APA/APA/GEORG HOCHMUTH/GEORG HOCHMUTH

Kampagne gegen Lehrermangel jetzt mit Fokus auf Maturanten

0

Österreichs Schulen kämpfen in einigen Regionen und Fächern mit zunehmendem Personalmangel. Seit Herbst wirbt deshalb das Bildungsressort unter dem Titel "Klasse Job" um zusätzliche Lehrerinnen und Lehrer. Der erste Teil der vergangenen Herbst gestarteten Kampagne richtete sich an Quereinsteiger, 1.000 Bewerbungen gab es bereits. Im zweiten Teil werden nun Maturanten angesprochen, kündigte Minister Martin Polaschek (ÖVP) am Donnerstag an.

Um den erhöhten Lehrerbedarf langfristig und nachhaltig decken zu können, müssten mehr junge Menschen für das Lehramtsstudium motiviert werden, betonte Polaschek bei der Pressekonferenz. Deshalb soll im zweiten Teil der Kampagne "Klasse Job" die Attraktivität des Lehrberufs vor allem für Junge auf unterschiedliche Art hervorgehoben werden: Per Brief werden Maturanten ermutigt, sich für den Lehrer-Job zu entscheiden. Neben Werbung im Internet soll über Schulen und die für die Lehrerausbildung mitverantwortlichen Pädagogischen Hochschulen (PH) Werbematerial verteilt werden. Mit der Kampagne gestartet wird dabei rechtzeitig vor dem Start der Aufnahme- und Eignungsverfahren für die Lehramtsstudien mit 1. März.

Um auch schon davor mehr Schüler für das Unterrichten zu gewinnen, arbeitet "Klasse Job" auch u.a. mit dem Netzwerk der Schüler- und Bildungsberatung zusammen und tritt bei den großen regionalen Berufsbildungsmessen auf. Außerdem sollen die PH ein Konzept für Schnuppertage für Schüler erarbeiten, die Umsetzung soll im kommenden Schuljahr starten.

Parallel soll auch die Kampagne für Quereinsteiger weiterlaufen. Rund 1.000 Personen haben sich in den vergangenen vier Monaten für das neue Quereinsteiger-Modell beworben, bei dem man gleich im normalen Lehrer-Gehaltsschema und nicht mit einem in der Regel schlechter bezahlten Sondervertrag angestellt wird. "Diese Anzahl übersteigt all unsere Erwartungen", zeigte sich Polaschek erfreut über diese Bewerber, die "die Klassenzimmer noch bunter machen sollen". Dabei gab es etwa gleich viele Bewerbungen von Frauen und Männern sowie in allen Regionen, das Durchschnittsalter liegt bei 40 Jahren.

Voraussetzung für eine Aufnahme ins neue Quereinsteiger-Modell sind ein passendes Studium, drei Jahre fachlich geeignete Berufserfahrung und dass man nach erfolgreicher Zertifizierung eine Stelle an einer Schule erhält. Außerdem muss parallel zum Unterrichten innerhalb von fünf Jahren ein Quereinsteiger-Studium an einer PH absolviert werden, dort werden bildungswissenschaftliche und fachdidaktische Kompetenzen vermittelt.

Welche Bewerberinnen und Bewerber für das Modell in Frage kommen, entscheidet eine eigene Zertifizierungskommission. Bisher haben laut Polaschek bereits fast 300 Personen ihre Zertifizierung erhalten und könnten sich damit an Schulen bewerben. Das Modell gibt es für die allgemeinbildenden Fächern (u.a. Deutsch, Physik, Turnen) der Sekundarstufe (Mittelschule, AHS, BMHS).

Während die Industriellenvereinigung sich in einer Aussendung über den Zuspruch zum neuen Quereinsteiger-Angebot erfreut zeigte, setzte es von SPÖ-Bildungssprecherin Petra Tanzler Kritik. "Um junge Menschen für den Lehrberuf zu begeistern, müssen die Arbeitsbedingungen endlich verbessert werden, anstatt nur auf oberflächliche Werbekampagnen zu setzen", forderte sie in einer gemeinsamen Aussendung mit Thomas Bulant, dem Vorsitzenden der Sozialdemokratischen LehrerInnen Österreich (SLÖ). Statt der versprochenen Entlastungsoffensive gebe es aber mehr Bürokratie an den Schulen. Als Beispiel nannte Tanzler einen neuen Sicherstellungserlass des Ministeriums an die Bildungsdirektionen, durch den die Schulen ihre Vorbereitungsarbeiten für das nächste Schuljahr bereits bis Ende März und nicht erst zum Ende des Sommersemesters abschließen müssen. Diese Belastungen würden neben den Schulleitungen auch deren pädagogischen Teams und somit direkt die Arbeit in den Klassen treffen, warnte Bulant.

ribbon Zusammenfassung
  • Österreichs Schulen kämpfen in einigen Regionen und Fächern mit zunehmendem Personalmangel.
  • Seit Herbst wirbt deshalb das Bildungsressort unter dem Titel "Klasse Job" um zusätzliche Lehrerinnen und Lehrer.
  • Der erste Teil der vergangenen Herbst gestarteten Kampagne richtete sich an Quereinsteiger, 1.000 Bewerbungen gab es bereits.
  • Im zweiten Teil werden nun Maturanten angesprochen, kündigte Minister Martin Polaschek (ÖVP) am Donnerstag an.

Mehr aus Politik