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Kroatien gedachte der Opfer von Bleiburg

15. Mai 2020 · Lesedauer 3 min

Kroatien hat am Freitag der Anhänger der faschistischen Ustascha, die nach dem Zweiten Weltkrieg Massentötungen zum Opfer gefallen waren, gedacht. Anlässlich des 75. Jahrestages des "Massakers von Bleiburg" legten Staatspräsident Zoran Milanovic und Regierungschef Andrej Plenkovic am Freitag Kränze an Massengräbern in Slowenien und Kroatien nieder, im Parlament gab es eine Schweigeminute.

Kroatien hat am Freitag der Anhänger der faschistischen Ustascha, die nach dem Zweiten Weltkrieg Massentötungen zum Opfer gefallen waren, gedacht. Anlässlich des 75. Jahrestages des "Massakers von Bleiburg" legten Staatspräsident Zoran Milanovic und Regierungschef Andrej Plenkovic am Freitag Kränze an Massengräbern in Slowenien und Kroatien nieder, im Parlament gab es eine Schweigeminute.

In Kroatien werden die Ereignisse rund um 15. Mai 1945 auch als "Tragödie von Bleiburg" und "Kreuzweg" bezeichnet. Das bezieht sich auf den Schicksal von rund 40.000 geflüchtetem Soldaten, die aufseiten Deutschlands gekämpft hatten. Sie wurden in Bleiburg mit ihren Familienangehörigen von der britischen Besatzungsmacht den kommunistischen Einheiten Titos ausgeliefert. Tausende verloren in der Folge gewaltsam ihr Leben.

Präsident Milanovic legte am Freitag den Kranz in der slowenische Gedenkstätte in Tezno bei Maribor beim "Denkmal für Getötete nach dem 9. Mai 1945" nieder. Dort hatten jugoslawische Partisanen schätzungsweise 15.000 bis 20.000 kroatische Kriegsgefangene und Zivilisten getötet und in Massengräbern verscharrt.

Premier Plenkovic legte einen Kranz zusammen mit der Regierungsdelegation an Ort eines weiteren Massengrabs im nordkroatischen Macelj nieder. "Wir können eine wirklich tolerante Gesellschaft aufbauen, indem wir alle Verbrechen aller totalitären Regime vorbehaltlos verurteilen, jedes unschuldige Opfer respektieren und die Kultur der Erinnerung und des gegenseitigen Respekts fördern", sagte Plenkovic laut Nachrichtenagentur Hina. In Macelj in dem slowenisch-kroatischen Grenzgebiet sind nach Einschätzungen in den umliegenden Wäldern den Wäldern 12.000 bis 13.000 Menschen von dem kommunistischen Regime getötet worden.

Im Parlament, das die Schirmherrschaft über das alljährige umstrittene Gedenktreffen in Bleiburg hat, wurden unterdessen aller Opfer gedacht, die vom kommunistischen Regime ohne Gerichtsprozesse in Bleiburg und bei Todesmärschen zurück nach Jugoslawien getötet wurden, berichtete Hina.

Heuer fällt die Gedenkveranstaltung in Kärnten wegen der Corona-Pandemie aus. Stattdessen werden am Samstag in Bleiburg sowie in Zagreb auf dem Mirogoj-Friedhof vor dem Denkmal für die Bleiburger Opfer lediglich Kranzniederlegungen mit Gebet stattfinden. In Sarajevo ist ein Gottesdienst geplant, der bereits im Voraus für Kontroversen sorgte.

Der dortige Erzbischof und Kardinal Vinko Puljic verteidigte die Messe. Er werde am Samstag in seiner Predigt die Botschaft aussenden, dass "jedes Übel, jedes Verbrechen ein Verbrechen ist, unabhängig davon, wer es begangen hat", sagte er laut Kathpress im kroatischen Radio HKR. Der serbisch-orthodoxe Metropolit von Dabar-Bosna, Hrizostom (Jevic), kritisierte Puljic. "Sie haben mit dieser Entscheidung für uns die Tür der Kathedrale für immer geschlossen", sagte er. Der Präsident der jüdischen Gemeinde in Sarajevo, Jakob Finci, schrieb in einem Offenem Brief, der Gottesdienst "erinnert an die Henker unserer Mütter, Väter, Großväter,Landsleute und aller anderen unschuldigen Menschen, die vom faschistischen 'Unabhängigen Staat Kroatien' getötet wurden

Der Jüdische Weltkongress (WJC) hat die kroatischen Behörden in des aufgerufen, aufzuhören, sich mit Gedenkveranstaltungen an der Verherrlichung des Ustascha-Regimes zu beteiligen. Der WJC kritisierte außerdem, dass der 15. Mai vom Parlament als "Gedenktag an die Opfer des Kampfes für die Freiheit und Unabhängigkeit Kroatiens" festgelegt wurde.

Quelle: Agenturen