Gahleitner-Gertz: "Sehr viele obdachlose Menschen", wenn es keine Maßnahmen gibt

11. Nov. 2022 · Lesedauer 2 min

Lukas Gahleitner-Gertz von der Asylkoordination Österreich sagt im PULS 24 Interview, dass man derzeit eine Krise sehe, die sich angebahnt habe. Seit Monaten wisse und sehe man, dass Österreich ein Verteilungsproblem habe. Die Politik müsse jetzt zerschlagene Strukturen wieder aufbauen, um voranzukommen.

Gahleitner-Gertz äußert kritische Worte zur derzeitigen Unterbringungsdebatte. Dass die Regierung es nicht schaffe Flüchtlinge zu verteilen, sei ein "Managementversagen". Bei den derzeitigen Problemen seien "Versäumnisse" aus den letzten Jahr sichtbar, denn Strukturen einer "erfolgreichen Unterbringungspolitik" seien zerschlagen worden.

Vor allem unter Herbert Kickl als Innenminister (FPÖ). Dieser habe bei der Grundversorgung viel geändert, wie der Schließung von "vielen Aufnahmezentren", und das sei laut Gahleitner-Gertz nun "Teil des Problems".

Gahleitner-Gertz: Lösungen "liegen auf dem Tisch"

Der Asylexperte hält es für "realistisch", dass es in den nächsten paar Wochen "sehr viele obdachlose Menschen" geben werde, wenn nicht bald Maßnahmen gesetzt werden. Manche Länder wie Vorarlberg oder Wien hätten reagiert, doch in Niederösterreich wird aufgrund der anstehenden Landtagswahl nicht lösungsorientiert gehandelt. In Hollabrunn befinde sich eine "fix, fertige Unterkunft", die "jederzeit geöffnet werden" könne, was aber nicht passiere.

Die Lösungen "liegen auf dem Tisch", so Gahleitner-Gertz. Seines Erachtens sei die Krise vermeidbar, wenn man die Maßnahmen setzt, die "auf der Hand liegen". Man müsse nun Quartiergeber:innen - sowohl private als auch Länder - unterstützen, vergangene Strukturen wieder aufbauen und ein politischer Wille müsse da sein. "Ein Nicht-Wollen begründet keinen Notstand". Man dürfe das Thema nicht für "politisches Kleingeldwechseln" verwenden, sagt der Asylexperte.

Vorschlag der FPÖ eine "Parallelrealität"

Den Vorschlag der FPÖ, dass Asylverfahren auf andere Länder ausgelagert werden sollen, sieht Gahleitner-Gertz als eine "Parallelrealität" oder eine "A-la-lala-Träumeland". Es sei wichtig aufzuhören, "Menschen Sand in die Augen zu streuen" und stattdessen überlegen, wie man "Probleme tatsächlich, realistisch lösen" kann.

Dass es ein Zwei-Klassen-System in Österreich gebe, kann Gahleitner-Gertz durchaus sehen. Doch er glaubt, dass dies von der Politik gemacht sei. Er selbst sehe in seiner tagtäglichen Arbeit, dass die Hilfsbereitschaft sehr groß sei. Es sei in den letzten Jahren "sehr viel Porzellan zerschlagen, mit einem Diskurs, der sehr hinderlich war". Eine "self-profiling-prophecy" sei schließlich entstanden. Hier gilt es gegenzusteuern, sagt der Asylexperte.

Astrid PozarekQuelle: Redaktion / poz