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Israel: Hamas-Kommandant im Gazastreifen getötet

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Die israelische Armee hat nach eigenen Angaben einen Kommandanten der islamistischen Hamas getötet, der für Angriffe auf Hilfskonvois verantwortlich gewesen sei. Rudwan Mohammed Abdullah Rudwan habe in der Ortschaft Jabalia im Norden des Küstenstreifens bewaffnete Angriffe auf Hilfslieferungen befohlen, um sie unter Kontrolle der Hamas zu bekommen, teilte die Armee am Freitag mit.

Gerade aus dem Norden gibt es immer wieder Berichte über eine Hungersnot. Aus Kreisen der von der Hamas kontrollierten Gesundheitsbehörde im Gazastreifen wurde der Tod des Mannes zwar bestätigt. Nach ihrer Darstellung war der Polizeichef in Jabalia aber für den Schutz von Hilfslieferungen zuständig. Die Angaben beider Seiten ließen sich zunächst nicht unabhängig überprüfen.

Die israelische Armee setzte unterdessen nach eigenen Angaben ihre Angriffe gegen Hamas-Terroristen fort. Unter anderem seien Kommandoposten und Tunnel zerstört sowie eine ungenannte Zahl von Gegnern getötet worden. Allein am Donnerstag habe die israelische Luftwaffe 60 Ziele im Gazastreifen angegriffen. Die Artillerie habe vor allem Gebiete in der Mitte des nur rund 45 Kilometer langen und zwischen sechs und 14 Kilometer breiten Gebiets beschossen.

Nach palästinensischen Angaben wurden in Gaza-Stadt unter anderem der Firas-Markt und zwei Moscheen getroffen. Bei einem israelischen Angriff auf ein größeres Gebäude starben nach Angaben der Gesundheitsbehörde mindestens 25 Menschen. Die Zahl der seit Kriegsbeginn am 7. Oktober getöteten Bewohner wurde mit 33.634 angegeben. Weitere mehr als 76.200 seien verletzt worden. Die Gesundheitsbehörde unterscheidet bei diesen Angaben nicht zwischen Hamas-Kämpfern und Zivilisten.

Im Westjordanland sind nach Medienberichten am Freitag zwei Palästinenser bei einem Einsatz der israelischen Armee erschossen worden. Einer der Männer wurde am Steuer seines Autos getötet, wie die palästinensische Nachrichtenagentur WAFA berichtete.

Das Schicksal der im Gazastreifen festgehaltenen Geiseln kann nach Darstellung eines ranghohen Hamas-Mitglieds nur während einer Waffenruhe geklärt werden. Teil der Verhandlungen sei es, ein Abkommen über eine Feuerpause zu erreichen, "um genügend Zeit und Sicherheit zu haben, um endgültige und genauere Daten über die gefangenen Israelis zu sammeln", sagte Basem Naim, Mitglied des Politbüros der Hamas, am Donnerstagabend auf Telegram.

Die Entführten befänden sich an verschiedenen Orten im umkämpften Gazastreifen und in der Hand von verschiedenen Gruppen. Einige von ihnen lägen auch zusammen mit getöteten Palästinensern "unter den Trümmern", hieß es. "Wir verhandeln, um schwere Ausrüstung für diesen Zweck zu bekommen", sagte der Hamas-Funktionär.

Naim reagierte damit auf Fragen von Medienvertretern, ob die Hamas den jüngsten Kompromissvorschlag der USA abgelehnt habe, weil sie in einer ersten Phase eines dreistufigen Abkommens keine 40 Geiseln freilassen könne. Die erste Phase sah nach Medienberichten die Freilassung von Frauen, Soldatinnen, Männern über 50 Jahren sowie von Männern unter 50 Jahren mit schweren medizinischen Problemen vor. In den jüngsten Verhandlungen habe die Hamas aber erklärt, sie habe keine 40 lebenden Geiseln aus diesen Kategorien. Dies ließ Befürchtungen aufkommen, dass deutlich mehr Geiseln tot sein könnten, als bekannt. Israel war bisher zuvor davon ausgegangen, dass noch knapp 100 der insgesamt rund 130 im umkämpften Gazastreifen verbliebenen Geiseln am Leben sind.

Der Kompromissvorschlag der USA war am Sonntagabend nach Medienberichten von CIA-Direktor William Burns bei den Verhandlungsgesprächen in der ägyptischen Hauptstadt Kairo präsentiert worden. Der Vorschlag sah demnach vor, dass die Hamas im Zuge einer sechswöchigen Feuerpause 40 der festgehaltenen Geiseln im Tausch gegen 900 palästinensische Häftlinge freilässt - darunter 100, die wegen Mordes an Israelis zu lebenslanger Haft verurteilt wurden. Israel solle wiederum bis zu 150.000 vertriebenen Palästinensern die Rückkehr in den Norden des Küstengebiets gestatten, hieß es.

Die Hamas pocht auf einen dauerhaften Waffenstillstand und den vollständigen Abzug der israelischen Truppen aus dem umkämpften Küstengebiet. Die israelische Regierung behält sich die Möglichkeit offen, die Kämpfe nach einer Feuerpause fortzusetzen. Da Israel und die Hamas nicht direkt miteinander reden, treten die USA, Katar und Ägypten als Vermittler auf.

Auslöser des Gaza-Kriegs war das beispiellose Massaker mit mehr als 1.200 Toten, das Terroristen der Hamas und anderer Gruppen am 7. Oktober vergangenen Jahres in Israel verübt hatten. Israel reagierte mit massiven Luftangriffen und einer Bodenoffensive. Angesichts der hohen Zahl ziviler Opfer und der katastrophalen Lage im Gazastreifen wird an Israel international immer stärker Kritik geübt.

ribbon Zusammenfassung
  • Die Hamas erklärt, eine Waffenruhe sei essentiell, um Informationen über die im Gazastreifen festgehaltenen Geiseln zu sammeln und ihre Sicherheit während der Suche zu gewährleisten.
  • Ein US-Vorschlag sieht vor, dass die Hamas im Austausch für 900 palästinensische Häftlinge 40 Geiseln freilässt, während Israel bis zu 150.000 vertriebenen Palästinensern die Rückkehr ermöglichen soll.
  • Während Israel von etwa 100 lebenden der ursprünglich rund 130 Geiseln ausgeht, bestätigt die Hamas nicht genügend lebende Geiseln für die erste Phase des US-Vorschlags zu haben, was Befürchtungen über mehr Todesopfer schürt.

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