APA - Austria Presse Agentur

Mann ruft islamische Parolen im Wiener Stephansdom

31. Okt 2020 · Lesedauer 3 min

Nachdem am Donnerstag Jugendliche in einer katholischen Kirche in Wien-Favoriten randaliert und "Allahu Akbar" (Gott ist groß) gerufen hatten, ist es am Samstag im Stephansdom zu einem ähnlichen Vorfall gekommen. Gegen 8.00 Uhr rief dort ein 25-Jähriger islamische Parolen, berichtete die Polizei. Der verwirrt wirkende Mann wurde von Beamten angehalten und einem Amtsarzt vorgeführt. Der Verfassungsschutz ermittelt in beiden Fällen, ein Zusammenhang besteht offenbar nicht.

Ein Wachmann des Stephansdoms war Samstagfrüh bereits auf den offenbar psychisch beeinträchtigten Mann aufmerksam geworden, bevor dieser das Gotteshaus in der Innenstadt betrat. Als der 25-Jährige dann im Innenraum "Allahu Akbar" rief, wurde die Polizei alarmiert. Beamte der Bereitschaftseinheit hielten den Afghanen an und sperrten den Dom großräumig ab. Bei einer präventiven Durchsuchung der Kirche wurden keine bedenklichen Gegenstände gefunden, berichtete Polizeisprecher Marco Jammer.

Bei dem vorangegangenen Vorfall am Donnerstag waren zunächst um 16.40 Uhr Beamte des Stadtpolizeikommandos Favoriten wegen etwa 20 Jugendlichen am Reumannplatz alarmiert worden, die religiös motivierte Parolen riefen. Die Gruppe aus Syrern und Afghanen war in Richtung Viktor-Adler-Markt unterwegs und brannte Pyrotechnik ab. Als die Jugendlichen die Beamten bemerkten, bewegten sie sich in verschiedene Richtungen. Zehn Beteiligte im Alter von 13 bis 18 Jahren wurden angehalten und wegen Anstandsverletzung und Lärmerregung angezeigt.

Zwei Stunden später kam es zu dem Zwischenfall in der nahegelegenen Pfarrkirche St. Anton. Der anwesende Pfarrer rief die Polizei, weil nach seinen Angaben etwa 30 bis 50 Jugendliche in dem Gotteshaus gegen Sitzbänke traten. Parolen wurden keine mehr gerufen und die Jugendlichen waren bis zum Eintreffen der Polizei verschwunden. Beschädigt wurde laut dem Polizeisprecher nichts, auch Personen wurden weder verletzt noch bedroht.

Das Landesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung überprüft die Vorfälle, betonte Jammer. Von einem Zusammenhang sei derzeit nichts bekannt. Aufgrund der jüngsten Terroranschläge in Frankreich war bereits erhöhter Schutz französischer Einrichtungen und verstärkte Überwachung auf öffentlichen Plätzen angeordnet worden. Es seien verstärkte Streifen unterwegs, erläuterte Jammer. Ein Augenmerk liege nun auch auf Kirchen.

"Ich habe den Generaldirektor für die öffentliche Sicherheit umgehend angewiesen, alle Polizeidienststellen aufgrund der aktuellen Ereignisse zu sensibilisieren und den öffentlichen Raum insbesondere im Hotspot Favoriten verstärkt zu überwachen", hieß es von Innenminister Karl Nehammer (ÖVP).

FPÖ-Sicherheitssprecher Hannes Amesbauer kündigte eine parlamentarische Anfrage an den Innenminister zu den Hintergründen der Attacke auf die Kirche in Favoriten an. Der Wiener FPÖ-Chef Dominik Nepp forderte Konsequenzen und Abschiebungen für alle Unruhestifter. Die Wiener ÖVP wiederum forderte die SPÖ-geführte Stadtregierung zum Handeln auf und warf den Sozialdemokraten vor, Parallelgesellschaften ignoriert zu haben.

Der Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGÖ), Ümit Vural, hat unterdessen am Samstag den Zwischenfall mit randalierenden Jugendlichen in einer Kirche in Wien-Favoriten vom Donnerstag verurteilt. "Für mich machte es keinen Unterschied, ob eine Kirche oder eine Moschee angegriffen wird", schrieb er auf Twitter. "Der Friede in unserer Gesellschaft darf nicht gefährdet werden. Die Causa ist aufzuklären und Verantwortlichen sind zur Rechenschaft zu ziehen."

Die IGGÖ setzte laut ORF vor der Favoritner Antonskirche ein Zeichen in Form einer Mahnwache, berichtete die Kathpress. Auch Tarafa Baghajati, Obmann der "Initiative Muslimischer Österreicherinnen und Österreicher" (IMO) schrieb demnach auf Facebook, die IMO wolle der Gemeinde der angegriffenen Pfarre St. Anton das große Entsetzen der Muslime Österreichs über das Verhalten der Jugendlichen ausdrücken; "nichts rechtfertigt ein derartig verantwortungsloses Verhalten".

Quelle: Agenturen