineverbindung mit Kroatien. Daher will Ungarn Garantien, dass sich Zagreb am Bau der Pipeline beteiligt, sowie Garantien für eine europäische Finanzierung, berichtete Hina.

In der Donaumonarchie kontrollierte Ungarn einen vergleichsweise kurzen Küstenstreifen zwischen Rijeka und Karlobag, das sogenannte Kroatische Küstenland. Dagegen zählten Istrien und Dalmatien zum österreichischen Landesteil. Nach dem Zerfall der Donaumonarchie kamen das kroatische Küstenland und Dalmatien zum neu gegründeten Königreich Jugoslawien, nach dem Zweiten Weltkrieg auch noch Istrien.

Quelle: Redaktion / koa