Wien erhält ein Quantentechnologiezentrum
Die Rede des Bürgermeisters bei dem Treffen in Andau im Burgenland stand ganz im Zeichen von Wirtschaftsthemen und Standortpolitik. Ludwig verwies hier auf aktuelle Daten: "Wir waren im vergangenen Jahr das einzige Bundesland mit Wirtschaftswachstum." Man wolle den Standort auch weiter stärken und um jeden Arbeitsplatz kämpfen, versprach er. Denn Wien sei der "Wirtschaftsmotor für ganz Österreich".
Dass nun ein weiteres Technologiezentrum eingerichtet wird, begründete Ludwig nicht zuletzt mit der Tradition der Quantenforschung in Wien. Der Wiener Physiker Erwin Schrödinger habe für diese den Grundstein gelegt. Auch mit dem Physik-Nobelpreisträger Anton Zeilinger habe man gut zusammengearbeitet, betonte Ludwig. Die Stadt zähle in diesem Bereich seit langem zu den führenden Standorten.
Das neue Zentrum soll Unternehmen, Start-Ups und Forschung an einem Ort vereinen. Die Voraussetzungen dafür seien ideal, hob Ludwig hervor. Er führte unter anderem ins Treffen, dass Wien der größte deutschsprachige Universitätsstandort sei. Die Quantenforschung werde in den kommenden Jahrzehnten zentrale Fortschritte ermöglichen, etwa in der Medizin, in der Industrie oder auch im Bereich Energie und Klima.
Finanzrahmen noch offen
Realisiert wird die Einrichtung durch die Wirtschaftsagentur, wie Ludwig in einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Klubchef Josef Taucher am Nachmittag erläuterte. Gesucht wird aber auch nach privaten Partnern, hieß es. Die Finanzierung bzw. die Kosten des Zentrums sind noch offen. Als Richtschnur soll aber der Rahmen für das Life-Science-Center dienen, für das 170 Mio. Euro veranschlagt werden.
Der Standort für den Neuzugang in Neu Marx wird an der Litfaßstraße liegen. Das Gebäude wird über sechs Obergeschoße verfügen. Geplant ist eine Mietfläche von rund 15.600 Quadratmetern. Versprochen wurde modernste Infrastruktur für Forschungs- und Entwicklungsprozesse. Spitzentechnologie - angekündigt wurde auch ein Quantencomputer - soll dort zur Verfügung stehen.
2026 soll der Startschuss zur Projektplanung erfolgen. Bis spätestens Sommer 2027 ist die Ausschreibung der Bautätigkeit vorgesehen. Die Fertigstellung des Zentrums ist laut Ludwig für 2033 geplant.
Erhöhung der Bezirksbudgets
Ludwig kündigte weiters an, dass die Budgets der Bezirke 2027 wieder erhöht werden. Ihre Mittel waren angesichts der angespannten Finanzsituation der Stadt für heuer eingefroren worden. Die Bezirke hätten mit gleichbleibenden Budgets für ihren Beitrag zur Konsolidierung geleistet, bedankte sich der Bürgermeister.
Die Wiener SPÖ hält ihre Klubtagung zum ersten Mal in Andau ab, nachdem in der Vergangenheit Rust oder auch Frauenkirchen Austragungsort waren. Als Motto der Tagung wurde "Wien voran: Arbeit, Aufschwung, Zukunft" gewählt.
Klubobmann Taucher stellte zum Auftakt des Treffens klar, dass die Sozialdemokratie wie ein "Fels in der Brandung" an der Seite der Wiener Bevölkerung stehe. Die Welt verändere sich rasant, Krisen und Kriege würden die Politik extrem herausfordern. Der SPÖ-Klubvorsitzende im Nationalrat, Philip Kucher, kündigte in seiner Rede Maßnahmen gegen die derzeit massiv steigenden Spritpreise an.
Opposition wenig beeindruckt
Die Opposition meldete umgehend Zweifel daran an, dass die Wiener SPÖ den Wirtschaftsaufschwung vorantreiben kann. Der Standort gerate zunehmend unter Druck, beklagte etwa Wiens FPÖ-Chef Dominik Nepp. Die heute präsentierten Ankündigungen seien nichts anderes als "Zukunftsträumereien", mit denen Ludwig von aktuellen Problemen ablenken wolle.
Die Grünen hielten den Roten vor, dass die Wienerinnen und Wiener sich immer weniger leisten könnten, weil sie mehr für Öffis, Wohnen, Gebühren und Abgaben ausgeben müssten. Die SPÖ rede von Aufschwung, doch das Gegenteil passiere, konstatierten die grünen Parteiobleute Judith Pühringer und Peter Kraus. Auch ÖVP-Chef Markus Figl fand es eher unglaubwürdig, dass sich die SPÖ-Wien als Wirtschaftspartei inszeniere. Er ortete eine "reine PR-Show".
Erfreut über die Errichtung des Quantenzentrums zeigte sich hingegen Wissenschaftsministerin Eva-Maria Holzleitner (SPÖ). "Quantentechnologien gehören zu den Schlüsseltechnologien des 21. Jahrhunderts", bekräftigte sie in einer Aussendung. Österreich habe hier eine außergewöhnlich starke Forschungslandschaft. Diese Stärke gelte es auszubauen.
Zusammenfassung
- Wien plant in Neu Marx ein neues Quantentechnologiezentrum, das Unternehmen, Start-Ups und Forschung auf 15.600 Quadratmetern und sechs Obergeschoßen vereinen soll.
- Die Finanzierung ist noch offen, als Orientierung dienen die 170 Mio. Euro des benachbarten Life-Science-Centers; die Fertigstellung ist für 2033 geplant, mit Start der Projektplanung 2026 und Ausschreibung bis Sommer 2027.
- Während die Opposition die Pläne als "Zukunftsträumereien" kritisiert, begrüßt Wissenschaftsministerin Eva-Maria Holzleitner das Projekt und hebt die Bedeutung von Quantentechnologien für Österreich hervor.
