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Kreml kündigt Marinemanöver an: Bidens Drohungen könnten Krieg provozieren

20. Jan. 2022 · Lesedauer 2 min

Der Kreml hat nach Drohungen von US-Präsident Joe Biden vor der Gefahr einer Eskalation des Ukraine-Konflikts gewarnt und kündigte ein großangelegtes Marinemanöver an.

Das Marinemanöver soll im Atlantik, der Arktis, dem Pazifik und dem Mittelmeer stattfinden. An den für Jänner und Februar geplanten Übungen seien insgesamt mehr als 140 Schiffe, mehr als 60 Flugzeuge und etwa 1000 Stück anderer militärischer Ausrüstung beteiligt, teilte das russische Verteidigungsministerium nach Angaben russischer Nachrichtenagenturen am Donnerstag mit.

Kreml-Sprecher Dmitri Peskow sagte am Donnerstag, dass die Äußerungen Bidens nicht zur Entspannung beitrügen und könnten zu einer Destabilisierung der Lage führen. "Sie könnten den Hitzköpfen einiger Vertreter der ukrainischen Führung falsche Hoffnung einflößen, dass sie sich dazu entschließen, erneut einen Bürgerkrieg zu beginnen und das Problem im Südosten (Donbass) mit Gewalt zu lösen."

Die USA und die NATO werfen Russland seit Monaten vor, einen Überfall auf die Ukraine zu planen. Moskau weist dies täglich zurück. Russland will mit dem Aufmarsch nahe der Ukraine vor allem eine Drohkulisse aufbauen, weil es sich nach eigenen Angaben zunehmend von einer Ausdehnung der NATO bedroht sieht.

Biden hatte Moskau am Mittwoch erneut mit harten Sanktionen für den Fall eines Einmarsches gedroht: "Wenn sie das tun, dann werden sie einen hohen Preis zahlen. Unmittelbar, kurzfristig, mittelfristig und langfristig." Er vermute, dass russische Soldaten in die Ukraine eindringen würden, glaube aber nicht, dass Russlands Staatschef Wladimir Putin "einen ausgewachsenen Krieg" wolle, meinte Biden.

Militärexperte Karner zur Ukraine: Militäraktion wahrscheinlich, Putin fürchtet Gesichtsverlust

Offizier und Militärexperte Gerald Karner analysiert für PULS 24 den Ukraine-Konflikt. Die russische Seite sei den Ukrainern überlegen und eine eine Militäraktion werde wahrscheinlicher, weil Russlands Präsident Putin keinen Gesichtsverlust riskieren wolle. Eine friedliche Lösung sei aber laut Karner noch möglich.

Putin und Biden hatten im Dezember gleich zweimal wegen des Konflikts miteinander gesprochen. Der Kreml schloss ein neues Gespräch nicht aus, wollte aber die Antwort aus Washington auf Moskaus Forderungen nach verbindlichen Sicherheitsgarantien abwarten. "Über ihre Kontakte entscheiden die Präsidenten selbst", sagte Peskow.

Russisch-amerikanisches Treffen in Genf

An diesem Freitag wollen sich Russlands Außenminister Sergej Lawrow und sein US-Kollege Antony Blinken in Genf treffen. Dabei solle es um die nächsten Schritte im Zusammenhang mit den Sicherheitsgarantien gehen, sagte eine Sprecherin.

Quelle: Agenturen / Redaktion / lam