APA - Austria Presse Agentur

Kärnten, Oberösterreich und Tirol verschärfen Corona-Regeln

29. Okt 2021 · Lesedauer 4 min

Ein Bundesland nach dem anderen verhängt schärfere Corona-Maßnahmen. Am Freitagabend folgte Kärnten dem Beispiel von Oberösterreich und Tirol und reagiert auf steigende Corona-Zahlen mit strengeren Covid-Regeln.

Erst verschärfte die Steiermark seine Corona-Regeln, am Freitag zogen erst Tirol und dann Oberösterreich nach, am Abend schließlich auch Kärnten. Angesichts steigender Infektionszahlen sollen die neuen Maßnahmen vor allem auf Ungeimpfte abzielen.

Kärnten, Tirol und Oberösterreich setzen führen die 2G-Regel in der Nachtgastronomie und in Diskotheken s0wie bei Veranstaltungen ab 500 Personen. Dann darf man nur mehr hinein, wenn man geimpft oder genesen ist.

Der große Unterschied: In Kärnten treten die Regeln ab 4. November in Kraft, in Tirol und Österreich ab dem 8. November

Die verschärften Corona-Maßnahmen:

  • 2G-Regel (geimpft und genesen) für Nachtgastronomie (in OÖ, Kärnten und Tirol)
  • Maskenpflicht im Handel, Museen und Bibliotheken (gilt in OÖ bereits, wird in Kärnten am 4.11. und in Tirol am 8.11. eingeführt)
  • 2,5G-Regel (genesen, geimpft, PCR-getestet) im medizinischen Bereich (in Tirol ab 8.11.)

Corona-Anstieg: Experten wollen Maßnahmen vorziehen

Kärnten: 180-Grad-Kehrtwendung

Mit den Verschärfungen "knüpft Kärnten an die Empfehlungen der Corona-Kommission an, die empfiehlt, Maßnahmen aus dem geplanten österreichischen Stufenplan bei steigender Belegung der Intensivbetten vorzuziehen", hieß es am Abend. Am Freitag zu Mittag hatte das noch völlig anders geklungen: "Auf Beschluss der Expertinnen und Experten im Corona-Koordinationsgremium werden in Kärnten die Corona-Maßnahmen vorerst nicht verschärft. Vielmehr bräuchte es bundeseinheitliche Maßnahmen", hieß es da noch. 

OÖ: Schwerpunktkontrollen

Zu Halloween kündigte Oberösterreich verstärkte Kontrollen in der Gastronomie und bei Veranstaltungen an. Kinder, die von Haus zu Haus ziehen, um Süßigkeiten zu sammeln, würden selbstverständlich nicht kontrolliert. Bereits seit heute, Freitag, herrscht in Oberösterreich eine verschärfte FFP2-Maskenpflicht. Sie gilt im gesamten Handel sowie in Kultureinrichtungen, in denen keine 3G-Regel gilt - wie etwa in Museen und Bibliotheken. In Kinos oder Theatern sowie bei körpernahen Dienstleistern besteht aber keine Maskenpflicht, hier muss man einen 3G-Nachweis herzeigen. Zudem gab es schon bisher in zwei Bezirken - Braunau und Freistadt - Ausreisekontrollen, Gmunden folgte am Freitag als weiterer betroffener Bezirk.

Tirol führt Maskenpflicht neu ein

In Tirol führt man die Maskenpflicht im gesamten Handel sowie in Museen und Bibliotheken, die in Oberösterreich bereits gilt erst mit 8.11. ein. 

Im medizinischen Bereich wie in Pflegeheimen, Krankenhäusern oder Arztordinationen wird in Tirol die 2,5G-Regel gelten. Dort muss man geimpft oder genesen sein oder einen negativen PCR-Test vorweisen können. Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) bezeichnete die Maßnahmen in einer Aussendung als "alternativlos".

Statistiker Neuwirth rechnet am Samstag mit über 5.000 Corona-Fällen

"Wir sollten sehr wachsam sein und ja nicht zu spät reagieren", warnte Statistiker Erich Neuwirth am Freitag im PULS 24-Interview.

Tirol: OP-Verschiebungen drohen

Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) bezeichnete die Maßnahmen in einer Aussendung als "alternativlos". Aktuell werden im Bundesland 82 Corona-Patienten in den Spitälern behandelt, 20 davon auf Intensivstationen. 738 Corona-Infektionen kamen in den vergangenen 48 Stunden hinzu. Prognosemodelle würden zeigen, dass bereits Ende nächster Woche mit 30 behandelten Covid-Patienten auf den Intensivstationen gerechnet wird, argumentierte der Landeshauptmann. Laut Ärzten könne "für manche Bereiche" nicht mehr ausgeschlossen werden, dass in "absehbarer Zeit" Routine-Operationen verschoben werden müssen. Einmal mehr betonte Platter, dass die Krankenhauskapazitäten das entscheidende Kriterium bei der Beurteilung seien.

Kärnten steht kurz vor Intensiv-Ausbaustufe 2

In den vergangenen Tagen war die Zahl der Neuinfektionen und auch der Coronapatienten in den Kärntner Krankenhäusern enorm angestiegen. Am Donnerstag wurden erstmals seit vergangenem Dezember mehr als 300 Neuinfektionen innerhalb von 24 Stunden verzeichnet. Und am Freitag gab es erstmals seit dem Frühjahr wieder mehr als 100 Coronapatienten, die im Spital behandelt werden müssen. 18 Covid-Patienten liegen auf einer Intensivstation, ab 20 tritt die nächste Stufe des Maßnahmenplanes der Krankenhäuser in Kraft, bei der planbare Operationen verschoben werden müssen.

OÖ stockt Spitalskapazitäten auf

In Oberösterreich sind bereits alle Intensiv-Betten mit Corona-Patienten belegt. Deshalb wird dort die Betten-Kapazität ausgebaut. Die Intensivbetten werden von 51 auf 75 aufgestockt, die Normalbetten von 300 auf 40o. Mehr dazu: 

Maßnahmen zielen auf Ungeimpfte

Tirols Gesundheitslandesrätin Annette Leja (ÖVP) merkte an, dass man mit den "sehr strengen Maßnahmen" zur Nachtgastronomie sowie bei Großveranstaltungen bewusst auf Ungeimpfte abziele. Die Impfung wirke und verhindere schwere Krankheitsverläufen, wurde einmal mehr betont - verbunden mit dem Appell, sich impfen zu lassen.

Indes steigt durch die Maßnahmen der Bedarf an PCR-Testungen. Deshalb werden laut den Verantwortlichen neben den Screeningstationen voraussichtlich im Laufe des November auch rund 200 PCR-Selbsttestboxen im ganzen Land Tirol zur Verfügung stehen. Dort können PCR-Tests künftig abgeholt bzw. zur Auswertung wieder abgegeben werden. Dieses System der Gurgeltests kommt bereits in anderen Bundesländern bzw. Gemeinden in Österreich zum Einsatz und werde nun auch in Tirol gestartet.

Alexander Plank-BachseltenQuelle: Redaktion / apb