APA - Austria Presse Agentur

Jeder dritte Österreicher findet Bestechung akzeptabel

Juni 24, 2020 · Lesedauer 3 min

Jeder dritte Österreicher findet die Bestechung eines Beamten "manchmal oder immer" akzeptabel. Das geht aus einem am Mittwoch veröffentlichten Bericht der Agentur der Europäischen Union für Grundrechte (FRA) hervor. Damit liegt die Alpenrepublik im EU-Durchschnitt. Den Höchstwert im EU-Vergleich erreicht Österreich jedoch woanders: Zehn Prozent fürchten sich vor Einschüchterung durch Parteien.

Den zweiten Platz nehmen bei der Angst, "Opfer politischer Einschüchterung durch Parteien oder Organisationen während des Wahlkampfs" zu werden, Bulgarien und Rumänen mit jeweils acht Prozent ein. Den niedrigsten Wert weisen Estland und Zypern mit jeweils einem Prozent auf. Der EU-Durchschnitt kommt auf fünf Prozent.

Rund zehn Prozentpunkte über dem EU-Durchschnitt liegt Österreich auch bei der Aussage, dass "Menschen in diesem Land eher angestellt bzw. befördert werden, wenn sie einer regierenden Partei angehören". Mehr als zwei Drittel (71 Prozent) der Österreicher sehen einen starken Zusammenhang zwischen Parteimitgliedschaft und der Häufigkeit von Jobangeboten. Mit 92 Prozent rangiert hier Griechenland auf dem ersten Platz, Schlusslicht bilden Dänemark und die Niederlande mit jeweils 18 Prozent.

Eine Mehrheit (60 Prozent) der Österreicher sind der Meinung, dass alle Bürger in ihrem Land dieselben Menschenrechte genießen. Der EU-Durchschnitt liegt hier bei 52 Prozent, in den Niederlanden bei knapp 80 Prozent, in Zypern bei zwölf Prozent. Gleichzeitig glauben mehr als zwei Drittel der Österreicher, und damit um 13 Prozentpunkte mehr als der EU-Durchschnitt, dass es in ihrem Land keine Probleme mit Menschenrechtsverletzungen gibt. Der Wert ist nur in Dänemark und Luxemburg um sechs Prozentpunkte höher, am niedrigsten wieder in Zypern bei 13 Prozent.

"Es ist alarmierend, wie viele junge Europäer oder diejenigen, die Schwierigkeiten haben, über die Runden zu kommen, sich fühlen, als ob Menschenrechte für sie nicht gelten. Menschenrechte sind für alle da und niemand sollte sich alleine gelassen fühlen", sagte der Direktor der in Wien ansässigen Organisation, Michael O'Flaherty. Die Anzahl jener Menschen, die von Korruption und davon, wie unsere demokratische Gesellschaft funktioniert, enttäuscht sind, sollte seiner Ansicht nach dazu führen, dass die EU-Länder Maßnahmen ergreifen. "Wir alle haben die Pflicht sicherzustellen, dass die Menschenrechte greifbar werden."

Die Studie wurde in allen 27 EU-Staaten sowie Großbritannien und Nordmazedonien zwischen Jänner und Oktober 2019 durchgeführt. Die rund 35.000 Befragten waren über 16 Jahre alt und lebten mindestens ein Jahr vor der repräsentativen Umfrage in dem Land. Die Daten sind in einer Kombination aus persönlicher und Online-Befragung erhoben worden.

Quelle: Agenturen