Euro + EUAFP

Kroatien führt am 1. Jänner den Euro ein

27. Dez. 2022 · Lesedauer 5 min

Das jüngste EU-Mitglied Kroatien führt am 1. Jänner 2023 den Euro ein.

Die bisherige Landeswährung Kuna wird von der europäischen Gemeinschaftswährung ersetzt.

Gemischte Gefühle bei Kroatien

Das sorgt bei den kroatischen Bürgern für gemischte Gefühle, die größten Sorgen bereitet ihnen eine zusätzliche Teuerung, die infolge der Euro-Einführung erwartet wird. Die Inflation erreicht in Kroatien nämlich schon jetzt Rekordwerte, im November betrug sie 13,5 Prozent. Kroatien tritt dem Euro-Raum als 20. Land bei. Die letzten Vorbereitungen laufen auf Hochtouren, laut kroatischen Behörden gibt es dabei keine Probleme, alles verläuft nach Plan. Die Umrechnung erfolgt nach einem Kurs von 7,53450 Kuna für einen Euro.

Um den Bürgern den Übergang auf den Euro zu erleichtern, wird die bisherige Landeswährung noch 14 Tage nach der Euro-Einführung neben dem Euro gültig sein. In dieser Zeit wird man weiterhin mit Kuna bezahlen können, das Wechselgeld wird aber in Euro ausbezahlt. Mit 15. Jänner ist dann der Euro das einzige offizielle Zahlungsmittel.

Die Bürger können sich seit Anfang Dezember mit den Euro-Startpaketen versorgen. Nach den Paketen mit Münzen im Wert von 13,28 Euro (100 Kuna) herrscht laut Medienberichten eine große Nachfrage: Schon in den ersten zwei Wochen wurde fast die Hälfte der insgesamt rund eine Million Startpakete verkauft. Die Euro-Münzen mit kroatischen Motiven werden in der staatlichen kroatischen Münzstätte geprägt.

2.700 aus Betrieb genommen

Um mehr als 4.000 Bankomaten im ganzen Land auf die Herausgabe von Euro-Banknoten vorzubereiten, werden rund 70 Prozent davon allmählich aus dem Betrieb genommen. Bis Ende Dezember werden 2.700 Bankomaten vorläufig nicht funktionieren, damit man dort am 1. Jänner Euro-Scheine abheben kann. Der Rest, der bis Jahresende noch Kuna ausgeben wird, wird bis 15. Jänner auf Euro umgestellt.

Die Bürger werden das gesamte nächste Jahr in Banken, Postfilialen und Filialen der Finanzagentur (FINA) ihre Kuna-Banknoten und Münzen gebührenfrei in Euro umtauschen können. Danach wird das bei der kroatischen Notenbank (HNB) möglich sein. Der Umtausch von Kuna-Banknoten ist zeitlich unbegrenzt, die Münzen wird man noch drei Jahre nach der Euro-Einführung umtauschen können. Nach Einschätzung der HNB halten die Kroaten zu Hause Ersparnisse im Wert vom 35 Mrd. Kuna (mehr als 4,6 Mrd. Euro).

Seit September müssen die Preise in Kroatien in beiden Währungen angegeben sein, die doppelte Preisauszeichnung wird im gesamten nächsten Jahr beibehalten. Diese Maßnahme, die als ein wichtiges Instrument zum Schutz der Verbraucher gilt, konnte Verteuerungen wegen Preisaufrundungen aber nicht verhindern. Mancherorts wurden die Preise bereits in den vergangenen Monaten aufgerundet, die Verbraucherschützer heben als Beispiele Cafés, Restaurants und Friseursalons hervor.

Diejenigen, die ihre Preise noch nicht angepasst haben, haben das aber angekündigt. Einige begründen das mit der allgemeinen Energie- und Teuerungskrise, andere räumen ein, sich damit den Umgang mit Kleingeld zu erleichtern. Wenn etwa ein Kaffee derzeit 10 Kuna kostet, was laut Umrechnungskurs 1,33 Euro entspricht, kann man laut Medien mit Aufrundung rechnen. Ähnlich wird man beim Friseur für eine Dienstleistung von 100 Kuna künftig nicht 13,27 Euro bezahlen, sondern einen runden Euro-Betrag. Die Frage sei lediglich, wie hoch die Preise aufgerundet werden.

Kroatiens Notenbankchef Boris Vujčić betont mit Blick auf Erfahrungen anderer Länder, dass die Euro-Einführung die Teuerung nur geringfügig verstärken werde, weshalb man sich deswegen nicht sorge. Viel mehr Sorgen bereiten laut dem Gouverneur die steigenden Energie- und Lebensmittelpreise, die auf den Ukraine-Krieg zurückzuführen seien.

Positive Auswirkungen erwartet

Während ein Teil der Bevölkerung die Euro-Einführung mit Skepsis erwartet, hebt die politische Elite die positiven Auswirkungen der Gemeinschaftswährung sowohl für die Bürger als auch für die Wirtschaft hervor. Premier Andrej Plenković betont, dass die Mitgliedschaft in der Eurozone die Wettbewerbsfähigkeit des Landes erhöhen sowie das politische und wirtschaftliche Rating des Landes verbessern werde. Unter den Vorteilen hebt der Regierungschef auch niedrigere Zinssätze hervor, wie auch das Wegfallen des Währungsrisikos, dem alle Kroaten mit Euro-Krediten ausgesetzt seien.

Positive Auswirkungen der Euro-Einführung werden insbesondere im Tourismus sowie bei ausländischen Investitionen erwartet. Die Tourismusbranche, die fast ein Fünftel des kroatischen Bruttoinlandproduktes ausmacht, ist stark von den Euro-Ländern abhängig: Nach Angaben des Tourismusministeriums sind Besucher aus den Euro-Ländern für fast 70 Prozent der gesamten Tourismuseinnahmen in Kroatien verantwortlich, und rund 60 Prozent aller Übernachtungen entfallen auf Touristen aus der Eurozone. Dass die Mehrheit der Touristen in Kroatien künftig in ihrer eigenen Währung bezahlen kann, wird im Adrialand als ein großes Vorteil gesehen.

Kroatien, das 2013 Mitglied der Europäischen Union wurde, tritt zehn Jahre später nicht nur der Eurozone, sondern auch dem Schengen-Raum bei. Laut Premier Plenković sind damit die strategischen Ziele seines Landes erreicht. Die Kuna, die seit 1994 die Landeswährung war, wird sich mit Jahreswechsel nicht ganz verabschieden: auf der kroatischen Ein-Euro-Münze ist in Anspielung auf die alte Währung ein Marder abgebildet. Das Wort Kuna steht in der kroatischen Sprache nämlich für das kleine Raubtier.

Quelle: Agenturen / Redaktion / ddj