Ludwig kritisiert Impf-Vordränger

19. Jan 2021 · Lesedauer 3 min

Der Wiener Bürgermeister Michael Ludwig kritisiert im PULS 24 Interview Amtskollegen, die sich bei der Corona-Impfung vordrängen.

In den letzten Tagen sind in mehreren Bundesländern Fälle bekannt geworden, in denen übrig gebliebene Impfstoffe nicht an Heimbewohner, Gesundheitspersonal oder über 80-Jährige verabreicht wurden, sondern an Politiker, Gemeindebedienstete, Angehörige und andere. Diese Vorgehensweise kritisiert der Wiener Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) im Interview mit PULS 24 Chefredakteur Stefan Kaltenbrunner. 

"Nichts wäre schädlicher als wenn in der Bevölkerung der Eindruck entsteht es gibt da irgendwelche Privilegien", sagt Ludwig im PULS 24-Interview. Aus diesem Grund sei es wichtig, hier Transparenz zu schaffen, sagt der Wiener Bürgermeister.

Tiroler Bürgermeister rechtfertigt Impfung 

In ihrer Dienstagsausgabe berichtete die "Tiroler Tageszeitung" von einem Fall aus einer Gemeinde aus dem Bezirk Innsbruck-Land, wo rund 50 Impfdosen in einem Seniorenheim übrig geblieben waren. Deshalb wurden diese an Personen verabreicht, die weder im Heim wohnen noch dort arbeiten - unter ihnen befindet sich auch der Bürgermeister und dessen Ehefrau. Dieser selbst rechtfertigte sich in der Zeitung, indem er angab, selbst zur Risikogruppe zu gehören, nachdem er sich einer Herzoperation unterziehen musste. Warum seine Frau vorgereiht wurde, wollte er allerdings nicht erklären.

Als "extrem unsolidarisch und unmoralisch gegenüber den Risikogruppen" bezeichnete unterdessen Grünen-Klubobmann Gebi Mair die bekannt gewordenen Fälle. Es dürfe jetzt nicht zu "Bounty-ähnlichen Zuständen" kommen, indem ausgerufen werde: "Zuerst kommt das Impfen, dann die Moral". Eine Kritik, die Ludwig zu teilen scheint.

Wallner übt Kritik an Feldkircher Bürgermeister 

Die "Vorarlberger Nachrichten" hatten berichtet, dass der Feldkircher Bürgermeister Wolfgang Matt (ÖVP) sich am Wochenende bei einer Impfaktion in einem Seniorenheim in Feldkirch-Gisingen impfen hat lassen, obwohl dem offiziellen Impfplan gemäß Politiker noch nicht an der Reihe sind. Am Dienstagnachmittag entschuldigte sich der 65-Jährige dafür und sprach von einem "Fehler".

Vorarlbergs Landeshauptmann Markus Wallner (ÖVP) übte scharfe Kritik an Matts Verhalten. Falls bei einer Impfaktion tatsächlich einzelne Dosen übrig blieben, so seien diese in der Zielgruppe zu verimpfen, stellte Wallner klar.

Ludwig wird sich impfen lassen

Im PULS 24 Interview sagt Ludwig auch, dass er sich selbst "selbstverständlich" impfen lassen wird. Er werde sich aber erst impfen lassen, "wenn ich dran komme aufgrund meines Alters", betont der 59-Jährige. Es spiele auch keine Rolle, welchen Impfstoff er erhalten werde. "Ich habe mich in meinem Leben schon so oft impfen lassen - gegen Tetanus, Diphterie, gegen viele andere Krankheiten -, dass ich die Impfung als einen Schritt in eine neue Freiheit empfinde."

​Ludwig gegen Bewegungseinschränkungen 

Am Montagabend hat Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) die Möglichkeit von Bewegungseinschränkungen in den Raum gestellt. Anschober sagte, das er diese "überhaupt nicht anstrebe", aber die Politik müsse den Mut haben, "dass dann, wenn wir eine entsprechende Dynamik sehen, dass wir dann sofort eingreifen".

Ludwig kann dem nur wenig abgewinnen. Seiner Meinung nach sei es "vielleicht besser, man bringt mehr als einen Kilometer hinter sich und ist dafür allein im Wald als man hält einen kleineren Radius ein und hat dadurch mehr Kontakte." 

Anschober im PULS 24 Interview

Im PULS 24 Interview schließt Gesundheitsminister Rudolf Anschober Bewegungseinschränkungen künftig nicht aus.

Quelle: Agenturen / Redaktion / apb