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Kasachstan: Mehr Unabhängigkeit von Russland bei Öltransit

07. Juli 2022 · Lesedauer 2 min

Kasachstan will nach Angaben von Präsident Kassym-Schomart Tokajew seine Öllieferrouten diversifizieren, um die Abhängigkeit von Russland zu reduzieren.

Zuvor hatte ein russisches Gericht das sogenannte Kaspische Pipeline-Konsortium (CPC) angewiesen, die Öllieferungen über das Schwarze Meer für 30 Tage einzustellen. Österreich bekam zuletzt 40 Prozent seines Öls aus Kasachstan.

Die Unterbrechung der Lieferungen, die Öl vom riesigen kasachischen Tengis-Feld durch Russland zum Schwarzen Meer transportiert, würde den weltweiten Ölmarkt weiter belasten. Über die CPC-Pipeline wird rund ein Prozent des weltweiten Öls befördert, an ihr sind auch westliche Ölfirmen wie Chevron und Shell beteiligt.

Öltransport über Aserbaidschan statt Russland

Tokajew ordnete nun nach Informationen des Präsidentenamtes eine Studie über den Bau einer Pipeline durch das Kaspische Meer an. Dann würde kasachisches Öl über Aserbaidschan per Pipeline nach Westen gepumpt werden können - unter Umgehung Russlands. Eine Umsetzung würde freilich dauern.

Angespanntes Verhältnis zu Russland

Auslöser der Planungen sind Spannungen zwischen den beiden ehemaligen Sowjetrepubliken. Tokajew bemüht sich um ein ausgewogenes Verhältnis zu Russland, dem Westen und China. Er hatte zuletzt gesagt, dass sein Land die Unabhängigkeit der prorussischen Separatistengebiete Donezk und Luhansk in der Ukraine nicht anerkennen würde, und stellte Europa zudem zusätzliche Gas- und Öllieferungen in Aussicht. Das Land lebt sehr stark vom Export fossiler Energien. Russische Politiker hatten die Regierung in Moskau aufgefordert, sich stärker um den Schutz der russischen Minderheit in Kasachstan zu kümmern, die rund 18 Prozent der dortigen Bevölkerung ausmacht.

Das Gericht in der russischen Stadt Noworossijsk hatte eine Unterbrechung des CPC-Pipeline-Betrieb angeordnet, weil Unterlagen über Umweltauflagen fehlten. Es gibt aber den Verdacht, dass der Schritt politisch motiviert ist. Kanzler Olaf Scholz hatte erst am Mittwoch betont, dass Russland technische Probleme nur vorschiebe, die für die Gas-Lieferkürzungen über die Nord Stream 1-Pipeline verantwortlich sein sollen. Russland setze Energie vielmehr als politische Waffe ein, sagte er.

Quelle: Agenturen / ddj