APA - Austria Presse Agentur

Lehrer fordern massive Aufstockung von Förderangeboten

19. Dez 2020 · Lesedauer 4 min

Der oberste Lehrergewerkschafter Paul Kimberger (FCG) hat angesichts der neuerlichen Umstellung des Unterrichts auf Distance Learning zwischen dem 7. und 15. Jänner eine massive Aufstockung von Fördermaßnahmen gefordert. Zusätzlich zu den von Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) angekündigten Förderangeboten in Semester- und Sommerferien bräuchten die Schulen "jetzt sofort" mehr Personal in Form von Lehramtsstudenten, um die Kinder und Jugendlichen an den Schulen zu fördern.

Über die konkrete Gestaltung dieser Angebote - etwa eine Teilung von Klassen, was auch gleich die Einhaltung der Corona-Schutzmaßnahme erleichtere, oder zusätzliche Förderstunden am Nachmittag - sollten die jeweiligen Standorte entscheiden, so Kimberger gegenüber der APA. Er will die Förderung auch nicht nur auf jene Kinder konzentrieren, die wegen ungünstiger Rahmenbedingungen während des Fernunterrichts teilweise abgehängt wurden, sondern etwa auch jenen Schülern Angebote machen, die kurz vor dem Abschluss oder auch dem Wechsel in eine andere Schulform stehen.

Zusätzlich müssten die Schulen endlich von der "überbordenden Bürokratie" entlastet werden, indem sie neben pädagogischem Personal auch Sekretariatskräfte bekommen. "Wir haben uns jetzt ganz intensiv um unsere Kinder und Jugendlichen zu kümmern, deshalb brächten wir diese Befreiung von Verwaltung und Bürokratie."

Bedarf nach Förderangeboten sieht auch die Vorsitzende der Elternvereine an mittleren und höheren Schulen (BEV), Elisabeth Rosenberger. Für sie ist wichtig, dass das ausgebaute Sommerschul-Angebot auch von Schülern der AHS-Oberstufen, BMHS und Berufsschulen genutzt werden kann. Zwar funktioniere der Fernunterricht, auf den die Oberstufen schon seit 3. November umgestellt haben, diesmal auf jeden Fall besser als im Frühjahr. "Aber dort, wo es nicht so gut funktioniert oder wo Schüler schlechtere Voraussetzungen haben, geht die Lernschere auf." Dazu komme die Vereinsamung, die nach den vielen Wochen im Distance Learning und eingeschränkten Freizeitmöglichkeiten immer stärker durchkomme.

Für Evelyn Kometter, Sprecherin des Dachverbands der Elternvereine an öffentlichen Pflichtschulen, geraten die Schüler durch die zusätzliche Woche Fernunterricht noch weiter unter Druck. Zuletzt hätten sich bereits Berichte gehäuft, dass Kinder wegen der Vorgabe, in diesem Semester nur eine Schularbeit abzuhalten, nach ihrer Rückkehr in den Präsenzunterricht (entgegen einer Empfehlung des Bildungsministeriums) in einer Tour getestet wurden. Sie fordert, dass die Schüler in der Woche vom 7. bis 15. Jänner wenigstens in den Hauptfächern für jeweils eine Stunde in die Klasse kommen können. Elternvertreterin Rosenberger hofft wiederum, dass die Schulen die Möglichkeit nutzen werden, ältere Schüler etwa zur Schularbeitsvorbereitung an die Schulen zu holen.

Kometter warnt außerdem davor, dass durch den erneuten Fernunterricht Eltern jüngerer Schülern erneut unter Druck geraten. Sie pocht im Gespräch mit der APA darauf, dass wirklich alle, die Betreuung benötigen, eine solche bekommen sollen. Zuletzt sei das nämlich vielfach durch sozialen Druck verhindert worden: Eltern seien etwa gefragt worden, ob sie denn wirklich Betreuung benötigen, und teilweise an den Pranger gestellt worden.

Kritik an den Maßnahmen der Regierung kommt von der Opposition: Für SPÖ-Bildungssprecherin Sonja Hammerschmid ist der dritte Gang ins Distance Learning "unentschuldbar". Offenbar habe man in den letzten zehn Monaten nichts gelernt und keine Teststrategie und Sicherheitskonzepte außer Lüften und Masken vorgelegt. "Warum ist es möglich, mit den Freunden Ski zu fahren, aber nicht gemeinsam in der Schule zu lernen? Die Prioritätensetzung dieser Regierung ist wirklich absurd."

Für FPÖ-Bildungssprecher Hermann Brückl ist der erneute Wechsel in den Fernunterricht "der absolut falsche Weg" und Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP rücktrittsreif. "Die einzige Strategie, die er verfolgt, sind die Pläne vom ÖVP-Kanzler ungefiltert umzusetzen - und das ist für einen Bildungsminister schlichtweg zu wenig".

Sein NEOS-Pendant Martina Künsberg Sarre forderte die Regierung auf, endlich auch an die Oberstufenschüler zu denken, die spätestens seit Ende Oktober daheim sind. "Auch wenn Minister Faßmann sagt, dass es sich 'nur' um eine weitere Woche Distance Learning handelt - jeder Tag, der nicht an der Schule stattfindet, ist einer zu viel!"

Quelle: Agenturen