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Libyens Hauptstadt wieder komplett unter Regierungskontrolle

04. Juni 2020 · Lesedauer 3 min

Die libysche Hauptstadt Tripolis ist nach Regierungsangaben wieder unter Kontrolle der international anerkannten Regierung. Ein Militärsprecher der Regierung von Ministerpräsident Fayez al-Sarraj erklärte am Donnerstag, dass der Großraum Tripolis innerhalb der Verwaltungsgrenzen wieder komplett unter Kontrolle sei.

Die libysche Hauptstadt Tripolis ist nach Regierungsangaben wieder unter Kontrolle der international anerkannten Regierung. Ein Militärsprecher der Regierung von Ministerpräsident Fayez al-Sarraj erklärte am Donnerstag, dass der Großraum Tripolis innerhalb der Verwaltungsgrenzen wieder komplett unter Kontrolle sei.

Zuvor hatten Regierungstruppen bereits erklärt, den internationalen Flughafen im Süden von Tripolis zurückerobert zu haben. Der Flughafen ist seit Jahren bereits heftig umkämpft und wird nicht mehr genutzt. Der aufständische General Khalifa Haftar hatte vor mehr als einem Jahr eine Militäroffensive gegen Sarraj und die Hauptstadt Tripolis begonnen. Haftars Truppen würden sich auch aus sämtlichen Vororten zurückziehen, hieß es aus Militärkreisen.

Die Einnahme durch Sarrajs Truppen gilt als wichtiger symbolischer Sieg. Zuletzt war es Regierungstruppen mit Hilfe der Türkei gelungen, Haftars sogenannte Libysche Nationalarmee (LNA) wieder stark aus dem Westen Libyens zurückzudrängen.

Unterdessen traf Sarraj in Ankara den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan. Das türkische Präsidialamt veröffentlichte am frühen Donnerstagnachmittag ein Bild der beiden, ohne zunächst Details zum Inhalt des Treffens zu liefern. Später sollte es eine Pressekonferenz geben. Die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu hatte in der Früh berichtet, es solle bei dem Treffen unter anderem erneut um Schritte in Richtung einer politischen Lösung für den Bürgerkrieg im Land gehen.

Haftar wiederum reiste zu Gesprächen mit dem ägyptischen Verteidigungsministerium nach Kairo. Ob seine Position durch den Rückzug geschwächt wird, war zunächst unklar.

Anfang der Woche hatten sich die Konfliktparteien unter UNO-Vermittlung auf die Wiederaufnahme von Gesprächen über eine Waffenruhe verständigt. Eine Befriedung Libyens, das sich seit dem Sturz des damaligen Machthabers Muammar Gadaffi 2011 im Bürgerkrieg befindet, ist aber weiter nicht in Sicht.

Nach dem Sturz von Langzeitmachthaber Muammar al-Gaddafi im Jahr 2011 war in Libyen ein Bürgerkrieg ausgebrochen. Unzählige Milizen kämpfen in dem nordafrikanischen Land um Macht und Einfluss. Für die EU ist Libyen als Transitland für Flüchtende besonders wichtig, weshalb es seit einigen Jahren eine Kooperation mit der libyschen Küstenwache gibt.

Internationale Beobachter sorgen sich, dass sich in Libyen wie in Syrien ein Stellvertreterkrieg entwickelt. Haftar wird von Russland, Ägypten und den Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) militärisch unterstützt, Sarraj hingegen von der Türkei und Katar. Aus dem Ausland wurden zuletzt trotz eines vereinbarten Waffenembargos schlagkräftigere Waffen nach Libyen geliefert, die auch bei künftigen Kämpfen eingesetzt werden könnten.

Quelle: Agenturen