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Katholisches Frauennetzwerk will strukturelle Änderungen

Heute, 11:01 · Lesedauer 3 min

Ein neu gegründetes Netzwerk in der katholischen Kirche will nicht nur Frauen motivieren, Führungspositionen anzustreben, sondern pocht auch auf strukturelle Änderungen. So müsse etwa das Generalsekretariat in der Bischofskonferenz nicht zwingend männlich besetzt sein, betonten die Initiatorinnen von Frauen.Führen.Kirche am Freitag in einer Pressekonferenz. Hoffnung setzen sie auch in den weltweiten synodalen Prozess.

Wie auch im allgemeinen Berufsleben seien Frauen in kirchlichen oder kirchennahen Organisationen auf Leitungsebene nach wie vor unterrepräsentiert - vor allem im Vergleich mit ihrer Teilhabe am kirchlichen Leben, betonte Maria Habersack, Vorstandsvorsitzende der Vereinigung von Ordensschulen Österreichs. Grund dafür seien ebenfalls strukturelle Hürden, wie die Vereinbarkeit von Beruf und Familie, dazu kämen tief verankerte Vorurteile bezüglich der Kompetenz und angeblicher Emotionalität, die solchen Aufgaben im Wege stünden.

Gegen diese "gläserne Decke" will das neu gegründete Netzwerk nun aktiv ankämpfen. "Es gibt auch Hoffnungszeichen in der Kirche", betonte Habersack aber auch. So sei die Führungsebene der Ordenskonferenz mittlerweile weiblich. Und auch die Bischofskonferenz habe sich zum Ziel gesetzt, bis 2028 den Anteil von Frauen maßgeblich zu erhöhen, so die Direktorin des Österreichischen Pastoralinstituts, Gabriele Eder-Cakl. Sie ging auf das hohe weibliche Engagement etwa bei karitativer Arbeit und in der Seelsorge ein: "Ja, die katholische Kirche ist weiblich."

Die Generalsekretärin der katholischen Aktion Österreich, Regina Petrik, begründete die Gründung von Frauen.Führen.Kirche mit der bisher fehlenden Vernetzung in diesem Bereich. So seien Frauen bisher eher vereinzelt oder in ihren Fachgruppen tätig gewesen. Nun wolle man diese "mit der Fülle ihrer Fähigkeiten und Kompetenzen" nicht nur vernetzen, sondern auch für Leitungspositionen stärken und fördern, weswegen auch Führungsexpertinnen beauftragt werden. "Es ist wichtig, dass sich Frauen ihrer eigenen Expertise bewusst sind", so Petrik.

Vorbild Ordenskonferenz

Aber auch die vollständig männlich besetzte Bischofskonferenz hat das neue Netzwerk im Blick. "Es ist der Auftrag, auch die Gremien anzuschauen", so Eder-Cakl. Dass etwa das Generalsekretariat männlich besetzt sein muss, sei ein österreichisches Phänomen - im Gegensatz zu deutschen Beispielen. Dafür bräuchte es allerdings Statutenänderungen. Als Vorbild könnte laut Habersack die Ordenskonferenz dienen, in der sich Frauen- und Männergemeinschaften zusammengeschlossen haben.

Deutliche Signale in Richtung Gleichberechtigung kommen für die Initiatorinnen auch aus dem Vatikan. So finde sich im Abschlussbericht der Studiengruppe 5 des synodalen Prozesses ein klarer Auftrag an die Weltkirche, Frauen verstärkt in Leitungspositionen zu holen, berichtete Eder-Cakl. Außerdem sei die italienische Ordensschwester Simona Brambilla seit Anfang 2025 die erste Frau an der Spitze eines Dikasteriums.

Zusammenfassung
  • Ein neues Netzwerk namens Frauen.Führen.Kirche fordert strukturelle Änderungen in der katholischen Kirche, damit zum Beispiel das Generalsekretariat der Bischofskonferenz nicht mehr zwingend männlich besetzt sein muss.
  • Die Bischofskonferenz hat sich das Ziel gesetzt, bis 2028 den Anteil von Frauen in Führungspositionen deutlich zu erhöhen, während die Ordenskonferenz bereits weiblich geführt wird.
  • Mit Simona Brambilla steht seit Anfang 2025 erstmals eine Frau an der Spitze eines vatikanischen Dikasteriums, was als Signal für mehr Gleichberechtigung in der Kirche gewertet wird.