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Johnson dementiert Cummings-Vorwurf: Habe nicht gelogen

18. Jan. 2022 · Lesedauer 2 min

In Großbritannien sorgen Regierungs-Partys während des Lockdowns weiter für Wirbel. Premierminister Boris Johnson wies Anschuldigungen eines früheren Beraters zurück, er habe falsche Angaben dazu gemacht. Auf die Frage von Journalisten, ob er die britische Bevölkerung und das Parlament angelogen habe, antwortete Johnson: "Nein." Niemand habe ihn darüber aufgeklärt, dass mit der fraglichen Party Ende Mai 2020 gegen Corona-Auflagen verstoßen worden sei.

Er sei davon ausgegangen, dass es sich um eine Arbeitsbesprechung handle, bekräftigte Johnson. Fragen nach einem Rücktritt wich er aus.

Zuletzt gab es immer mehr Berichte über Partys trotz geltender Corona-Einschränkungen, was den Druck auf Johnson erhöht. Vergangene Woche entschuldigte er sich im Parlament für eine Gartenparty in der Downing Street am 20. Mai 2020. Er sei davon ausgegangen, dass es sich um eine Arbeitsbesprechung gehandelt habe. Er habe 25 Minuten daran teilgenommen, um den Mitarbeitern zu danken.

Sein früherer Berater Dominic Cummings widersprach dieser Schilderung. Er und mindestens ein weiterer Berater hätten versucht, die umstrittene Party zu unterbinden. Sie hätten Johnsons Privatsekretär Martin Reynolds, der in einem E-Mail zu der Gartenparty eingeladen hatte, gewarnt. Sie hätten Reynolds per E-Mail geschrieben, dass mit der Party Corona-Regeln gebrochen würden. Sie sollte deshalb nicht stattfinden. Johnson hingegen sei einverstanden gewesen, schrieb Cummings in seinem Blog. Cummings gilt als einer der Architekten des britischen EU-Ausstiegs (Brexit). Er trat im November 2020 im Streit zurück.

Die jüngsten Skandale haben die Zustimmungswerte für Johnsons Konservative einbrechen lassen. Johnson musste sich sogar bei Königin Elizabeth entschuldigen. Es hatte Berichte über weitere Partys im April 2021 gegeben, die nicht nur trotz Einschränkungen gefeiert wurden, sondern auch noch am Vorabend der Beisetzung von Prinz Philip, dem Ehemann der Königin. Wegen der damals geltenden Regeln saß die Queen bei der Trauerfeier in der St George's Chapel alleine in einer Bankreihe. Er bedauere zutiefst, dass es die Partys gegeben habe, sagte Johnson am Dienstag.

Im Zuge der Enthüllungen werden die Rufe nach Johnsons Rücktritt immer lauter - auch in den eigenen Reihen. Johnson und zahlreiche Kabinettsmitglieder weichen Fragen darüber aus. Sie verweisen auf eine interne Ermittlung der hochrangigen Beamtin Sue Gray. Zunächst sollten die Ergebnisse abgewartet werden, sagte Finanzminister Rishi Sunak am Dienstag. Er glaube Johnson. Vize-Premierminister Dominic Raab bezeichnete es als Blödsinn anzunehmen, Johnson habe gelogen.

Quelle: Agenturen