APA - Austria Presse Agentur

KZ-Überlebende Esther Bejarano gestorben

10. Juli 2021 · Lesedauer 2 min

Sie überlebte den Holocaust, weil sie im Mädchenorchester von Auschwitz spielte. Jetzt ist Esther Bejarano im Alter von 96 Jahren in ihrer Wahlheimat Hamburg gestorben.

Das bestätigte Helga Obens vom Vorstand des Auschwitz Komitees am Samstag der dpa. Sie sei am frühen Morgen friedlich im Israelitischen Krankenhaus eingeschlafen. Bejarano engagierte sich über Jahrzehnte gegen Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit, wofür sie zahlreiche Auszeichnungen erhielt.

Der deutsche Außenminister Heiko Maas würdigte Bejarano am Samstag auf Twitter als "wichtige Stimme im Kampf gegen Rassismus und Antisemitismus". In seinem Post schrieb er weiter: "Die wundervolle Esther Bejarano überzeugte mit ihrer Lebenskraft und unglaublichen Geschichte. Ihre Stimme wird uns fehlen".

Bejarano engagierte sich Jahrzehnte lang gegen Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit, wofür sie zahlreiche Auszeichnungen erhielt. Zusammen mit ihrem Sohn Joram und ihrer Tochter Edna sang sie jüdische und antifaschistische Lieder, zuletzt tourten sie mit der Kölner Hip-Hop-Band Microphone Mafia durch Deutschland.

Akkordeon-Spielerin im Mädchenorchester von Auschwitz

Geboren wurde Esther Bejarano am 15. Dezember 1924 in Saarlouis als Tochter eines jüdischen Oberkantors. Ihre Eltern wurden 1941 von den Nazis in Litauen umgebracht, sie selbst musste in einem Lager Zwangsarbeit leisten, bevor sie Anfang 1943 ins Vernichtungslager Auschwitz deportiert wurde. Dort überlebte sie nur, weil sie im Mädchenorchester des Lagers Akkordeon spielte. Nach dem Krieg wanderte die junge Frau nach Israel aus, kehrte 1960 jedoch mit ihrem Ehemann nach Deutschland zurück.

Zusammen mit Tochter Edna und Sohn Joram gründete Esther Bejarano Anfang der 1980er Jahre die Gruppe Coincidence mit Liedern aus dem Ghetto und jüdischen sowie antifaschistischen Liedern. Für ihr künstlerisches Engagement erhielt sie zahlreiche Auszeichnungen, darunter die Biermann-Ratjen-Medaille der Stadt Hamburg, die Carl-von-Ossietzky-Medaille der Internationalen Liga für Menschenrechte und das Bundesverdienstkreuz.

Quelle: Agenturen