Mangott: Visa-Bann käme "Kollektivschuld" der Russen am Krieg gleich

16. Aug. 2022 · Lesedauer 3 min

Im Newsroom LIVE bewertet der Politikwissenschafter und Russland-Experte Gerhard Mangott die Explosionen auf der Krim als "demütigend und sicherlich beunruhigend für Russland". Ein Visa-Bann für Russ:innen würde Putin in die Hände spielen.

"Die Wahrscheinlichkeit ist sehr sehr groß", dass die Ukraine für die Explosionen auf der Krim verantwortlich sei, meint der Politikwissenschafter und Russland-Experte Gerhard Mangott. Unklar sei jedoch, ob die Explosionen durch Spezialkräfte, einen Drohnenangriff oder Raketenbeschuss verursacht worden seien.

Krim-Explosionen für Russland "peinlich"

Die Ukraine könne als Opfer darüber glücklich sein, "dass es dem Aggressor Russland militärische Wunden beifügen kann", meint Mangott. Man dürfe diese Angriffe aber nicht überintepretieren.

Für Russland sei der Angriff jedenfalls "peinlich, demütigend und sicherlich beunruhigend" -  eine "Unterbrechung der Versorgungslinien, das würde Russland hart treffen".

Einsatz von Atomwaffen unwahrscheinlich

Dass mit dem Angriff auf die Krim im Rahmen der russischen Militärdoktrin nun Atomwaffen eingesetzt werden, hält Mangott für unwahrscheinlich. Denn die Doktrin besage, dass Nuklearwaffen nur "zur Vergeltung eines nuklearen Angriffs auf Russland" eingesetzt würden.

Im Ukraine-Krieg "nur dann, wenn die Existenz des russischen Staates auf dem Spiel steht". Das könne bei den Explosionen auf der Krim aber "wohl niemand behaupten".

Hinsichtlich des AKW Saporischschja sieht Mangott keine Einigung zwischen Russland und der Ukraine  - "Russland insistiert darauf, dass es seine Soldaten dort präsent halten möchte."

Visa-Bann für Russ:innen wäre "fatal"

Dem derzeit vieldiskutierten Vorschlag eines europäischen Visa-Banns für russische Tourist:innen erteilt Mangott eine deutliche Absage. Eine solche Maßnahmen wäre "fatal" und würde "den Eindruck verstärken, den Putin gegenüber der eigenen Bevölkerung zu machen versucht. Nämlich dass der Westen Krieg nicht nur gegen Putin führe, sondern gegen ganz Russland, gegen die ganze Bevölkerung Russlands." Das verstärke das Propaganda-Narrativ der russischen Seite.

Zudem würde mit einem Visa-Bann "eine Art Kollektivschuld" der Russ:innen am Krieg ausgesprochen. Das sei jedoch "alles andere als angebracht", so Mangott.

Zudem sei es in Russland nicht gerade einfach gegen den Krieg aufzutreten, schließlich werde das mit drakonischen Strafen belegt. Wer die Russ:innen dazu aufrufe, sich gegen Putin zu wenden, "der hat von der Lebensrealität in Russland nichts verstanden".

Bezüglich der Gasversorgung im Winter könnten die Preise noch weiter steigen. Vor allem, wenn es zwischen Europa und Asien zu einem Wettbewerb um Flüssiggas komme, so Mangott abschließend.

Maximilian SperaQuelle: Redaktion / msp