Schilling: "Die meisten von uns haben einen Schlagstock abbekommen"

16. Jan. 2023 · Lesedauer 2 min

Die Klimaaktivistin Lena Schilling war am Wochenende bei den Protesten gegen Braunkohleabbau im deutschen Lützerath. Im Gespräch mit PULS 24 erklärt sie, warum die Demonstrationen so wichtig seien und kritisiert "massive Polizeigewalt".

Vergangenes Wochenende protestierten laut Angaben von Organisationen wie Fridays for Future 35.000 Personen gegen die Räumung des Dorfes Lützerath. Darunter war auch die österreichische Klimaaktivistin Lena Schilling.

"Durch Lützerath verläuft die 1,5-Grad-Grenze", erklärt sie bei PULS 24. Sollte die Kohle durch den deutschen Konzern RWE dort abgebaut werden, sei es für Deutschland und Europa fast unmöglich, den im Pariser Klimaabkommen festgelegten maximalen Temperaturanstieg von 1,5 Grad zu halten. Darum seien zu den Demonstrationen auch viele Aktivist:innen aus dem Ausland angereist.

Massive Polizeigewalt

In den vergangenen Tagen gab es intensive Kritik am Verhalten der Polizei, die sehr hart gegen die Aktivist:innen vorging. Sie setzte etwa Schlagstöcke und Wasserwerfer ein - trotz strömenden Regens und kalten Temperaturen. 

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"Die meisten von uns haben einen Schlagstock abbekommen", sagt auch Schilling. Wie viele Schwerverletzte es durch die "massive Polizeigewalt" gegeben habe, sei allerdings schwer zu erheben, da die Polizei auch rechtlich gegen die Aktivist:innen vorgehen würde. "Sobald den Polizist:nnen oder dem Staat Namen bekannt gegeben werden, wird es Anzeigen geben", erklärt die Klimaaktivistin. Sanitäter:innen der Demonstration sprechen von 50 bis 200 Schwerverletzten.

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Deal mit grünem Anstrich?

Der Deal mit RWE wurde unter anderem vom deutschen Wirtschaft- und Klimaminister Robert Habeck verhandelt (Grüne). Der versprach, fünf weitere Orte zu retten und bezeichnete Lützerath als einen "Schlussstrich" im Braunkohltagebau. Das ist für die Klimabewegung nicht genug. "Unser Kompromiss ist das Pariser Klimaabkommen", erklärt Schilling. "Das wird gebrochen, wenn wir weiter in Kohle investieren. Wir dürfen uns nicht für das kleinere Übel entscheiden."

Für die Klimaaktivistin haben die Grünen - in Österreich und Deutschland - "Kompromisse machen müssen, die ihnen in Zukunft weh tun werden". "Man wird ihnen das nicht verzeihen", betont sie.

Quelle: Redaktion / mbe