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Krieg in der Ukraine: Botschafter wollen Bevölkerung aufklären

29. Apr. 2022 · Lesedauer 3 min

Die polnische Botschafterin in Wien, Jolanta Kozłowska, und ihr ukrainischer Kollege Vasyl Khymynets haben am Freitagnachmittag eine Kampagne in einigen EU-Staaten präsentiert, mit der unter anderem auch Menschen in Österreich auf die grausame Realität des Kriegs in der Ukraine hingewiesen werden sollen.

Drei diesbezügliche Sujets auf Anhängern sowie auf einem Kleintransporter werden in den nächsten Tagen auf Straßen in Wien und Umgebung unterwegs sein.

In der präsentierten Kampagne sind auf einem Plakat neben Ruinen des römischem Kolosseums ein zerbombtes Gebäude im Mariupol zu sehen, wird auf "blutiges Öl" aus Russland hingewiesen sowie zum Stoppen des "russischen Massakers in der Ukraine" aufgefordert.

Aufklärung der Bevölkerung

Sie glaube, dass die österreichische Öffentlichkeit über die Kriegsgräuel in der Ukraine nicht genug aufgeklärt sei, erklärte die polnische Botschafterin Kozłowska auf APA-Nachfrage. "Ich sehe in Leserbriefen und sozialen Medien viele zweifelnde Bemerkungen in Bezug auf den Krieg", sagte sie. Konkret sprach sie von Forderungen, "ein bisschen Territorium" abzugeben und die Aggression zu akzeptieren, um einen dritte Weltkrieg zu vermeiden. Viele Menschen auch in Österreich hätten den osteuropäischen Raum zudem nicht richtig beobachtet und wahrgenommen. "Die Nähe zu Russland hat versagt", erklärte sie in Hinblick auf Österreich.

Ob Österreich bei der Diversifizierung beim Einkauf von Gas und Erdöl schnell genug sei, könne sie nicht beurteilen. "Ich sehe aber, dass sich die österreichische Regierung bemüht und sie sich allen Sanktionen angeschlossen hat", erläuterte sie. Freilich müssten weitere Schritte unternommen werden, um im Energiesektor schnell von Russland unabhängig zu werden.

"Moralische Kampagne"

Der ukrainische Botschafter Chymynez sprach seinerseits von einer "moralischen Kampagne". "Ein paar Hundert Kilometer von hier entfernt läuft ein barbarischer Krieg", betonte er. Man wolle mit der Kampagne Menschen auch in Österreich erreichen und sie auffordern, diesbezüglich sensibel zu bleiben.

Nicht einverstanden zeigte sich der Botschafter mit medialen Darstellungen, in denen seines Erachtens die Ukrainer durch Begriffe wie "Ukraine-Krieg" und "Ukraine-Krise" etwa für Teuerungen verantwortlich gemacht würden. Nicht die Ukraine sei an diesem Krieg schuld, sondern Russland, betonte er.

Kritik wegen Rakentenangriff 

Heftige Kritik übte der Diplomat aber auch am Raketenangriff auf Kiew während eines Besuchs von UN-Generalsekretär António Guterres am Donnerstag. Wenn Derartiges zynisch gemacht werde, könne Russland nur noch als "kriegstreiberisches und verbrecherisches Land" wahrgenommen werden. Die Weltgemeinschaft müsse daraus wirklich Konsequenzen ziehen. Als Russland 2008 Georgien angriff und 2014 die Krim annektierte sei dies nicht in einem ausreichenden Maß geschehen, klagte Chymynez.

Quelle: Agenturen / Redaktion