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Lega-Gründer Umberto Bossi gestorben

Heute, 20:18 · Lesedauer 3 min

Einer der Wegbereiter des europäischen Rechtspopulismus ist tot: Der Gründer der italienischen Regierungspartei Lega, Umberto Bossi, ist am Donnerstag im Alter von 84 Jahren in einem Spital in Varese gestorben. Nach einem Hirnschlag im Jahr 2004 war er teilweise gelähmt gewesen. Bis zu seinem Tode hatte er einen Senatorenposten inne. Sein politischer Aufstieg begann in den 1980er Jahren mit der autonomistischen "Lega Lombarda".

1987 zog Bossi als Senator ins römische Parlament ein und erhielt den Beinamen "Senatur" (das lombardische Wort für Senator), den er im Laufe seiner ganzen Karriere behielt. Von da an wurde er immer mehr zum Symbol des Protests der norditalienischen Regionen gegen die angeblich "korrupte" Politik Roms und deren Zentralismus. Dies gipfelte in der Forderung, Italien in drei Staaten zu teilen.

Bossis Pläne, Norditalien vom Rest des Landes abzuspalten und in die "Republik Padanien" umzuwandeln, sorgten für Aufregung. Bei den Parlamentswahlen im Frühjahr 1992 erfolgte der große Durchbruch der mittlerweile in "Lega Nord" umbenannten Partei - sie eroberte insgesamt 80 Sitze in den beiden Parlamentskammer, zwei Jahre später schaffte sie es als eine der ersten rechtspopulistischen Parteien in Europa in die Regierung. Bossi wurde Juniorpartner im kurzlebigen ersten Kabinett des mehrmaligen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi.

Im September 1996 proklamierte er feierlich in Venedig die Unabhängigkeit Padaniens, jener Großregion südlich des Alpenbogens bis nach Florenz, die ihre Bezeichnung dem lateinischen Namen Padus für den Po-Fluss verdankt. Bossi konnte sein separatistisches Vorhaben nicht konkretisieren. Vor den Parlamentswahlen 2001 verbündete er sich neuerlich mit Berlusconi und trat nach dem Wahlsieg eines Mitte-Rechts-Bündnisses als Reformenminister in die Regierung ein. Dabei wollte er ein wenig radikales politisches Projekt zur Föderalisierung Italiens umsetzen.

2004 erlitt Bossi einen Herzinfarkt und einen Hirnschlag

Am 11. März 2004 erlitt Bossi einen Herzinfarkt und einen Hirnschlag, von denen er sich nie ganz erholte. Nach diesem gesundheitlichen Rückschlag und langer Rekonvaleszenz musste er als Reformenminister zurücktreten, blieb jedoch als Parteichef im Amt.

Infolge eines Skandals um veruntreute Parteigelder musste er 2011 die Lega-Führung abgeben. Wegen des Skandals wurde er zweitinstanzlich zu einem Jahr und zehn Monaten Haft verurteilt. 2013 übernahm der EU-Abgeordnete der Lega Matteo Salvini die Führung der Lega, die unter ihm zu einer landesweit agierenden Kraft wurde. Salvini verzichtete auf den Namen Lega Nord zugunsten des wenig geografisch verankerten Begriffs Lega.

Bossi hatte mehrmals Salvinis Bestrebungen kritisiert, die Lega in eine nationale Rechtspartei umzuwandeln und dafür plädiert, zurück zu den föderalistischen Wurzeln der Partei zu finden. Sein Appell stieß auf taube Ohren. Vor allem infolge der Migrationskrise der Jahre 2015/16 konnte die Lega auch in Süditalien punkten und wurde bei der Parlamentswahl 2018 zur stärksten Kraft im rechten Lager, ehe ihr vier Jahre später die Partei "Brüder Italiens" (Fratelli d'Italia) der aktuellen Regierungschefin Giorgia Meloni den Rang ablief.

Bossi wurde 2022 zum Senator wiedergewählt

Bei den Parlamentswahlen 2022 war Bossi erneut zum Senator gewählt worden. Wegen seiner angeschlagenen Gesundheit hatte er in der aktuellen Mandatsperiode aber nur an wenigen Parlamentssitzungen teilnehmen können.

Bossis Tod löste Bestürzung aus. Politiker aus allen Lagern kondolierten Bossis Frau Emanuela Marrone und seinen drei Söhnen. "Umberto Bossi hat mit seiner politischen Leidenschaft eine wichtige Phase der italienischen Geschichte geprägt und einen grundlegenden Beitrag zur Entstehung des ersten Mitte-rechts-Bündnisses geleistet. In diesem Moment großen Schmerzes bin ich seiner Familie und seiner politischen Gemeinschaft nahe", kommentierte Ministerpräsidentin Meloni auf X. Lega-Chef Salvini sagte alle für Freitag vorgesehenen Termine ab.

Zusammenfassung
  • Umberto Bossi, Gründer der italienischen Lega und Wegbereiter des europäischen Rechtspopulismus, ist am Donnerstag im Alter von 84 Jahren in Varese verstorben.
  • Bossi zog 1987 als Senator ins römische Parlament ein, führte die Lega Nord 1992 mit 80 Sitzen zum Durchbruch und wurde 1994 erstmals Teil der Regierung.
  • Nach einem Herzinfarkt und Hirnschlag 2004 sowie einer Verurteilung wegen Parteigeldskandals 2011 blieb Bossi bis zuletzt politisch aktiv und wurde 2022 erneut zum Senator gewählt.